Taxifahrer fährt Rettungssanitäter an: Gericht hat Urteil gesprochen

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Dieser Fall schlug Anfang 2020 hohe Wellen in Dorsten: Ein Taxifahrer fährt am Krankenhaus einen Rettungssanitäter an und verletzt ihn. Jetzt kam es zum Strafprozess gegen den Mann.

Dorsten

, 09.09.2020, 04:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein Taxifahrer fährt einen städtischen Rettungssanitäter an und verletzt ihn dabei. Dieser Fall schlug im Januar dieses Jahres hohe Wellen in der Dorstener Öffentlichkeit. Die Politik beschäftigte sich damals mit dem Geschehen, der Bürgermeister selbst unterschrieb die Strafanzeige, der Feuerwehr-Chef sprach von einer „Eskalation der Aggressivität“, die es so „noch nie in Dorsten gegeben“ habe.

Doch was geschah wirklich an diesem 29. Januar mittags um 11.45 Uhr auf dem Gelände des Dorstener St.-Elisabeth-Krankenhauses? Mit dieser Frage beschäftigte sich am Dienstag im Dorstener Amtsgericht die Justiz. Vorweg: Am Tatort hatte sich an dem Tag ein heftiger Disput zwischen zwei augenscheinlichen Hitzköpfen so sehr aufgebauscht, dass am Ende das 42-jährige Opfer mit mehreren Prellungen stationär aufgenommen werden musste.

Fahrlässige Körperverletzung

Auf der Anklagebank: der 55-jährige Dorstener Taxifahrer, der seitdem von seinem Unternehmen nicht auf der Straße, sondern in der Funkzentrale eingesetzt wird. Ihm warf die Staatsanwaltschaft nach mehrmonatigen Ermittlungen schließlich eine „fahrlässige“ und keine „vorsätzliche“ Körperverletzung mehr vor: Die Anklageschrift sprach lediglich von einem „Verkehrsunfall“.

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Beide Kontrahenten, so stellte sich im Gerichtsaal heraus, waren bereits drei Stunden vor dem schmerzhaften Zusammenstoß an gleicher Stelle auf dem Vorplatz der Garage für die Rettungswagen aufeinander getroffen. Der Taxifahrer hatte gegen 9 Uhr mit seinem schwarzen S-Klasse-Mercedes vor dem Krankenhaus gehalten. Aber so, dass sich der Rettungssanitäter, der mit Kollegen auf dem Weg zu einem Einsatz war, behindert fühlte.

Sondersignal auf Laut

„Ich musste unser Sondersignal auf Laut stellen, erst dann setzte er sein Taxi in Bewegung“, so der Sanitäter. Nach seinen Worten passiert es häufiger, dass Taxis dort so parken: „Das Ordnungsamt könnte hier 100.000 Knöllchen die Woche schreiben.“

Gegen Mittag kam er von einem weiteren Einsatz zurück, wieder wartete der Taxifahrer mit seiner Karosse vor dem Krankenhaus. „Ich habe ihn dann zur Rede stellen wollen, er hatte uns nämlich morgens einen Vogel gezeigt, bevor er wegfuhr“, sagte der Sanitäter aus.

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Die Situation schaukelte sich auf, ein lautstarkes Wort gab das andere. Der Taxifahrer setzte seinen Wagen zurück, er fühlte sich von dem Sanitäter „bedrängt“ ließ er über seinen Anwalt erklären, außerdem wollte er seinen inzwischen zugestiegenen Fahrgast, eine Chemo-Patientin, schnell nach Hause bringen.

Smartphone gezückt

Doch der Sanitäter lief hinterher, baute sich seitlich vor dem Wagen auf und wollte den Taxi-Fahrer und sein Kennzeichen mit dem Smartphone fotografieren, als Beweismittel für eine Anzeige.

Der Taxifahrer setzte seinen Wagen in Bewegung. „Ich hatte keinen Blickkontakt mit ihm und habe keinen Zusammenprall bemerkt“, gab er zu Protokoll. Deswegen sei er auch zunächst weggefahren - was ihm als Unfallflucht ausgelegt wurde.

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Mehrere Augenzeugen - auch Patienten des Ärztehauses - hatten beobachtet, dass der Taxifahrer den Sanitäter beim Anfahren mit dem Auto erfasst hatte. Von „quietschenden Reifen“ war die Rede, von „einem dumpfen Aufprall“, von „einem schmerzgekrümmten Körper“, sogar von „Absicht“. Doch welcher Körperteil von dem Fahrzeug getroffen wurde, darüber gab es unterschiedliche Angaben, vom Fuß bis zur Brust.

2700 Euro Geldstrafe

Der Verteidiger forderte einen Freispruch, einen Zusammenprall habe es nach seiner Auffassung nicht gegeben - heftiges Raunen von der Zuschauerbank. Richterin Sandra Brüggemann schloss sich in ihrem Urteil dem Plädoyer des Vertreters der Anklage an: 2700 Euro Geldstrafe, Führerscheinentzug für sechs Monate. „Ich glaube nicht, dass es Ihre Absicht war, aber Sie hätten beim Anfahren etwas merken müssen“, sagte sie.

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