Im Koks-Rausch eskaliert der Streit um Opferschafe auf Dorstener Bauernhof

rnAmtsgericht Dorsten

Der Streit um drei Schafe für das islamische Opferfest sorgte für wilde Szenen auf einem Dorstener Bauernhof. Auch vor Gericht wurde es so turbulent, dass die Richterin Unterstützung rief.

Dorsten

, 04.12.2019, 19:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

So wild wird es schon nicht werden“, versprach der Verteidiger der kränkelnden Staatsanwältin beim Betreten des Gerichtssaals. Am Ende musste er diese Prognose revidieren.

Wegen mehrerer Fälle von Körperverletzung musste sich sein Mandant vor dem Dorstener Amtsgericht verantworten. Unter anderem war ein Streit um drei Opferschafe eskaliert. Bei einem Dorstener Landwirt hatte der Angeklagte drei Schafe für die Schächtung zum Opferfest vorbestellt. Doch schon beim Datum der Abholung gab es Verwirrung.

Denn den genauen Termin zur Abholung im August 2018 habe er noch nicht nennen können, so der Angeklagte. „Es war bei der Bestellung noch nicht klar, an welchem Tag das Opferfest ist. Das geht nach dem Mond“, erklärte er. „Bei mir stehen Feiertage im Kalender. Bei ihnen nicht? Was hat das mit dem Mond zu tun?“, fragte die verwunderte Richterin Lisa Hinkers.

„Ich war im Rausch.“

„Das genaue Datum wird in Saudi-Arabien erst in der Nacht vorher bestimmt“, so der Angeklagte. Nach Sichtung der Mondsichel. Der Landwirt hatte nach längerem Hn und Her einen Dienstag im Kalender vermerkt, doch der 32-jährige Bottroper erschien schon am Montag zur Abholung.

Als er die gewünschten Schafe deshalb nicht bekam, eskalierte die Situation: Als „Nutte“, „Hure“ und „Schlampe“ soll er die Landwirtin beleidigt haben. Am Fenster des Kassenhäuschens kam es zum Gerangel, bei dem sich die Dorstenerin am Finger verletzte. Doch auch nachdem der Angeklagte des Hofes verwiesen wurde, gab er nicht nach. Er langte durch das Fenster und zerstörte ein Telefon. Dem Schlachter, der zur Hilfe kam, soll er ins Gesicht geschlagen haben.

Seine Tat räumte der Angeklagte vollumfänglich ein. Erklären wollte er sie mit seinem Zustand. „Ich habe die Nacht durchgemacht“, gab er zu Protokoll. Außerdem habe sein Mandant ein Drogenproblem und habe unter Kokain-Einfluss gestanden, fügte der Verteidiger an. „Ich war im Rausch“, so der Angeklagte.

Richterin ruft den Wachtmeister in den Saal

Als er kein Schaf bekam, habe er „einen Blackout gekriegt.“ „Nie im Leben“ würde er sonst so etwas machen, beteuerte er. „Na ja, wesensfremd ist ihnen Körperverletzung nicht“, wandte die Staatsanwältin ein und erinnerte an entsprechende Einträge im Strafregister.

Eine zweite Tat bestritt der Angeklagte dagegen vehement. In einem arabischen Restaurant in Essen war er mit seinem Ex-Schwager aneinandergeraten. Laut Anklage soll er diesem dabei ins Gesicht geschlagen haben. „Alles gelogen“, so der Angeklagte. „Ich hab den nicht angefasst.“

Besonders viel zur Aufklärung des Sachverhalts trug der Ex-Schwager nicht bei. Denn zunächst weigerte er sich, überhaupt als Zeuge auszusagen. Der Angeklagte habe ihm auf dem Flur gedroht, dass dessen Leute draußen warten. „Ich fühle mich bedroht“, so der Zeuge. Daraufhin rief die Richterin kurzerhand den Wachtmeister in den Saal. „Jetzt müssen sie aussagen.“

„Besser als bei Barbara Salesch“

Doch auch die Aussage sorgte nicht für Erhellung. Er sei ins Gesicht geschlagen worden, sagte er aus. Doch in einer schriftlichen Stellungnahme gegenüber der Polizei hatte er davon nichts erwähnt. Genüsslich breitete der Verteidiger die Widersprüche zwischen den Aussagen aus.

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Als die Staatsanwältin die Beleidigungen verlas, die zwischen den Beteiligten gefallen sein sollen, setzten diese ihren Streit im Gerichtssaal fort - und schrien sich lauthals an. „Doch nicht so chillig“, rief der Verteidiger nach der Verhandlung entschuldigend in Richtung der Staatsanwältin. „Das war ja besser als bei Barbara Salesch.“

Ein Urteil gab es am Mittwoch noch nicht. Denn auf Antrag der Staatsanwältin beschloss das Schöffengericht, ein Gutachten zur Schuldfähigkeit des Angeklagten in Auftrag zu geben. Je nachdem, wie dieses ausfällt, droht ihm die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt.

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