Kaputte Schulmöbel in Dorsten: Stadt hat kein Geld - Stühle brechen unter Lehrern zusammen

rnSchulen in Dorsten

Lehrerkonferenz in der Gesamtschule Wulfen. Plötzlich kracht es. Zwei Stühle brechen unter Lehrern zusammen. Weil die Stadt kein Geld hat, müssen Schulen selbst Lösungen finden.

Wulfen

, 16.11.2019, 05:08 Uhr / Lesedauer: 2 min

Den beiden Lehrern ist glücklicherweise nichts passiert. Sie kamen mit dem Schrecken davon, als die Stühle plötzlich unter ihnen nachgaben. Gesamtschulleiter Hermann Twittenhoff schilderte dem Schulausschuss beispielhaft, wie schlecht es um Teile der Möbel in seiner Schule bestellt ist.

„Trotz der wirklich guten Zusammenarbeit mit der Schulverwaltung und der engen Kooperation muss man doch sagen: Wir haben kein Luxusproblem, wenn wir um neue Möbel bitten“, so Twittenhoff auf unsere Anfrage.

Der Schulausschuss hat am Mittwoch moderate Kürzungen im Etat beschlossen, um für Entlastungen im defizitären Stadthaushalt zu sorgen. Alle Abteilungen müssen zum Sparen beitragen. Auch die Schulverwaltung muss trotz zahlreicher Pflichtaufgaben Etatansätze kürzen.

Unbehagen bei den Ausschussmitgliedern

Das bereitete den Ausschussmitgliedern Unbehagen. Inge Zobec (SPD) fasste ihre Zuversicht in die Leistungsfähigkeit der Schulverwaltung so zusammen: „Wir gehen davon aus, dass gehandelt wird, wenn die Kinder plötzlich stehen müssen, weil es keine Ersatzstühle gibt.“

„Bei uns werden die Möbel sukzessive erneuert“, sagte Hermann Twittenhoff. Das Ziel, zum 50-jährigen Bestehen seiner Schule Gäste auf rundum erneuerte Tische und Stühle verweisen zu können, wird aber wohl nicht eingehalten werden können, wie er glaubt. „Wir bekommen pro Jahr etwa 120 neue Einzeltische und Stühle.“ Das Kontingent werde nicht reichen, um bis 2024 innen wie außen glänzen zu können.

Kaputte Schulmöbel in Dorsten: Stadt hat kein Geld - Stühle brechen unter Lehrern zusammen

Hochstapelei von Kindergartenstühlen? Nein, das sind Sitzmöbel aus dem vergangenen Jahrhundert, die in der Gesamtschule Wulfen immer noch gute Dienste leisten. © Claudia Engel

Einige Tische und Stühle stammten noch aus den Gründerjahren der Gesamtschule. So sehen sie auch aus. Weitere Möbel wurden in den 1980er-Jahren angeschafft. Diese Möbel machen etwa zwei Drittel des Gesamtbestandes aus. Ein Drittel wurde in den letzten Jahren erneuert.

Kaputte Schulmöbel in Dorsten: Stadt hat kein Geld - Stühle brechen unter Lehrern zusammen

Plastik ist unkaputtbar: Diese Stühle sind die eiserne Reserve im Keller der Gesamtschule. © Claudia Engel

Reservestühle und -tische ruhen im weitverzweigten Keller der Gesamtschule Wulfen. Dort gibt es einen Raum, wo die beiden Hausmeister ihre „Stuhlverwaltung“ haben. Die Männer vom Zentralen Gebäudemanagement sind Meister im Zusammenschweißen: „Aus zwei mach eins“, sagt einer der Angestellten, sei die Devise.

Nicht schön, aber durchaus zweckmäßig

Alte, kaputte Stühle und Tische werden auf ihre brauchbaren Teile untersucht. Mehrere brauchbare Teile ergeben einen haltbaren Stuhl. Oder Tisch. Das ist nicht schön, aber zweckmäßig. Eine neue Partie Gebrauchtmöbel habe die Gesamtschule von der Geschwister-Scholl-Schule erhalten.

Die ist bekanntlich umgesiedelt worden und hat Platz gemacht für die neue Agathaschule am Nonnenkamp. Die überzähligen Schulmöbel hat die Gesamtschule bekommen. Not macht erfinderisch. Das konnte Jennifer Schug (SPD) nur bestätigen: „Eltern kaufen Möbel. Lehrer bringen Möbel mit.“ Die Situation sei „relativ dramatisch“: „Wir müssen sehen, dass wir das geändert kriegen“, sagte sie.

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