Streit unter Nachbarn lief völlig aus dem Ruder

Verfahren eingestellt

Dieser Nachbarschaftsstreit in einem Wulfener Gewerbe-Wohn-Mischgebiet lief völlig aus dem Ruder - und beschäftigte am Mittwoch erneut das Dorstener Schöffengericht.

Dorsten

, 21.06.2017, 15:17 Uhr / Lesedauer: 1 min

Auf der Anklagebank saß ein 79-jähriger Wulfener. Er soll, so lautete der Vorwurf, vom Inhaber einer Großwäscherei monatliche Geldzahlungen verlangt haben - ansonsten würde er den Betrieb bei der Stadt wegen Ruhestörung verpfeifen.

Der Mann soll zunächst 100 Euro monatlich, später sogar 300 Euro vom Inhaber der Wäscherei in bar kassiert haben soll. "Als er 500 Euro verlangt hat, war bei mir Schluss", erklärte der Firmenchef in der Verhandlung. Er ging zur Polizei und erstattete Anzeige.

Vorwürfe abgestritten

Der Angeklagte stritt auch am Mittwoch die Vorwürfe ab. Zwar habe der Wäschereibesitzer von 2013 bis 2015 Geld an ihn bezahlt. Aber das sei Teil eines "Stillhalteabkommens" gewesen, das das vermeintliche Opfer selbst vorgeschlagen habe. Und zwar als "Schmerzensgeld" dafür, dass der Reinigungsbetrieb außerhalb der genehmigten Zeiten an Sonn- und Feiertagen und abends seine Maschinen laufen ließ. Er habe die Besitzer nicht erpresst.

Das Büro und das Wohnhaus des Angeklagten befinden sich in direkter Nachbarschaft zu der Wäscherei, die im Laufe der Jahre mehr und mehr erweitert worden war. Der Angeklagte: "Der Lieferverkehr geht direkt an unserem Haus vorbei, wir hatten auch wegen der Maschinen keine ruhige Minute mehr."

Der Wäschereibesitzer erklärte, er habe die nötigen behördlichen Genehmigungen besessen. "Aber wenn alles in Ordnung gewesen ist, warum haben Sie dann die regelmäßigen Zahlungen an den Nachbarn geleistet?", wollte Richterin Lisa Hinkers wissen. "Ich wollte endlich Ruhe haben und meine Mitarbeiter schützen, der Angeklagte terrorisierte uns doch seit Jahren tagtäglich und drohte, den Betrieb zu vernichten", so der 66-Jährige: "Im Nachhinein würde ich es ja auch nicht mehr so machen."

Deal im stillen Kämmerlein

Da der "Deal" im stillen Kämmerlein allein zwischen den beiden Kontrahenten ausgemacht wurde, konnte der Fall schlussendlich nicht aufgeklärt werden. Es stand Aussage gegen Aussage. Das Verfahren gegen den Senior wurde eingestellt.

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