Stundenlange Suche

Verunglückter Rollstuhlfahrer (79): Warum dauerte die Rettung so lange?

Erst nach mehr als zwölf Stunden ist ein verunglückter Rollstuhlfahrer in Holsterhausen gefunden worden. Eine gefühlte Ewigkeit, für die es aus Sicht der Polizei aber Erklärungen gibt.

Hubschrauber mit Wärmebild-Kameras, ein Hund mit besonders feiner Nase, Drohnen – die Polizei hat technisch offenbar nichts unversucht gelassen, um einen 79-jährigen Dorstener zeitnah aus seiner misslichen Lage zu befreien. Doch erst am Mittwochvormittag wurde er nach mehr als zwölf Stunden zufällig gefunden, von einem Spaziergänger.

Das wirft Fragen auf: Zum Beispiel, ob der E-Rollstuhlfahrer nicht geortet werden konnte, weil er ja vom Handy aus um Hilfe gerufen hatte. Und ob er nicht mit mehr Einsatzkräften am Boden, zum Beispiel mit Unterstützung der Feuerwehr, schneller hätte gefunden werden können.

Handy-Ortung funktioniert nicht wie im Film

„Handy-Ortung klingt einfach“, sagt Polizei-Pressesprecher Andreas Wilming-Weber. „Aber so einfach wie im Film ist das nicht.“ Zwar könne der Funkmast, über den der Notruf ging, geortet werden, aber das Areal, in dem sich das Opfer befindet, sei dann immer noch sehr groß. Eine nahezu punktgenaue Peilung funktioniere nur, wenn auf einem Smartphone eine entsprechende App installiert sei.

Zudem landete der Senior aus Dorsten, als er die 112 wählte, zunächst bei der Feuerwehr in Wesel, die aber schnell erkannte, dass der Mann sich in Dorsten befand und deshalb die Polizei in Recklinghausen einschaltete. „In den Leitstellen wird immer auch der Ort abgefragt, so merkwürdig das für einen Anrufer auch sein mag“, erklärt der Polizeisprecher. „Gerade in Grenzgebieten kommt es häufig vor, dass der Notruf in der Nachbarstadt aufläuft.“

Opfer konnte den Hubschrauber hören

Die Ehefrau des Vermissten hatte gegen 19.15 Uhr eine Vermisstenmeldung bei der Polizei in Dorsten abgegeben. Ihr Mann war da bereits auf einem unbefestigten Weg nahe des Wasserwerks in Holsterhausen mit seinem Gefährt eine Böschung hinabgestürzt und lag laut Andreas Wilming-Weber unter einem Baum. „Er konnte den Hubschrauber hören, die Kollegen ihn aber nicht sehen.“ In der Dunkelheit fand er offenbar auch sein Handy nicht mehr und konnte Anrufe der Polizei nicht mehr entgegennehmen.

Die Polizei setzte bei der Suche auch einen eigens ausgebildeten Mantrailer-Hund ein, der allerdings eine falsche Fährte aufnahm. So wurde die Suche in der kühlen Nacht irgendwann abgebrochen und am frühen Morgen fortgesetzt. Unter den schwierigen Bedingungen hätten laut Wilming-Weber auch weitere Helfer den Mann vermutlich nicht früher gefunden. „Wir haben getan, was möglich war.“

Der Polizeisprecher räumt allerdings ein, dass der Unfall bei deutlich niedrigeren oder gar frostigen Temperaturen ein schlimmes Ende hätte nehmen können. So blieb es bei einer leichten Unterkühlung, die der 79-Jährige wohl schnell überstanden hat.

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Redaktionsleiter in Dorsten
Veränderungen gab es immer, doch nie waren sie so gravierend. Und nie so spannend. Die Digitalisierung ist für mich auch eine Chance. Meine journalistischen Grundsätze gelten weiterhin, mein Bauchgefühl bleibt wichtig, aber ich weiß nun, ob es mich nicht trügt. Das sagen mir Datenanalysten. Ich berichte also über das, was Menschen wirklich bewegt.
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Stefan Diebäcker