An der Wienbecke wird weiter Gas gegeben, auch wenn Autos in die Felder fliegen

rnUnfallträchtige Straße

Zweimal innerhalb weniger Tage zwei schwere Unfälle An der Wienbecke: Anlieger sind sauer. Sie fordern seit Jahren Tempo 70 km/h. Bei 100 km/h fliegen die Autos in ihre Felder. Mit Folgen.

Dorsten, Hervest, Wulfen

, 18.07.2019 / Lesedauer: 3 min

Die Straße An der Wienbecke zwischen Hervest und Wulfen ist eine bekannte Raserstrecke. Aber kein Unfallhäufungspunkt, wie die Polizei auf Anfrage sagt. Trotzdem sind Anlieger sich sicher: Wenn das Tempo auf 70 km/h gedrosselt werden würde, würde es dort nicht so häufig knallen, so ein Anlieger, der aber namentlich nicht genannt werden möchte. Zuletzt hat es Unfälle am 5. Juli und 14. Juli gegeben. Dabei wurden sechs Menschen zum Teil schwer verletzt.

An der Wienbecke wird weiter Gas gegeben, auch wenn Autos in die Felder fliegen

Beim Unfall am Sonntag (14.7.) An der Wienbecke landete das Unfallauto im Getreidefeld eines Landwirtes. Sie beklagen die Schäden. © Guido Bludau

Nicht nur das: Ihre Autos flogen wegen der auf der Wienbecke üblichen hohen Geschwindigkeiten nach Karambologen in die Mais- und Weizenfelder der Landwirte. Das hat Folgen für die Betriebe: Fahrzeugflüssigkeiten laufen aus, der Boden muss schlimmstenfalls abgetragen werden, Ernteausfälle sind zu beklagen. „Wir müssen dann sehen, wie wir das aufräumen“, sagt ein Hervester. Er sagt: „Das alles müsste nicht sein, wenn es ein Tempolimit von 70 km/h statt der stellenweise erlaubten 100 km/h gäbe.“

Elf schwere Unfälle in dreieinhalb Jahren

Was für die wenigen Anlieger, hauptsächlich Landwirte, ein Thema ist, stellt sich für die Behörden anders dar. Die Polizei hat sich auf die Suche in der Statistik begeben und sagt: „Zwischen dem 1. Januar 2016 und dem 30. Juni 2019 hat es An der Wienbecke zwischen Hervester Straße und Bismarckstraße elf schwere Unfälle gegeben, vier Unfälle fanden im Bereich der Einmündung Am Roten Stein statt“, so Polizeisprecher Michael Franz.

Weil im hinteren Bereich der Wienbecke 600 Meter vor der Einmündung zur Hervester Straße Unfälle geschahen (zwei Unfälle aufgrund überhöhter Geschwindigkeit und zwei Wildunfälle, wie die Stadt sagt), wurde hier in Absprache mit der Kreisverwaltung im November 2017 ein Tempolimit von 70 km/h eingeführt. Seitdem hat es dort nicht mehr gekracht.

Forderung nach 70 km/h besteht seit Langem

Das seit Jahren geforderte Tempolimit für den gesamten Streckenverlauf der Wienbecke ist auch der Stadt bekannt. „Der Wunsch nach einer Geschwindigkeitsbegrenzung auf 70 km/h auf der Straße An der Wienbecke wird immer wieder vorgetragen. Die Stadt Dorsten ist hier aber nicht frei in der Entscheidung, sondern an eindeutige gesetzliche Vorgaben gebunden“, lautet die Auskunft von Stadtsprecher Ludger Böhne.

In Paragraf 3 „Geschwindigkeit“ der Straßenverkehrsordnung heißt es, dass die zulässige Höchstgeschwindigkeit außerhalb geschlossener Ortschaften „für Personenkraftwagen sowie für andere Kraftfahrzeuge mit einer zulässigen Gesamtmasse bei 3,5 Tonnen 100 km/ h beträgt“.

Von dieser Vorgabe des Gesetzgebers dürfe nur abgewichen werden, wenn es dafür zwingende verkehrliche Gründe gibt. „Das können straßenbauliche Umstände sein, ein Unfallhäufungspunkt oder eine Unfallhäufungsstrecke“, so Ludger Böhne.

Die Wienbecke ist kein Unfallhäufungspunkt

Die Wienbecke ein Unfallhäufungspunkt? Trotz der elf schweren Unfälle, davon vier Unfälle zwischen 2016 und 2019 am Roten Stein - hier mündet ein Weg in die Wienbecke - ist die Kreisstraße für die Polizei kein auffälliger Bereich. Wenngleich nach dem aktuellen Unfall am 14. Juli durchaus über Nachbesserungen nachgedacht werde, so Michael Franz. „Das wird zurzeit geprüft.“

Eine ältere Anliegerin der Wienbecke sagte auf Anfrage, dass auf der Straße so gerast werde, dass die Kinder aus den Bauerschaften nicht allein die Wienbecke in Richtung Hervest überqueren könnten. „Wir haben sie immer rübergebracht.“

Überholen trotz Überholverbot ist gang und gäbe

Tatsächlich erscheinen wohl auch die 100 km/h, die gefahren werden dürfen, manchen Autofahrern zwischen Hervest und Wulfen als zu langsam.

Trotz eines Überholverbotes für Kraftfahrzeuge aller Art (mit Ausnahme von landwirtschaftlichen Nutzfahrzeugen) wird hier munter überholt. Das war auch am Donnerstag mehrfach zu beobachten.

An der Wienbecke wird weiter Gas gegeben, auch wenn Autos in die Felder fliegen

Überholen trotz Überholverbot: An der Wienbecke erscheint manchem Autofahrer das Tempo vorausfahrender Fahrzeuge als zu langsam. Überholt werden dürfen ausschließlich landwirtschaftliche Fahrzeuge. © Claudia Engel

Lesen Sie jetzt