Vor drei Jahren wurde zwischen Wulfen und Lembeck eine marode Brücke über der Bahnlinie Dorsten/Coesfeld abgerissen. Den fälligen Neubau will die Stadt weiter verschieben. Hier die Gründe.

Dorsten

, 02.10.2019, 11:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Zechenbahnbrücke, Hochstadenbrücke, Hammbachbrücke - in den vergangenen Jahren gab es in der öffentlichen Diskussion mehrere gesperrte oder abgerissene Brücken in Dorsten, deren Wiedereröffnung die Bürger lange sehnsüchtig erwarteten. Nun aber geht es um den 180.000 Euro teuren Neubau einer abgebrochenen Brücke, die anscheinend kein Mensch vermisst.

Aus Kostengründen

Diesen Eindruck hat jedenfalls die Stadt Dorsten - und will den geplanten Neubau des Brückenbauwerks laut einer Berichtsvorlage für die nächste Sitzung des Bauausschusses (8. Oktober, Dienstag, 17 Uhr im Rathaus) aus Kostengründen deshalb zeitlich noch weiter nach hinten verschieben. Doch kaum ist der Plan öffentlich bekannt geworden, gibt es schon Bürgerkritik.

Es handelt sich um die ehemalige Wegeverbindung über die Eisenbahnstrecke Dorsten-Coesfeld zwischen Wulfen und Lembeck. Die mehr als 125 Jahre alte Gewölbebrücke aus Stein in Verlängerung der Straße „Kippheide“ war 2015 wegen erheblicher Schäden für Autos und den landwirtschaftlichen Verkehr gesperrt worden. Im August 2016 wurde sie schließlich abgerissen.

Für Radler und Wanderer

Die Stadt will die Brücke als reine Fuß- und Radwegeverbindung neu bauen. Sie sei wichtig für Wanderer und Freizeitradler, hieß es, weil die Rundwanderwege A2, A3, A4 und A5 sowie unter anderem die innerstädtische Themenroute „Über Stock und Stein“ (D6) über die Brücke führen und die Umwege nördlich der Lippramsdorfer Straße oder südlich am Präsenkamp „keine Alternativen für das Freizeitnetz“ seien.

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Die Stadt ist aber inzwischen der Abnsicht, dass die Bürger wohl still und heimlich die gennaten Ausweichrouten zur Gleisquerung gesucht haben. Denn seit Abriss der Brücke vor drei Jahren habe es nach Angaben der Stadt keine einzige Nachfrage von Bürgern bei der Verwaltung gegeben, wann mit dem Ersatzbau zu rechnen sei.

180.000 Euro teuer

Deswegen will die Stadt die 180.000 Euro, die sie eigentlich in diesem Jahr in den Etat für den Brückenneubau eingestellt hat, angesichts der aktuell schwierigen Haushaltslage erst später für die Brücke verwenden. Das nötige Geld hat die Politik übrigens schon längst bewilligt: „Aufgrund von extremen Personalengpässen im Tiefbauamt und dringender vorrangig zu bearbeitender anderer Projekte konnte der Brückenneubau bisher nicht umgesetzt werden“, erklärt die Stadt die Bauverzögerung.

„Mir begegnen viele Leute“

Ob die Stadt mit Entscheidung richtig liegt, bezweifelt Chrsitian Holtrichter. Der Wulfener hat mit Erstaunen die Pläne der Stadt zur Kenntnis genommen. „Diese Stelle haben wir mit unserer Familie „häufig benutzt, um mit den Rädern in das Naturschutzgebiet Hohe Mark oder abseits der L608 nach Lembeck zu gelangen“, betont der Wulfener: „Ebenso häufig gehe ich in die Richtung mit dem Hund spazieren und zum Joggen. Eine Vielzahl von Leuten mit Rädern oder mit Hunden begegnen mir hier“, sagt er.

„Da quengeln Bürger einmal nicht rum und fragen ständig bei den Behörden nach und schon wird das geplante Projekt vertagt und die vorgesehenen Gelder anderweitig verwendet. Warum auch sollten die Bürger nachfragen, gab es doch eine Aussage, zu wann die neue Brücke geplant sei und erstellt wird, und auf ein Wort sollte man sich doch verlassen können“, meint er.

„Trampelpfad über die Gleise“

Er schläger der Stadt vor, das Gelände 100 m vor der abgerissenen Brücke an. „Ein Trampelpfad an dieser Stelle über das Gleisbett und über das anschließende Feld zeigen unmissverständlich, dass diese Stelle zwischen Wulfen und Lembeck weiterhin von Wanderern und fahrradschleppenden Bikern frequentiert wird.

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