"Storchenwagen" rettet Frühchen-Leben

Mobile Intensivstation

Wenn ein Rettungswagen (RTW) der Feuerwehr Bottrop auf der linken Spur der Autobahn mit Blaulicht und Martinshorn nur 20 Stundenkilometer fährt, dann handelt es sich wahrscheinlich um den sogenannten "Storchenwagen".

Dorsten

, 09.08.2015, 13:50 Uhr / Lesedauer: 2 min
"Storchenwagen" rettet Frühchen-Leben

Chefarzt Dr. Martin Günther (links) und Oberarzt Sezgin Ata versorgen extrem Frühgeborene und Säuglinge.

Die rollende Mini-Intensivstation für früh geborene Babys kommt in Notfällen auch in Dorsten zum Einsatz. Die Frühgeborenen müssen äußerst behutsam transportiert werden, deshalb die oft ungewöhnliche und möglichst erschütterungsfreie Fahrweise. Das St.-Elisabeth-Krankenhaus Dorsten und das St.-Sixtus-Krankenhaus in Haltern kooperieren in Sachen Perinatalmedizin mit der Klinik für Kinder und Jugendmedizin im Marienhospital in Bottrop. Dort steht der Storchenwagen für Notfälle bereit.

Perinatalzentrum

„Der Wagen kommt zum Beispiel nach einer häuslichen Frühgeburt oder bei Verlegungen ins Perinatalzentrum zum Einsatz“, sagt Dr. Martin Günther, Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, Perinatalzentrum Level 1, am Bottroper Marienhospital. „Er ermöglicht eine intensiv-medizinische Betreuung der Frühchen und eine Versorgung ab der 23. Schwangerschaftswoche.“

Seit 2003 kooperiert die Bottroper Klinik mit dem Elisabeth-Krankenhaus Dorsten, 2014 wurde die Kooperation auch auf das Sixtus-Hospital Haltern ausgedehnt. „Wir arbeiten inzwischen so Hand in Hand, dass der Einsatz dieser Nottransporte möglichst nicht mehr erforderlich ist“, sagt Dr. Stefan Wilhelms, Chefarzt der Frauenklinik an beiden Krankenhäusern. Durchschnittlich ein Mal im Jahr wird eine Verlegung ins Perinatalzentrum in Bottrop notwendig.

24-Stunden-Standby

„Heute ermöglichen Tests in der Schwangerschaft frühzeitig zu erkennen, ob es Probleme mit der Geburt geben könnte, ob gesundheitliche Schädigungen vorliegen oder ob eine Frühgeburt droht“, sagt Dr. Wilhelms. „Wir transportieren dann lieber das Kind im Bauch der Mutter zur entsprechenden Behandlung“, ergänzt Dr. Martin Günther. In den Frauenkliniken in Dorsten und Haltern werden normalerweise Geburten ab der 36. Schwangerschaftswoche vorgenommen. Die Experten aus Bottrop sind aber in beiden Kliniken täglich präsent. „Das ist Teil unserer Kooperation, die bereits positive Früchte trägt“, sagt Dr. Stefan Wilhelms. „In Dorsten arbeiten wir ja schon länger zusammen, seit wir die Kooperation auch mit Haltern scharf gestellt haben, hat sich die Zahl der Anmeldungen für Geburten dort nahezu verdoppelt.“ Die Eltern haben den Vorteil, ortsnah im Krankenhaus die Entbindung vornehmen lassen zu können und im Hintergrund auf das „24-Stunden-Standby“ der Bottroper Spezialisten zurückgreifen zu können. „95 Prozent der Geburten verlaufen normal und ohne Komplikationen“, sagt Dr. Martin Günther. „Schwangerschaft ist keine Krankheit, sondern ein Zustand von besonderer Gesundheit.“

Mobiler Brutkasten

50.000 Euro hat der mobile Brutkasten gekostet, in dem Frühgeborene auf einem Fahrzeug der Feuerwehr Bottrop mit erfahrenen Sanitätern im Storchenwagen transportiert werden. „Schon kleine Erschütterungen können zum Beispiel zu Hirnblutungen bei den sehr früh geborenen Kindern führen, deshalb ist eine absolut ruhige Fahrweise nötig“, sagt Dr. Martin Günther, Chefarzt der Kinder- und Jugendmedizin am Marienhospital Bottrop, „eventuell auch auf der linken, glatteren Autobahnfahrbahn und mit niedrigem Tempo.“ Die Frühgeborenen sind im Brutkasten nahezu von der Außenwelt abgeschirmt, der RTW der Feuerwehr braucht unter anderem eine spezielle Strom- und Gasversorgung für den Transport der Notfall-Einheit.

Die Mannschaft des RTW ist besonders geschult, das Pflegepersonal verfügt über zusätzliche Ausbildungen. Da einem Frühgeborenen mehrere Wochen der Entwicklung im Mutterleib fehlen, können Organe oder Haut noch nicht vollständig entwickelt sein. Deshalb erfordern Pflege und Transport besondere Fachkenntnisse.

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