Stadt lässt mit Lösungen für sichere Schulwege auf sich warten

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Elterntaxis sind seit Jahren ein Ärgernis an Dorstener Schulen. Die Stadt hat einen angekündigten Bericht bisher nicht geliefert. Dafür gibt es nun einen Testlauf für eine Elternhaltestelle.

von Leo Maas, Falko Bastos

Dorsten

, 11.07.2019, 18:05 Uhr / Lesedauer: 3 min

Mittwoch gegen 13.30 Uhr vor dem St.-Ursula-Gymnasium: Schulschluss. Die Feuerwehrzufahrt ist zugeparkt. Eltern, die ihre Kinder abholen, wenden mit dem Auto zwischen den Radfahrern und Fußgängern, die aus der Schule kommen.

Es ist ein häufiges Bild an Schulen im ganzen Land, Elterntaxis werden zunehmend zum Ärgernis. Gemeint sind Eltern, die ihre Kinder am liebsten bis ins Klassenzimmer fahren würden. Sie parken oft direkt vor der Schule, versperren Wege, wenden auf engstem Raum und gefährden damit die Kinder, die zu Fuß kommen.

Auch an Dorstens Schulen kennt man das Problem. 46 Verwarnungen sprach das Ordnungsamt bei einer Schwerpunktkontrolle 2017 an den zwei Schulen an der Pliesterbecker Straße aus. Die Fahrer hatten die Gehwege so zugeparkt, dass Kinder auf die Straße ausweichen mussten.

„Elterntaxis sind das Unnötigste auf der Welt“, meint Herbert Rentmeister, Schulleiter der Agathaschule. Allerdings habe die Schule keine Handhabe, denn schließlich liege der Schulweg in der Verantwortung der Eltern. Deshalb bleibe der Schule nur, an die Vernunft der Eltern und Schüler zu appellieren.

Verwaltung liefert trotz Ankündigung keinen Bericht

Auch die Pestalozzischule auf der Hardt versucht, gegen das gefährliche Chaos auf der Straße durch Appelle an die Eltern vorzugehen. Die sollen von selbst darauf kommen, auf den Hol- und Bringdienst zu verzichten. Allen, die trotzdem fahren wollen, empfiehlt die Schule, den Parkplatz des anliegenden Sportplatzes des SV Dorsten-Hardt zu nutzen. Hauptsache nicht direkt vor der Schultür.

Das Gymnasium St. Ursula gebe ebenfalls Hinweise an die Eltern, so Schulleiterin Elisabeth Schulte-Huxel. Vor allem mittags werde es eng auf der Straße. Viele Eltern würden sich in Gesprächen aber einsichtig zeigen und auf das Elterntaxi verzichten.

Das Thema beschäftigte bereits im April 2018 den Schulausschuss. Der Kommunale Ordnungsdienst solle möglichst schnell die Situation an den Grundschulen dokumentieren, um festzustellen, wo es besonders kritisch ist, hatte der damalige Schuldezernent Lars Ehm im Ausschuss angekündigt. Die Ergebnisse sollten dem Ausschuss in einem Sachstandsbericht präsentiert werden. Ehm hatte diesen für eine Ausschusssitzung im November 2018 in Aussicht gestellt.

Doch dieser liegt bis heute nicht vor. „Ich habe schon mehrmals daran erinnert“, ärgert sich Jennifer Schug, die dem SPD-Arbeitskreis Schule angehört. Die Bestandserhebung an allen Standorten habe der Kommunale Ordnungsdienst im Sommer 2018 durchgeführt, erklärt Stadtsprecher Ludger Böhne. Konkrete Ergebnisse nennt er auf Nachfrage nicht. „Die Ergebnisse werden derzeit in verschiedenen Fachabteilungen ausgewertet.“ Ein Jahr für die Auswertung.

Scharfe Kritik an Stadtverwaltung

Jennifer Schug kritisiert die Stadtverwaltung scharf. Die Stadtverwaltung habe es versäumt, für sichere Schulwege zu sorgen. „Wir haben auf das Problem aufmerksam gemacht und trotzdem passiert nichts.“ Appelle an die Eltern hält sie für wenig hilfreich. „Es kann nicht sein, dass man immer nur auf die Eltern schimpft.“ Schließlich seien durch Schulschließungen viele Eltern zum Fahren gezwungen worden. Stattdessen sieht sie die Stadt in der Verantwortung: „Man muss die Situation vor den Schulen entschärfen. Und es gibt Lösungen.“ Die sieht sie etwa in Hol- und Bringzonen.

Eine „Elternhaltestelle“ testet die Stadt nun an der Albert-Schweitzer-Schule in Hervest. Diese sei im Mai eingerichtet worden, so Böhne. So seien vor der Schule Halteverbote angeordnet und weiter entfernte Haltemöglichkeiten geschaffen worden, um die Kinder das letzte Stück zu Fuß gehen zu lassen.

Dieser Testlauf sei zunächst auf zwei Jahre angelegt. „Nach diesen Erfahrungen wird geprüft, ob das Modell an anderen Schulen sinnvoll umgesetzt werden kann“, so Böhne. Die Stadt habe die Eltern aber noch nicht informiert. „Um zu testen, ob das System selbsterklärend ist.“

Schulweg als pädagogisch wichtiges Erlebnis

Herbert Rentmeister hofft, dass durch den Umzug der Agathaschule an den Nonnenkamp mehr Schüler zu Fuß kommen. Er schätzt, dass der Schulweg zum neuen Standort für etwa ein Drittel der Kinder kürzer wird. Der Schulweg zu Fuß sei für die Schüler aus pädagogischer Sicht wichtig, etwa für die Selbstständigkeit der Kinder und das gemeinsame Erlebnis ohne Erwachsene.

Dazu kommt: Elterntaxis gefährden nicht nur die Fußgänger und Radfahrer. Eine Studie der Deutschen Verkehrswacht ergab, dass mehr Schüler auf dem Schulweg in elterlichen Autos verunglücken als auf dem Fußweg.

An der Antoniusschule begegegnet man dem Thema spielerisch. In einem Unterrichtsprojekt gab es Pluspunkte für einen sicheren Schulweg. Kinder, die mit dem Elterntaxi gebracht wurden, gingen leer aus. Vielleicht kommt der entscheidende Impuls am Ende von der Rückbank.

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