Die Offenen Ganztagsschulen fühlen sich im Stich gelassen

rnOffener Ganztag

Die Mitarbeiter der OGS an der Storchsbaumstraße fühlen sich nicht wertgeschätzt. Doch auch sie sind systemrelevant. Der AWO-Träger schlägt Alarm, will das Land in die Pflicht nehmen.

Dorsten

, 09.10.2020, 10:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Über 100 Kinder toben täglich durch die oberste Etage des Schulgebäudes an der Storchsbaumstraße. Die Offene Ganztagsschule der Pestalozzi-Grundschule hat hier ihre Räumlichkeiten.

Hygienekonzept bedeutet Mehraufwand

„Früher, vor Corona, waren die Kinder eine homogene Gruppe“, erinnert sich Erzieherin Martina Visentin. Doch seitdem hat sich viel verändert, gerade für die Kinder. Sie dürfen jetzt nur noch in ihrem Jahrgangsverband spielen, Hausaufgaben machen und zu Mittag essen. „Anfangs gab es viel Unruhe“, meint Visentin. Als Schul- und OGS-Betrieb wieder anliefen, waren Maskenpflicht, Abstandsregeln und Händewaschen die obersten Gebote. An die neuen Routinen mussten sie sich gewöhnen. „Wir haben das Hygienekonzept der Schule übernommen“, erklärt die Erzieherin.

Das System funktioniert dank der Mitarbeiter

Für die Erwachsenen – die vier Fach-, drei Ergänzungs- und zwei Honorarkräfte – bedeutete die Wiederaufnahme des Schulbetriebs einen hohen Organisationsaufwand.

Corona-Maßnahme: Die Markierungen auf dem Boden helfen, den Abstand einzuhalten.

Corona-Maßnahme: Die Markierungen auf dem Boden helfen, den Abstand einzuhalten. © Lydia Heuser

„Im Moment läuft das System nur durch das Engagement der Mitarbeiter“, erklärt AWO-Fachbereichsleiter Jan-Philipp Zimmermann. Er bezieht sich nicht allein auf die OGS der Pestalozzi-Schule. Die Arbeiterwohlfahrt bemängelt, dass es generell keine notwendigen Unterstützungsangebote für den Offenen Ganztag gibt, um die Situation zu entschärfen.

Im Gegensatz zur OGS seien für den Schulunterricht und die Kindertageseinrichtungen konkrete Maßnahmen ergriffen worden.

Die AWO fordert deshalb das Land NRW auf, den Offenen Ganztag zu unterstützen und das Personal zu entlasten. „Die Qualität der Ganztagsschulen hängt vorrangig von den freiwilligen Leistungen der einzelnen Kommunen bzw. Kreise ab. Die Folge sind große regionale Ungleichheiten bzgl. Finanzierung, Standard und Strukturen. Das muss ein Ende haben. Es wird Zeit, dass das Land die Bedeutung der OGS ausreichend wertschätzt“, erläutert Miriam Maiburg, Bereichsleiterin Schule.

Die Wertschätzung fehlt

Erzieherin Martina Visentin erlebt die zusätzliche Arbeitsbelastung Tag für Tag und spricht von „fehlender Wertschätzung“, wenn sie über die Ungleichbehandlung redet: „Mir kommt es so vor, als ob die OGS immer hinten anstehen würde. Wir geben immer unser Bestes und fühlen uns alleingelassen.“

Ein detaillierter Hygieneplan erinnert die Mitarbeiter daran, wann Türklinken desinfiziert, Tische gewischt, Spielzeug gereinigt, Stofftiere, Decken und Kissen in die Waschmaschine müssen. Die Mitarbeiter kommen früher und gehen später, als es ihr Dienstplan vorsieht, denn die Zusatzaufgaben können sie nicht neben der Aufsicht und Betreuung der Kinder erledigen. Hinzu kommt die Dokumentationspflicht, die viel Zeit frisst. Im Falle des Falles müssen schließlich Infektionsketten nachverfolgbar sein.

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