Umbau des maroden Dorstener Bahnhofsgebäudes beginnt viel später als erhofft

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Noch im März hatte die Stadt gehofft, dass der Umbau des maroden Dorstener Bahnhofsgebäudes in diesem Jahr endlich starten würde. Doch bei den Planungen tauchten Probleme auf.

Dorsten

, 13.11.2019, 04:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Als Manfred Diekenbrock diese Neuigkeit erfuhr, ging bei ihm die Kinnlade herunter. „Das hat mich echt etwas umgehauen“, sagt der Vorsitzende der Eisenbahnfreunde „On Wheels“. Sein Verein gehört zur sogenannten „Bahnhofsfamilie“, deren Mitglieder nach dem millionenschweren Umbau des Dorstener Bahnhofsgebäudes die Räume dort nutzen wollen. Doch der Einzug wird sich zeitlich nun doch weiter nach hinten verschieben.

Denn nach dem heutigen Stand der Dinge ist mit dem Beginn der Bautätigkeiten am denkmalgeschützten, derzeit verrammelten Gebäude und mit der Umgestaltung des kompletten Bahnhofsumfelds erst im vierten Quartal 2020 zu rechnen. Das bestätigte Bernd Lehmann, Abteilungsleiter im städtischen Planungsamt, auf Anfrage der Dorstener Zeitung.

Lange nach Lösungen gesucht

Nach seinen Angaben habe es für das Projekt im Vorfeld sehr viele detaillierte planerische Abstimmungen gegeben. Vor allem in Sachen Denkmalschutz, Fluchtwegen und Brandschutz. „Da mussten wir lange nach Lösungen suchen“, so Lehmann. Vor allem, weil die Dorstener Arbeit als Ankermieter dort im Untergeschoss eine Lehr- und Ausbildungsgastronomie betreiben wird. „Da sind die Anforderungen beim Brandschutz sehr hoch.“

Nach Angaben von Bernd Lehmann sei man aber jetzt so weit, dass schon bald der Bauantrag gestellt werden könne. Ist er genehmigt, folgt das EU-weite Ausschreibungsverfahren für die Bauleistungen. Dafür könnten einige Monate ins Land gehen: Wegen des komplexen Bauvorhabens - die Umbauarbeiten am Gebäude und im kompletten Bahnhofsumfeld sollen zeitlich miteinander verzahnt werden - werde man interessierten Unternehmen die nötige Zeit geben, sich mit den Plänen zu beschäftigen. Ein Teil der Arbeiten soll nach Angaben von Bernd Lehmann der „zweite Arbeitsmarkt“ (Qualifizierungs- und Beschäftigungsmaßnahmen) übernehmen.

Großes Bahnhofsfest

Vor drei Jahren hatte sich die engagierte Bahnhofsfamilie auf Initiative von Joachim Thiehoff vom städtischen Büro für Bürgerengagement gegründet, zu ihr gehören Vereine wie „Virtuell-Visuell“ oder der Verkehrsverein, Initiativen wie die Dorstener Arbeit und der Seniorenbeirat, aber auch Einzelpersonen. Sie hat mit vielen Projekten die Idee des Bürgerbahnhofs in die Öffentlichkeit getragen, zuletzt im September dieses Jahres mit einem großen Bahnhofsfest zum 140. Bestehen des Gebäudes, bei dem fast 1000 Besucher gezählt wurden.

Noch im März dieses Jahres hatte die Stadt gehofft, dass mit dem Fest auch der Startschuss für den Baubeginn fallen könne. „Schade, dass das nicht so schnell geklappt hat“, sagt Manfred Diekenbrock von „OnWheeels“. Er erklärt, dass sich die Bahnhofsfamilie nun Gedanken machen wird, welche Aktionen man im kommenden Jahr plant. „Wir werden auch weiterhin mit voller Kraft dabei sein, denn das Projekt wird ein Schmuckstück für Dorsten“, so Diekenbrock. Er hofft, dass die Stadt immer transparent macht, wie die künftigen Baufortschritte laufen.

Anbindung weiter provisorisch

Das renommierte Architekturbüro „Feja und Kempert“ aus Recklinghausen begleitet die Bahnhofsplanungen. Das Bahnhofsumfeld samt neuem Vorplatz hat das Büro „Greenbox“ entworfen. „Mit den ersten bauvorbereitenden Rodungsarbeiten auch für die neue Fuß- und Radwegverbindung können wir noch vor dem offiziellen Baustart beginnen“, sagt Bernd Lehmann.

Aber noch immer nicht hat die Bahn AG die für das neue Bahnhofsumfeld erforderlichen Flächen an die Stadt verkauft, so Lehmann. „Wir gehen aber davon aus, dass das noch in diesem Jahr passiert.“

Für die Bahnpendler hat der nun anvisierte Baubeginn Ende 2020 übrigens einen Nachteil: Sie müssen noch etwas länger mit den provisorischen Anbindungen der neuen Bahnsteige an die Wegeführung leben.

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