Auf dem Weg in die Steinzeit: Dorsten will gegen Schottergärten vorgehen

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Schottergärten sind vielen Menschen in Dorsten ein Dorn im Auge. Und sie sind auch längst nicht so praktisch, wie man glaubt. Die Stadt will aufklären, denkt aber auch über Verbote nach.

Dorsten

, 11.02.2020, 04:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wer einen Schottergarten vor der eigenen Haustür anlegt, macht es sich vermeintlich einfach. Vor allem Berufstätige und ältere Menschen glauben, dass die „Wüste“ im Vorgarten keine Arbeit macht. „Falsch“, sagt Franz-Josef Gövert. „Laub sammelt sich auch hier an. Und spätestens nach ein paar Jahren sprießt Unkraut.“

Kleine Oasen mit einfachen Mitteln

Gövert leitete seit 1983 und bis zu seiner Pensionierung die kommunale Grünflächenunterhaltung in Münster. Auf der Hervestkonferenz warb der Dorstener vor wenigen Tagen für „kleine, grüne Oasen“, die man „mit einfachen Mitteln“ anlegen und pflegen könne. Schottergärten hingegen seien nicht gut für die Tierwelt und das Stadtklima. Die Steine heizen sich bei Sonneneinstrahlung auf und geben die Wärme nachts wieder ab.

Schottergärten und Steinbeete gibt es viele in Dorsten, in allen Stadtteilen. Gefühlt werden es immer mehr, belastbare Zahlen gibt es aber nicht. Aufgeflammt ist die Diskussion Mitte 2018, als die städtische Wirtschaftsförderungsgesellschaft Windor vor der eigenen Haustür an der Bismarckstraße ein Steinbeet anlegen ließ.

Steingärten sind „faktisch versiegelt“

Was anderorts verlangt wird, gilt für die Stadtverwaltung offenbar nicht, lautete damals ein weit verbreiteter Vorwurf. „Die Diskussion war in Teilen unfair“, sagt Baudezernent Holger Lohse rückblickend, „weil die Gestaltung noch nicht beendet war.“

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Inzwischen gibt es auch ein paar Pflanzen auf den Windor-Steinen, anderorts ist vor Privathäusern allerdings kein bisschen Grün zu sehen. Das stört Lohse auch. Solche Flächen seien „faktisch versiegelt“, zumindest dann, wenn auch eine Folie als Untergrund verwendet wurde. Das wiederum müsste streng genommen Auswirkungen auf die Entwässerungsgebühren haben, „aber wer will das in jedem Einzelfall kontrollieren?“, fragt der Baudezernent.

Neue Richtlinien in künftigen Bebauungsplänen

Die Stadtverwaltung will nun die Ausbreitung solcher „Steinwüsten“ in Dorsten stoppen. Für die nächste Sitzung des Umwelt- und Planungsausschusses am 25. Februar (Dienstag) bereitet sie gerade eine Beschlussvorlage vor, deshalb wollte Lohse vor der Hervestkonferenz noch nicht ins Detail gehen, bevor die Politik informiert ist.

Klar scheint indes: Es geht um Aufklärung und Anreize, Grün statt Grau im Vorgarten zu haben. Lohse erwähnte beispielhaft das Projekt „Mitte zeigt Gärten“. Aber es geht womöglich auch um klare Richtlinien. Denkbar, dass künftig in neuen Bebauungsplänen „auf gute Gestaltung“ hingewiesen wird und Steingärten faktisch verboten werden. „Da gibt es rechtliche Möglichkeiten.“

Eine drastische Meinung zu Schottergärten hat übrigens der Geschäftsführer des Naturschutzbundes in Deutschland, Axel Mayer. Sein Zitat machte bei der Hervestkonferenz die Runde. „Ein Schottergarten ist keine Wüste. Denn die Wüste lebt.“

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