„Tatserie hingelegt, wie sie in Dorsten nur selten ist“

Prozess am Schöffengericht

Klein, schmächtig, wie ein Häufchen Elend präsentierte sich die 44-jährige Dorstenerin auf der Anklagebank. Eine unscheinbare Person, der man nicht ansehen konnte, dass sie "in kürzester Zeit eine Tatserie hinlegte, wie sie in Dorsten nur selten ist", erklärte der Staatsanwalt am Mittwoch vor dem Dorstener Schöffengericht.

Dorsten

, 24.05.2017, 15:57 Uhr / Lesedauer: 1 min

Drogenbesitz und zwei Dutzend Einbrüche und Diebstähle warf er der Frau vor. Mehrmals hatte die Dorstenerin Waffen dabei, die sie aber nicht einsetzte: Manchmal trug sie bei ihren Beutezügen Taschenmesser, hin und wieder hatte sie aber auch eine Gas- oder Schreckschusspistole dabei.

Geständnis der Angeklagten

„Ich gestehe alles“, erklärte sie: Dass sie im Herbst 2016 durch in auf Kipp stehende Fenster in Wohnungen einbrach und Schmuck und Geld erbeutete. Dass sie in Restaurants aus Handtaschen und Jacken von Gästen und Mitarbeitern mehrere Hundert Euro stahl. Dass sie aus Garagen, Discountern, Fachgeschäften und Kellerräumen Sachen entwendete. Die Beute setzte sie in den Kauf von Heroin und Marihuana um. „Ich war Anfang 20, als ich in die Drogenszene rutschte“, sagte sie. Irgendwann machte sie eine Therapie, „19 Jahre blieb ich clean“. Im Jahr 2015 dann der Rückfall, „ich wollte mich nur ein, zweimal etwas berauschen“.

Heroin war stärker

Doch das Heroin, das ihr ein Kumpel verabreichte, war stärker. Aus einer mehrmonatigen Untersuchungshaft im Frauengefängnis Dinslaken war die Ehefrau und Mutter einer zwölfjährigen Tochter zum Amtsgericht transportiert worden. Der Haftbefehl war nach ihrer Festnahme im Dezember ausgestellt worden, weil sie bereits im September 2016 in Dorsten zu einer einjährigen Bewährungsstrafe verurteilt und dennoch wieder straffällig wurde. „Ich war immer auf Entzug“, begründete sie die Beutezüge. Das wäre allerdings gar nicht nötig gewesen.

Zum Zeitpunkt der Taten profitierte sie nämlich von einem ärztlichen Methadon-Drogenersatzprogramm, war allerdings zu bequem, regelmäßig zur Praxis des Mediziners zu radeln, um ihre Tabletten abzuholen. Das Urteil: Zwei Jahre und drei Monate ohne Bewährung, währenddessen muss sie eine Therapie antreten. Nur wenn diese erfolgreich ist, wird die Reststrafe zur Bewährung ausgesetzt.

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