Diese 16 braungefiederten Damen können nun ihr Leben genießen. © privat
Tierschutz

Tierschutzverein bewahrt ausgemusterte Legehennen vor Schlachtung

Legehennen werden spätestens nach einem Jahr ausgetauscht und getötet, da sie dann nicht mehr genügend Eier legen. Der Tierschutzverein Dorsten hat nun 16 ausrangierte Hennen gerettet.

236 Eier vertilgte der Deutsche 2019 im Schnitt. Der Konsum ist hoch. Sogenannte Legehybriden sind deshalb so gezüchtet, dass sie besonders legefreudig sind. Wobei von Freude keine Rede sein kann, ganz im Gegenteil.

Jeden Tag ein Ei pro Henne – nur dann rechnet sich das Geschäft

Mit drei Monaten werden die Hennen an die Legebetriebe ausgeliefert. Sieben Eier müssen die Hennen wöchentlich produzieren. Zum Vergleich: Eigentlich legt ein Huhn einmal im Jahr ein Gelege mit etwa fünf Eiern. Nach spätestens einem Jahr gelten die Tiere als unrentabel und werden ersetzt. Die aussortierten Hennen werden für gewöhnlich geschlachtet.

Rettung für ausrangierte Legehennen

Der Tierschutzverein Dorsten und die Herrlichkeit Lembeck hat am vergangenen Samstag 16 solcher aussortierten Hennen bei sich aufgenommen. Sie stammen aus Freilandhaltung und wurden mit 195 anderen Hühnern und zwei Hähnen gerettet. Der Verein „Stark für Tiere“ kooperiert mit Landwirten, damit die ihre Nutztiere nicht zum Schlachter geben, sondern den Tierschützern überlassen. Stark für Tiere gibt die Legehennen dann in liebevolle Hände, wo sie der Schlachtung entgehen und ein artgerechtes Leben führen können.

Spätfolgen: Der Körper vergisst nicht

15 Monate sind die braungefiederten Damen erst jung. Bei guter Haltung können Hühner gut zehn Jahre alt werden. Doch die hochgezüchteten Vögel sind anfällig für Krankheiten. Marina Hinz vom Tierschutzverein erklärt: „Der Körper vergisst nicht.“ Und so haben die Tiere mit den Spätfolgen zu kämpfen – Verklebungen der Eierstöcke seien nicht selten.

Die Neuankömmlinge seien vor allem gestresst, meint die Tierschützerin. Bei den Hennen, die sie im vergangenen Jahr gerettet haben, seien die Strapazen der Haltung aber noch deutlicher gewesen. Diese Hennen stammten aus Bodenhaltung, waren also bis zu ihrer Rettung nie draußen an der frischen Luft, geschweige denn, dass sie Platz zum Scharren und Bewegungsfreiheit hatten. Neun Hennen pro Quadratmeter beziehungsweise bei Legenestern auf mehreren Etagen sogar die doppelte Anzahl an Tieren sind bei dieser Haltungsform gesetzlich erlaubt.

Die 16 Neuankömmlinge leben vorerst separiert und werden aufgepäppelt. Bald dürfen sie aber auf dem Gelände in Hervest nach Herzenslust scharren, picken und flattern.

Denn: Die Hühner sollen nicht in die Vermittlung gehen, sondern auf dem Gelände möglichst frei und mit „viel Luft und Licht“ leben können. Hochleistungsfutter zur Eiproduktion bekommen sie nun nicht mehr und die Menge der gelegten Eier entscheidet nicht mehr über Leben und Tod.

Über die Autorin
Volontärin
Geboren und aufgewachsen im Bergischen Land, fürs Studium ins Rheinland gezogen und schließlich das Ruhrgebiet lieben gelernt. Meine ersten journalistischen Schritte ging ich beim Remscheider General-Anzeiger als junge Studentin. Meine Wahlheimat Ruhrgebiet habe ich als freie Mitarbeiterin der WAZ schätzen gelernt. Das Ruhrgebiet erkunde ich am liebsten mit dem Rennrad oder als Reporterin.
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