Seit Mitte dieser Woche stehen provisorische Hinweisschilder an der L 608, die die Autofahrer darauf hinwiesen, dass auf dem folgenden 2,7-Kilometer-Teilstück landwirtschaftliche Fahrzeuge vor ihnen auftauchen können. © Michael Klein
Straßenverkehr

Traktoren auf Schnellstraße: „Fast täglich gefährliche Situationen“

Auf einer Kraftfahrstraße in Dorsten dürfen ausnahmsweise landwirtschaftliche Maschinen fahren. Seitdem kommt es immer wieder zu gefährlichen Überholmanövern, sagt eine Berufspendlerin.

Waltraud Künsken ist Berufspendlerin, sie benutzt jeden Tag mit dem Auto die L 608 (Hervester Straße), um von Dorsten-Hervest zur Arbeit nach Recklinghausen und wieder zurück zu gelangen. Dass seit Kurzem auf einer Teilstrecke dieser Schnellstraße ausnahmsweise Trecker und landwirtschaftliche Maschinen fahren dürfen, dafür hat sie „vollstes Verständnis“. Aber: „Seitdem beobachte ich unterwegs fast täglich gefährliche Situationen.“

Weil die marode Lippebrücke der parallel laufenden Kreisstraße K 32 (Buerer Straße) vor Wochen aus Sicherheitsgründen für alle Fahrzeuge über 3,5 Tonnen gesperrt worden war, hatten die zuständigen Behörden (Kreis RE und Straßen.NRW) für Landwirte den Weg auf der L 608 freigemacht.

Zwischen den Zu- und Abfahrten (Industriegebiet Dorsten/Marl sowie Halterner Straße) dürfen sie seitdem auf 2,7 Kilometern auch mit langsameren Maschinen die Kraftfahrstraße nutzen, auf der normalerweise eine Mindestgeschwindigkeit von 60 km/h gilt. So können sie weiterhin ohne kilometerlange Umwege Lippe und Kanal queren und ihre Felder dies- und jenseits der Wasserstraßen ansteuern.

Drängelnde Autofahrer

„Die meisten Landwirte fahren dort ganz rechts oder auf dem Seitenstreifen, um kein Verkehrshindernis zu werden“, sagt Waltraud Künsken. Nach ihren Angaben kommt es dennoch mehr denn je zu riskanten Überholmanövern. Und nicht wenige drängelnde Autofahrer überholen Kolonnen von drei, vier Autos oder Traktoren auf einmal“, weil sie es zu eilig haben.

An den beiden Zu- und Abfahrten (Industriegebiet Dorsten-Ost und Halterner Straße) stehen Schilder, die den landwirtschaftlichen Verkehr auf der Schnellstraße ausnahmsweise erlauben.
An den beiden Zu- und Abfahrten (Hervester und Halterner Straße) stehen Schilder, die den landwirtschaftlichen Verkehr auf der Schnellstraße ausnahmsweise erlauben. © Michael Klein © Michael Klein

Erst vor ein paar Tagen habe bei starkem Nebel ein Lkw-Fahrer zwei Trecker in einer Kurve überholt und sei ihr auf ihrer Straßenseite entgegen gekommen. „Es wäre zu einem Frontalzusammenstoß gekommen, wenn ich nicht eine Notbremsung gemacht hätte“, so die Dorstenerin.

Da die Hervester Brücke bis zum geplanten Neubau bis zu fünf Jahre lang gesperrt bleiben wird, hofft sie darauf, dass die Behörden verstärkt ihr Augenmerk auf die Situation legen: „Vielleicht wären mehr Kontrollen oder ein Überholverbot auf dem Abschnitt eine Lösung“, sagt sie.

Hinweisschilder aufgestellt

Inzwischen haben die Behörden insofern reagiert, als dass Mitte dieser Woche direkt an der L 608 in beiden Fahrtrichtungen provisorische „Warnschilder“ aufgestellt worden sind. Sie weisen die aus Norden (Wulfen/Reken) und Süden (Kreuz A 52/Dorsten-Ost) kommenden Verkehrsteilnehmer auf der Landesstraße darauf hin, dass auf den folgenden 2,7 Kilometern mit landwirtschaftlichem Verkehr zu rechnen ist.

Bislang standen nur an den beiden Zu- und Abfahrten unscheinbare Schilder mit der Aufschrift „Landwirtschaftlicher Verkehr frei“. Wer als Auto- und Lkw-Fahrer aber bereits auf der Kraftfahrstraße unterwegs war, hatte vorher also keine Ahnung, dass plötzlich langsam fahrende landwirtschaftliche Fahrzeuge vor ihm auftauchen könnten.

Über den Autor
Redaktion Dorsten
Geboren 1961 in Dorsten. Hier auch aufgewachsen und zur Schule gegangen. Nach erfolgreich abgebrochenem Studium in Münster und Marburg und lang-jährigem Aufenthalt in der Wahlheimat Bochum nach Dorsten zurückgekehrt. Jazz-Fan mit großem Interesse an kulturellen Themen und an der Stadtentwicklung Dorstens.
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Michael Klein