Urban Priol: Rasant und respektlos

DORSTEN Urban Priols Resthaar-Styling lässt vermuten, dass er vor jedem Auftritt zwei Finger in die nächstgelegene Steckdose steckt. Auf der Bühne der St. Ursula Realschule gab es den Beweis: Dieser Mann steht wirklich unter Strom.

von Von Ralf Pieper

, 07.09.2008, 12:41 Uhr / Lesedauer: 1 min
Nimmt kein Blatt vor den Mund: Urban Priol.

Nimmt kein Blatt vor den Mund: Urban Priol.

Von Anfang an begeisterte er am Freitagabend das Publikum, niemals stillstehend, mit seinem energiegeladenen Gebabbel. Ein kurzes Schwätzchen mit dem Sitznachbarn und schon hatte man mindestens drei Gags verpasst.

Rasant und respektlos zitierte der Mittvierziger die ewig jammernde "Volkesstimme" in Angieland und pflügte durch den Polit-Acker. An unseren Spitzen-Politikern ließ Priol kein gutes Haar, aber egal, wen er parodierte: Es traf nie die Falschen. "Mann soll ja nicht immer über das Äußere von Angela Merkel lästern. Aber inhaltlich? Dann wird es ganz finster."Merkel wird nicht mit Politik in Verbindung gebracht

Priol wundert sich, dass laut Forsa-Umfrage bei 87% der Deutschen der Aufschwung nicht ankommt und trotzdem 85% der Befragten mit der Arbeit der Bundeskanzlerin zufrieden sind. Er stellt fest: "Merkel hat es geschafft, dass sie gar nicht mehr mit Politik in Verbindung gebracht wird."

Es gab nichts, wozu Urban Priol nichts zu sagen hatte. Da ist zum Beispiel der Sizilianer, der dem Ossi erklärt: "Ich lebe schon viel länger in Deutschland als du." Oder der Präsidentenversuch Horst Köhler auf seinem nunmehr vierjährigen Selbstfindungstrip. Oder der Fast-Food-Gigant McDonald's, der als Olympia-Sponsor zu Hundewochen in Peking aufruft.  Gefühlte 12 000 Jahre Knast Priol nimmt auch den Weltwirtschaftsgipfel aufs Korn: "Da sind 800 Topmanager, also gefühlte 12 000 Jahre Knast." Mit der Stimme der Politik fragt er das Publikum: "Wie lange müssen wir das Rentenalter noch heraufsetzen, bis es sicher ist, dass es keine Rentner mehr gibt?"

Der Kabarettist bescherte dem Publikum in der ausverkauften Aula der Realschule drei fiese, jedoch höchst unterhaltsame und vergnügliche Stunden.

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