Streit um Windkraft in der Gälkenheide

Muna Tabuzone

Der Streit um Windkraftanlagen in der möglichen Potenzialfläche Gälkenheide geht weiter. Muna-Kommandant David Helm meint, dass mindestens 50 Prozent der von der Stadt ins Auge gefassten Fläche nicht in Frage kämen, weil der Mindestabstand zur Muna nicht eingehalten wird.

Dorsten

, 08.09.2016, 06:00 Uhr / Lesedauer: 3 min
Windkraft in der Gälkenheide in Dorsten? Es gab starken Gegenwind aus verschiedenen Richtungen.

Windkraft in der Gälkenheide in Dorsten? Es gab starken Gegenwind aus verschiedenen Richtungen.

Eine Windenergieanlage (WEG) muss mindestens 270 Meter vom nächstgelegenen Bunker der Muna entfernt sein: Der Standortälteste des Munitionshauptdepots in Wulfen, Oberstleutnant David Helm (Foto), rückt keinen Millimeter von seiner Linie ab, dass die geplanten WEG in der Gälkenheide nur mit großem Abstand von den Grenzen der Muna errichtet werden dürfen.

Auf  Anfrage unserer Zeitung sagte er zudem: „Nach meiner Bewertung kommen die Windräder für 50 Prozent der von der Stadt dafür vorgesehenen Fläche nicht in Frage.“ Helm stimmt insoweit auch mit den Bedenken einiger Bürger vom Riedweg und dem Marienviertel überein, mit denen er „einige Gespräche geführt“ habe. Maria Hoffrogge und Dieter Scholz, die zu diesen Bürgern zählen, betonen, dass sie keine erklärten Gegner von Windrädern seien. Sie führen aber an, dass bei einem möglichen Brand eines Windrades und dem daraus resultierenden Funkenflug erhebliche Gefahren für die Bürger erwachsen könnten.

Die Stadt plant, Teile der Gälkenheide als eine von neun Windpotenzialflächen im Flächennutzungsplan der Stadt auszuweisen. Weil sie anderer Auffassung als David Helm und die Anlieger ist, verfolgt sie ihr Vorhaben weiter, die planungsrechtlichen Voraussetzungen für WEG in der Gälkenheide zu schaffen. So hat Bürgermeister Tobias Stockhoff im Umwelt- und Planungsausschuss der Stadt im Mai zu Protokoll gegeben, dass es „nach Informationen der Verwaltung keinen generellen Abstand von 270 Metern“ gäbe. „Der Abstand sei geringer und individuell“, heißt es.

Nähe zur Militäranlage Tabuzone

David Helm hält dagegen, dass die 270 Meter südlich der Muna eine Tabuzone für solche Anlagen seien und dass es sich außerdem um eine „Mindestabstandzone“ handele. Rückendeckung erhält der Kommandant vom Bundesamt für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleitungen der Bundeswehr, der für solche Planungen verantwortlichen Behörde. In einer schriftlichen Stellungnahme auf unsere gestrige Mailanfrage heißt es: „In einer Stellungnahme vom 18. Mai 2015 hat das Amt darauf hingewiesen, dass durch die Planungen der Schutzbereich des Munitionsdepots Wulfen das Interessengebiet der Luftverteidigungsanlage Marienbaum und militärische Richtfunkstrecken betroffen sein können. Es ist damit zu rechnen, dass es aufgrund der Nähe zu den Bereichen zu Einschränkungen (zum Beispiel Bauhöhenbeschränkungen) sowie zu Ablehnungen von (konkreten) Bauanträgen bezüglich der der Errichtung von WEG kommen kann.“

Bürgermeister Tobias Stockhoff will in einem Telefonat mit dem Bundesamt für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr im Mai 2015 gefragt haben, „ob grundsätzlich vergleichbare statische Abstände ... zu einem Ausschluss der Fläche ‚Gälkenheide‘ für eine Windkraftzone im Flächennutzungsplan führen“. Dies sei verneint worden, so der Bürgermeister im Protokoll zu der Umweltausschusssitzung im Mai 2016.

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Dabei hat Muna-Kommandant David Helm in seinen Stellungnahmen im Juli 2015 und Mai 2016 darauf hingewiesen, dass „sich die von der Stadt Dorsten ausgewiesene Windenergiekonzentrationszone in der Nähe zur Muna im Bereich des angeordneten Schutzbereiches dieser Bundeswehrliegenschaft befindet“. Die vorgesetzte Bundeswehrbehörde zitiert auf unsere Anfrage wie folgt aus David Helms Stellungnahme an die Stadt: „Hier handelt es sich um Bereiche, in denen die Errichtung und der Betrieb von Windenergieanlagen aus tatsächlichen und/oder rechtlichen Gründen ausgeschlossen sein würden. Bei der Bewertung sind die Belange der munitionstechnischen Sicherheit zu berücksichtigen. Gemäß dieser Vorgaben betrage der Abstand von Windenergieanlagen zu sogenannten „Gefahrenherden“ 270 Meter außerhalb eines gefährlichen Betriebsteils und 360 Meter innerhalb eines „gefährlichen Betriebsteils“.

Welche Bedingungen das Bundesamt erfüllt sehen wolle, falls Windräder in der Nähe der Muna errichtet würden, wurde die Behörde von uns zudem gefragt. Die Antwort: „Eine definitive Aussage aufgrund der noch fehlenden Angaben zum Standort und der Beschaffenheit der Anlagen (zum Beispiel Bauwerkshöhe, -typ und Koordinaten) ist nicht möglich. Vor Realisierung konkreter Baumaßnahmen (Errichtung von WEA) ist die Stadt Dorsten verpflichtet, die Bundeswehr nochmals als Träger öffentlicher Belange zu beteiligen.“

Neun Potenzialflächen

Der Umweltausschuss der Stadt Dorsten beschäftigt sich am Dienstag (13. September), 17 Uhr, im Rathaus, Halterner Straße 5, in einem nächsten Schritt anlässlich der Ausweisung der insgesamt neun Windpotenzialflächen in der Stadt, darunter auch die Gälkenheide mit 200 Hektar Fläche, mit den Verträgen zu den Planungskosten für die Windenergieanlagen. Das geschieht im Rahmen des Flächennutzungsplanes, in dem die neun Potenzialflächen verankert werden sollen. Ist der Flächennutzungsplan nach der Offenlegung der Details verabschiedet, beginnt  Phase 3 der städtischen Windplanung.

Sie beinhaltet das immissionsschutzrechtliche Genehmigungsverfahren. Dabei kommen die Vorschriften des Planungsrechts, Natur- und Artenschutzes, Baurechts, Immissionsschutzes, Wasser- und Verkehrsrechtes zum Zuge. So hat der Bürgermeister im Mai auch zu Protokoll gegeben, „dass es natürlich nicht auszuschließen ist, dass nach einem erfolgreichen Flächennutzungsplanverfahren der einzelne Anlagenstandort abgelehnt werden muss oder erhebliche Auflagen gegeben sein könnten“. 

 

 

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