SPD nennt Caritas-Wohnanlage am Kanal „Luxus-Ghetto“

rnStellungnahme SPD-Fraktion

Der Bau von 65 Wohnungen am Kanal schlägt Wellen, nachdem die Caritas den Interessenten die Mietpreise mitgeteilt hat. Sie sind exklusiv wie die Lage. Jetzt setzt die SPD einen drauf.

Dorsten

, 27.07.2020, 07:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die hohen Mieten für die 65 Caritas-Wohnungen am Kanal (11,50 Euro Kaltmiete pro Quadratmeter) hat einige Dorstener nach eigenem Bekunden umgehauen. Neben Mietinteressenten, die sich bei der Dorstener Zeitung gemeldet haben, rührt sich nun auch SPD-Fraktionschef Friedhelm Fragemann. Er hatte den Bericht im Urlaub gelesen, sagt er. Und redet nach seiner Rückkehr Klartext.

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Fragemann in seiner Stellungnahme: „Dem Geschäftsführer des Caritasverbandes Dorsten, Klaus Schrudde, müsste hinreichend geläufig sein, dass ein sozialer Wohlfahrtsverband nicht die Aufgabe hat, Kapitalrendite zu erzielen, wie es bei freien privaten Unternehmen der Fall ist.“ 11.50 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche als Kaltmiete deutet für Fragemann darauf hin, dass „die notwendige sozialpolitische Orientierung bei der Caritas abhanden gekommen ist“.

„Bei Haussammlungen wird Solidarität eingefordert“

„Ich empfehle dringend eine Rückbesinnung auf die Aufgaben als sozialer Wohlfahrtsverband“, so Friedhelm Fragemann „man kann nicht auf der einen Seite mildtätige und ehrenamtliche Tätigkeiten hochhalten und zum Beispiel über Haussammlungen Solidarität einfordern, auf der anderen Seite aber mit einem Luxus-Ghetto Profite erzielen wollen. Die Aussage von Herrn Schrudde, er hätte auch 15 Euro pro Quadratmeter nehmen können, macht deutlich, dass die notwendige sozialpolitische Orientierung bei der Caritas abhanden gekommen ist.“

SPD gibt den Leserbrief-Schreibern Recht

Die Leserbrief-Schreiber in der Dorstener Zeitung hätten, so Friedhelm Fragemann, mit ihrem Hinweis auf ein Defizit beim sozialen Wohnungsbau nämlich absolut Recht. „Die SPD-Fraktion wird den sozialen Wohnungsbau zu einem zentralen Thema in der neuen Ratsperiode machen“, kündigte der Fraktionschef an.

Hierzu verweist Friedhelm Fragemann auf den schon vor geraumer Zeit von der Dorstener SPD-Ratsfraktion gestellten Antrag, Grundstücke demnächst nur noch über die Stadt zu vermarkten und bis zur Baureife voranzutreiben. Somit hätte es die Stadt in der Hand, für Familien und alle Altersgruppen bedarfsgerechten Wohnraum anzubieten. Aus Sicht der SPD hat Dorsten in dieser Hinsicht ein Defizit, das ausgeglichen werden müsste.

Kritik kommt von ehemaliger Hardt-Bewohnerin

Eine ehemalige Hardterin, die eine barrierefreie Neubauwohnung im benachbarten Schermbeck von einem privaten Eigentümer zum „bezahlbaren Preis bekommen hat“, ärgerte sich im Gespräch schwarz über die Caritas-Mieten in Dorsten: „Wir haben uns auch für eine dieser Wohnungen interessiert, können und wollen diesen Preis aber nicht bezahlen. Was glaubt die Caritas eigentlich, was Rentner monatlich zur Verfügung haben?“

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