Nordwestbahn kann Schokoticket nicht lesen und stempelt Schüler zum Schwarzfahrer ab

rnTechnische Panne

Ein Deutener Vater ist sauer auf die Nordwestbahn. Die habe seinen Sohn zum „Schwarzfahrer“ abgestempelt, obwohl der Jugendliche sein Schokoticket vorgezeigt hatte.

Dorsten, Deuten

, 19.02.2020, 04:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

In Deuten spricht sich vieles schnell rum. Vor allem außergewöhnliche Sachverhalte. „Jetzt ist der Henning mal dran“, hieß es vor wenigen Tagen im Dorf. Vor Henning waren nämlich schon einige andere Deutener Jugendlichen im Visier der Nordwestbahn. Was die junge Dorfgemeinschaft verbindet: „Allen Schülern ist Schwarzfahren unterstellt worden“, sagt Vater Frank Fritsch.

„Ihr Sohn ist am 21.1.2020 in einem unserer Züge ohne bzw. ohne einen für die Strecke gültigen Fahrausweis angetroffen worden“, hat die Nordwestbahn dem Vater geschrieben. Deshalb sei ein „erhöhtes Beförderungsentgelt“ fällig. 60 Euro solle der Papa zahlen.

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„Nett formuliert, ist das eine Frechheit“, hat Frank Fritsche der Nordwestbahn prompt entgegnet. Sein Sohn habe seit mehreren Jahren ein Schokoticket im Abo. Monatlich werde der fällige Beitrag dafür abgebucht und auch pünktlich bezahlt. Dieses Schokoticket habe Sohn Henning auch vorgezeigt. Aber dann kam es zum Fiasko.

Marke war wohl nicht lesbar

Denn das Lesegerät des Nordwestbahn-Kontrolleurs konnte „die ordnungsgemäße Marke des Schokotickets nicht erkennen“. „Daraufhin ist Henning vor versammeltem Fahrgastpublikum als Schwarzfahrer abgestempelt worden. Sie können sich wohl vorstellen, wie peinlich das war“, kommentiert der Vater das Geschehen an Bord des Zuges.

Steffen Högemann, Sprecher der Nordwestbahn, kann nachvollziehen, dass der Vater aufgebracht ist. „Für die Tücken der Technik kann natürlich keiner etwas“, so Högemann. Auch nicht der Sohn von Frank Fritsch.

Vereinbarungen zum Vertragsabschluss ausschlaggebend

Ausschlaggebend für die Reaktionen der Nordwestbahn seien aber die Vereinbarungen, die „beim Vertragsabschluss für das Schokoticket getroffen worden sind“. „Das heißt, wenn die Chipkarte nicht lesbar ist, muss der Kunde den Nachweis erbringen, dass er für das Monatsabo bezahlt hat. Dann reduziert sich die ursprüngliche Forderung auf die Bearbeitungsgebühr von 7 Euro.“

Das wiederum wies Frank Fritsch strikt zurück: „Sie mögen ja gemäß ihren geltenden Bestimmungen handeln, aber es kann nicht sein, dass ein Kunde ordnungsgemäß ein Ticket bezahlt, welches nicht vom Vertragspartner akzeptiert wird.“ Das sture Verfahren nach „Schema F“ sei in solchen Fällen unangebracht und „kundenunfreundlich“, meint Frank Fritsch.

„Wir hätten das auch gerne einfacher“

Ein Augenzwinkern oder Durchwinken, wenn das Ticket nicht lesbar ist, ist den Kontrolleuren nach Auskunft der Nordwestbahn aber nicht möglich: „Wir sind dem Verkehrsverbund verpflichtet. Für den zahlt letztendlich der Steuerzahler.“ Schon deshalb müsse solchen Fällen nachgegangen werden. „Wir hätten das auch gerne einfacher.“ Fehler bei der Ticketausgabe und Prüfung sowie aufseiten des befördernden Unternehmens seien nicht gänzlich auszuschließen, räumt die NWB ein.

Frank Fritsch hat seine Konsequenzen gezogen. Er hat das Ticket seines Sohnes überarbeiten lassen und den Nachweis bei der Nordwestbahn erbracht, dass es bezahlt ist. „Hoffentlich wiederholt sich das Theater nicht in den nächsten Wochen oder Monaten.“

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