Trauer in Dorsten um Juwelier Max Kohle

Streitbarer Kaufmann, prägnantes Haus

Die Dorstener Altstadt hat einen ihrer bekanntesten Unternehmer verloren. Juwelier Max Kohle ist im Alter von 81 Jahren gestorben. Sein Wohn- und Geschäftshaus am Marktplatz ist eines der prägnantesten Häuser in der Innenstadt.

26.07.2016, 14:50 Uhr / Lesedauer: 2 min

"Das ist ein Verlust", sagte am Dienstag Thomas Hein, Vorsitzender der Interessengemeinschaft Altstadt, deren Mitglied Max Kohle nie gewesen ist. Max Kohle galt als engagierter, aber auch streitbarer Mensch und Unternehmer. Die Entwicklung der Altstadt hat er stets mit wachem, aber auch kritischem Auge verfolgt. So monierte er über Jahre die Parksituation für Kunden und forderte vehement, auf Parkgebühren zu verzichten. Er war Mit-Initiator des kostenfreien Parkens an den Adventssamstagen und sah dies bis zuletzt als einen wichtigen Baustein, Dorsten im Weihnachtsgeschäft im Konkurrenzkampf mit anderen Städten zu positionieren.

Mamorfassade und rote Klinker

Der Name Kohle ist seit vielen Jahrzehnten untrennbar mit dem Wohn- und Geschäftshaus am Marktplatz verbunden. Mit seiner Marmorfassade im Erdgeschoss und den roten Klinkern im Obergeschoss gehört es zu den prägenden Bauten, die Dorstens "gute Stube" säumen. Familie und Unternehmen Kohle sind seit über 140 Jahren in Dorsten ansässig, zunächst an der Essener Straße. 1891 erwarb der Großvater von Max Kohle das Eckhaus am Marktplatz. Der schwere Bombenangriff auf die Dorstener Innenstadt am 22. März 1945 vernichtete das ursprüngliche Gebäude.

"Das heutige Wohn- und Geschäftshaus war das erste Gebäude, das am Markt nach dem Krieg wieder aufgebaut wurde", berichtete Max Kohle stets voller Stolz. Ungewöhnlich dann Ende 2014 die Initiative von Kohle, das Haus unter Denkmalschutz stellen zu lassen. Denn Denkmalschutz ist ja auch mit Verantwortung, Auflagen und Kosten verbunden. "Darum ist es selten, dass Eigentümer selbst den Denkmalschutz für ihr Haus beantragen", bestätigte Bürgermeister Tobias Stockhoff. Im Februar 2015 erhielt Kohle die Urkunde, die sein Haus am "Markt 7" als Denkmal ausweist. Vertreter von Politik und Verwaltung sowie Marion Taube enthüllten damals die dazu gehörende Plakette an der Fassade.

Kritischer Humor

Marion Taube hat Max Kohle während der "Anstiftung zur Stadtentdeckung" vor drei Jahren kennengelernt. Sie sagte am Dienstag: "Wir haben uns gut verstanden. Er konnte stundenlang vergnügliche Geschichten erzählen und hatte einen trockenen, kritischen Humor, ganz selten heutzutage. Die Dorstener Geschichte, insbesondere die seines Hauses, war seine Passion. Ich bin sehr glücklich, dass die Unterschutzstellung seines Hauses noch zu seinen Lebzeiten gelang." Max Kohle war wohl nicht nur aus Sicht von Marion Taube ein "ganz besonderer Mensch, weil er prägend, unbequem, aber unbedingt ein Menschenfreund und der erste Liebhaber seiner Heimatstadt" war.

Die Heilige Messe ist am Donnerstag (28. Juli) um 10 Uhr in der St. Agathakirche. Anschließend erfoglt die Beisetzung auf dem Friedhof an der Gladbecker Straße.

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