Tomke sucht seinen Besitzer

Entlaufen oder ausgesetzt

Etwas komisch müssen die Mitarbeiter des Fundbüros in Haltern schon geschaut haben: Am Montag (3.8.) brachte ein junger Mann ein gefundenes Tier vorbei, das einem in der Gegend eher selten über den Weg läuft. Jetzt ist das Tier in der Schildkröten-Auffangstation in Dorsten.

Hardt

, 06.08.2015, 15:58 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wo das Zuhause von Tomke ist, welchen Weg er hinter sich hat und ob ihn jemand sucht, weiß Barbara Klobusch von der Schildkröten-Auffangstation nicht. Sie kann nur das feststellen, was sie sieht: Etwa, dass die Griechische Landschildkröte, die diese Woche in Haltern gefunden wurde, 20 bis 25 Jahre alt sein muss.

Das Alter lässt sich an dem Bauchpanzer erkennen“, sagt die Leiterin der Auffangstation am Nikolausweg. „Je geribbelter und gezackter die Mittellinie ist, desto älter ist das Tier.“ Als Männchen ist die Griechische Landschildkröte dabei etwas kleiner geraten als die Weibchen dieser Gattung, wie sie weiter erklärt: „Tomke hat eine Panzerlänge von 17 Zentimentern und wiegt 997 Gramm.“

Artenschutz

Gefunden wurde das artgeschützte Tier am Montag in Haltern. „In so einem Fall wird zunächst das Ordnungsamt Besitzer. Dann wird geschaut, wo das Tier untergebracht werden kann. Viele werden dann dem Tierheim anvertraut“, sagt Klobusch. Da die Griechische Landschildkröte jedoch unter Artenschutz steht, wurde sie nach Dorsten gebracht und dort auf den Namen Tomke getauft: „Da wir ein Bestandsbuch führen, müssen wir die Tiere alle benennen. Und Namen sind immerhin schöner als Nummern.“

Allerdings muss sich die Leiterin der Auffangstation recht viele Namen merken: 80 Landschildkröten und 40 Wasserschildkröten gilt es zu versorgen. Bis sich Tomke allerdings zu ihnen gesellen darf, muss er noch vier Wochen unter Quarantäne verbringen. „Wir müssen erst ausschließen, dass er keine Krankheiten hat“, sagt Barbara Klobusch. Unter anderem wird der Kot untersucht.

Wildentnahme

Aber bisher macht die Schildkröte einen guten Eindruck, wie Klobusch findet: Die Mundhöhle ist schön rosa, wie es auch sein sollte, die Augen glänzen und sind nicht eingefallen. „Allerdings ist der Panzer etwas höckerig. Das deutet darauf hin, dass die Schildkröte vielleicht im Wachstum falsch gefüttert wurde.“ Aufgrund des Alters vermutet sie außerdem, dass Tomke eine Wildentnahme sein könnte: „Denn der große Schildkrötenboom kam erst in den vergangenen 15 Jahren auf. Dafür ist Tomke jedoch zu alt.“

Eventuell wurde er einst illegal eingeführt oder der Besitzer hat ihn nach dem Kauf nie angemeldet – was eine Zuordnung erschweren würde. „Artgeschützte Tiere müssen bei der Unteren Landschaftsbehörde gemeldet werden. Aber es gibt wahnsinnig viele Halter, die das versäumen.“

Besitzer soll sich melden

Ob eine Schildkröte wie Tomke aber doch im Umkreis von Haltern gemeldet ist, wird nun geprüft. „Ich würde mich sehr freuen, wenn er wieder nach Hause kann“, sagt Barbara Klobusch. Sie hofft, dass sich der Besitzer bei ihr meldet und die Schildkröte nicht absichtlich ausgesetzt wurde.

„Häufig kommt es nämlich auch vor, dass die Tiere während des Urlaubs von einer fremden Person betreut werden und dann aus den Freigehegen weglaufen“, sagt sie. Aus Erfahrung weiß Klobusch aber auch, dass ungefähr 60 Prozent der Fundschildkröten an die Besitzer zurückgehen – hoffentlich gehört Tomke auch dazu.

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