Es ist angerichtet: In der Sporthalle mit großer Abluftanlage werden die Abiturienten der Gesamtschule Wulfen ihre Klausuren schreiben. © Guido Bludau
Abitur-Prüfungen

Start in die Abi-Klausuren: „Dieser Jahrgang hat eine ganz eigene Reife“

Für die Abiturienten in Dorsten und Schermbeck beginnen an diesem Freitag die entscheidenden Wochen. Ihre Lehrer sprechen von einem vollwertigen Abschluss und einer „ganz eigenen Reife“.

Corona-Abitur – diesen Begriff hören Schüler und Lehrer überhaupt nicht gerne. Weil er suggeriert, der Schulabschluss sei in diesem Jahr vielleicht weniger wert als in der Vergangenheit. „Stimmt nicht“, sagen die Leiter der beiden Dorstener Gymnasien, der Gesamtschulen in Wulfen und Schermbeck sowie des Paul-Spiegel-Berufskollegs.

Und doch ist die über ein Jahr andauernde Pandemie irgendwo in den Köpfen, wenn an diesem Freitag (23. April) die Abiturprüfungen mit den Englisch-Leistungs- und Grundkursen beginnen. Das letzte Schuljahr war ein ständiges Hin und Her, mal mit Präsenz in der Schule, oft aber auch auf Distanz zu Lehrern und Mitschülern. Jetzt wird es ernst.

Vorbereitung: Am Gymnasium Petrinum erleben die Lehrer die Abiturienten vergleichsweise entspannt, berichtet Schulleiter Markus Westhoff. „Den Rückmeldungen zufolge fühlen sie sich gut vorbereitet und sehen kein Problem darin, die zentral gestellten Prüfungen zu schreiben.“ Seine Kollegin Elisabeth Schulte Huxel (Gymnasium St. Ursula) räumt „zwischenzeitliche Verunsicherungen“ ein, dennoch habe man gerade zum Schluss den Unterricht noch einmal hochfahren können. „Die freiwilligen Präsenzangebote für den letzten Schliff sind kaum angenommen worden – ein gutes Zeichen dafür, dass die Vorbereitungszeit auch vonseiten der Abiturienten nun abgeschlossen ist.“

Elisabeth Schulte Huxel
Elisabeth Schulte Huxel sieht den Abitur-Jahrgang 2021 am Gymnasium St. Ursula gut vorbereitet. © Ralf Pieper (A) © Ralf Pieper (A)

Hermann Twittenhoff (Gesamtschule Wulfen) hat einen „unglaublich disziplinierten Jahrgang“ erlebt, Norbert Hohmann (Gesamtschule Schermbeck) betont, dass die Schüler immer Kontakt zu den Lehrern hatten und Zusatzangebote gerne angenommen haben. „Sie sind ordentlich vorbereitet.“ Am Paul-Spiegel-Berufskolleg wurden die Abiturienten in den Distanzphasen über ein Lernmanagementsystem unterrichtet. „Das hat nach Meinung der Schüler und Lehrer gut funktioniert und war auch ein Gewinn für den analogen Unterricht“, sagt Schulleiterin Michaela Büschemann.

Schnelltest: Ein Schnelltest vor der Abi-Klausur ist keine Pflicht, aber wer ihn nicht macht, kommt in einen separaten Prüfungsraum. „Wir haben alle 89 Schülerinnen und Schüler abgefragt, alle machen den Test entweder zu Hause oder unmittelbar vor der Klausur“, betont Norbert Hohmann (Gesamtschule Schermbeck). Das Petrinum hat eigens eine „Teststraße“ eingerichtet, damit sich die Schüler selbst und einzeln testen können. Test-Verweigerer, so der Eindruck kurz vor dem Start der Abi-Prüfungen, gibt es an allen Schulen kaum. „Die größte Sorge ist nachvollziehbar die Angst vor einer Ansteckung im Prüfungszeitraum“, meint Petrinum-Rektor Markus Westhoff.

Prüfung: Die Gesamtschule Wulfen nutzt ihre Vierfachsporthalle für die schriftlichen Prüfungen. „Die Abluftanlage ist konzipiert für 1.500 Menschen, die Schüler werden sich fühlen, als schrieben sie an der frischen Luft“, glaubt Schulleiter Hermann Twittenhoff. Auch die 46 Abiturienten des Paul-Spiegel-Berufskollegs schreiben die Klausuren in der Turnhalle. Wer einen Corona-Test verweigert, muss in die Pausenhalle.

Das Gymnasium Petrinum nutzt ab Freitag seine Aula und das VHS-Forum, das Gymnasium St. Ursula große Klassenräume und die Aula. „Die Gruppen werden klein sein“, versichert Schulleiterin Elisabeth Schulte Huxel. In der Gesamtschule Schermbeck sind Turnhalle, ein großer Seminarraum und größere Klassenräume für die Abiturienten reserviert.

Norbert Hohmann macht sich keine Sorgen um die Abitur-Ergebnisse. © Berthold Fehmer (A) © Berthold Fehmer (A)

Ausblick: Norbert Hohmann (Schermbeck) macht sich wie seine Kollegen „keine Sorge um die Ergebnisse“. Hermann Twittenhoff (Wulfen) attestiert dem Abiturjahrgang 2021 wegen der besonderen Umstände schon jetzt „ein sehr reflektiertes Nachdenken“ und eine „ganz eigene Reife. Das ist keine Daddel-Generation, sondern mit hoher technischer Kompetenz ausgestattet.“ Michaela Büschemann (Berufskolleg) findet, dass ihre Schüler „sehr früh Verantwortung für die Gesellschaft zeigen“ mussten und das sogenannte Reifezeugnis mehr als verdient haben.

Wie alle Schulleiter hält Elisabeth Schulte Huxel (St. Ursula) das Abitur 2021 für absolut vollwertig. „Die Prüfungen finden zentral statt, die Standards sind unverändert – lediglich bei der Auswahl der Prüfungsaufgaben hat es aufgrund der besonderen Herausforderungen dieser Zeit kleine Adaptierungen durch das Land gegeben. Dennoch bleibt es eine Abiturprüfung ohne Corona-Bonus und diesen möchte auch niemand haben.“

Über den Autor
Redaktionsleiter in Dorsten
Veränderungen gab es immer, doch nie waren sie so gravierend. Und nie so spannend. Die Digitalisierung ist für mich auch eine Chance. Meine journalistischen Grundsätze gelten weiterhin, mein Bauchgefühl bleibt wichtig, aber ich weiß nun, ob es mich nicht trügt. Das sagen mir Datenanalysten. Ich berichte also über das, was Menschen wirklich bewegt.
Zur Autorenseite
Stefan Diebäcker