Umstrittenes Gewerbegebiet: Gutachten stützt Meinung der Lokalpolitik

rnGewerbegebiet

Bei der Frage, wo ein Gewerbegebiet zwischen Schermbeck und Dorsten entstehen soll, sind sich die Kommunen einig: Rüster Feld. Der RVR sieht das anders - doch es gibt ein neues Gutachten.

Dorsten, Schermbeck

, 09.11.2020, 19:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mitte 2018 hatte der RVR beschlossen, den Regionalplan neu aufzustellen. Darin soll für die nächsten 20 bis 25 Jahre ein Rahmen für Gewerbe- und Siedlungsflächen, Naturschutzgebiete, landwirtschaftliche Flächen, Windenergie und vieles mehr geschaffen werden. Das Problem: Fertig ist der RVR damit noch lange nicht.

Statt eines großen Wurfs soll es nun einen kleineren geben. Auf Drängen größerer Ruhrgebietsstädte will der RVR einen Teilplan für gewerbliche Bauflächen in regionaler Kooperation vorab beschließen. Dabei geht es um Kooperationsstandorte, die zwischen benachbarten Städten bei verkehrsgünstiger Lage für Betriebe mit größerem Flächenbedarf geeignet sein sollen.

Kritik von Anwohnern an beiden möglichen Standorten

Obwohl Dorsten und Schermbeck für diesen Kooperationsstandort das Rüster Feld bevorzugen, auch wenn Anwohner Widerstand angekündigt haben, beharrt der RVR auf dem Emmelkämper Brauk als Standort. Der ebenfalls von Anwohnern kritisch gesehen wird.

Der RVR beruft sich bei der Entscheidung für den Emmelkamp auf ein von ihm beauftragtes Gutachten. „Weil dieses Gutachten des RVR einige Prüfungsaspekte in einer für die Gemeinde Schermbeck und Stadt Dorsten nicht nachvollziehbaren Form darlegt bzw. außer Acht lässt, haben die Stadt Dorsten und Gemeinde Schermbeck gemeinsam ein unabhängiges Vergleichsgutachten zu beiden Kooperationsstandorten beauftragt“, so Rainer Eickelschulte, Leiter des Schermbecker Planungsamts. Erst seit wenigen Tagen liegt die Endfassung des Gutachtens vor.

Jetzt lesen

Als „renommierten Fachgutachter“ bezeichnet Eickeltschulte das beauftragte Büro „L+S Landschaft + Siedlung AG“. Auf mehr als 70 Seiten legt das Büro seine Untersuchungen zu beiden möglichen Standorten vor - unter den Aspekten der regionalplanerischen Ziele und Grundsätze, der Konformität mit den Leitvorstellungen der Regionalplanung sowie von umweltrelevanten Themen.

Gutachter stützen die Haltung der beiden Kommunen

Ebenso wie die beiden Kommunen kommt das Team, das vom Diplom-Geographen Rainer Oligmüller geleitet wurde, zum Schluss, dass ein Gewerbegebiet am Rüster Feld besser aufgehoben wäre. Der Kooperationsstandort Rüster Feld passe besser zu den Leitvorstellungen der Landes- und Regionalplanung.

Hauptargument im Fazit: Mit der Nutzung des Standorts Emmelkamp würde östlich der A 31 die letzte verbliebene Engstelle des Freiraumzusammenhangs zwischen Lippeaue im Süden und Üfter Mark im Norden „unwiederbringlich geschlossen“. „Entsprechende Kompensationsmöglichkeiten sind nicht erkennbar.“

Verkehrsanbindung ist am Rüster Feld besser

Der Emmelkamp sei zudem nur mangelhaft verkehrlich erschlossen - im Gegensatz zum Rüster Feld, das an die A 31-Anschlussstelle Freudenberg in Nord- und Südrichtung angebunden ist, sowie mit der B 58 eine West-Ost-Achse bietet. Den Nutzungskonflikt zwischen Gewerbe und Wohnen stufen die Macher der Studie beim Rüster Feld als geringer ein. Der Bereich Rüster Feld sei durch die großflächigen Gebäude der Gartenbaubetriebe auch „vorgeprägt“.

Bis zum 30. November läuft die Frist, zu der das Gutachten beim RVR eingereicht werden soll. Auch Bürger oder Betriebe können noch Stellungnahmen einreichen. Der Schermbecker Rat soll nach Wunsch der Verwaltung in seiner Sitzung am Mittwoch (11. November) den RVR auffordern, aufgrund der aktuellen Erkenntnisse des neuen Gutachtens im Teilplan den Standort Emmelkämper Brauk durch das Rüster Feld zu ersetzen. Der Rat in Dorsten behandelt das Thema am 18. November.

Lesen Sie jetzt