Viele Senioren überschätzen sich am Steuer

Fahrtest für alle ab 75 Jahren?

Die Bundestagsfraktion der Grünen hat sich dafür ausgesprochen, regelmäßig Fahrtests für Autofahrer über 75 Jahren einzuführen. Bei Fahrlehrern und dem Seniorenbeirat in Dorsten kommt die Idee grundsätzlich gut an.

Dorsten

, 17.02.2016, 11:05 Uhr / Lesedauer: 2 min
Viele Senioren überschätzen sich am Steuer

In Dorsten kommt die Idee, dass Senioren ab 75 Jahre einen vorgeschriebenen Fahrtest machen, gut an.

"Wir ermutigen Senioren dazu, ihre eigene Fahrtüchtigkeit immer wieder selbst zu hinterfragen. Das bezieht sich sowohl auf das Reaktions- als auch das Sehvermögen", betont Heidrun Römer, Vorsitzende des Dorstener Seniorenbeirats. Viele ältere Menschen würden sich überschätzen und glauben, dass sie ihnen bekannte Strecken noch problemlos mit dem Auto fahren können - das sei jedoch ein Trugschluss, so Römer. "Es geht um die Sensibilisierung von Senioren, das Auto stehen zu lassen und das immer im Hinblick auf die mögliche Gefährdung anderer."

Eine regelmäßige Kontrolle vergleichbar mit einem Impfpass für Kinder hält Heidrun Römer für durchaus angebracht und auch die angesetzte Altersgrenze von 75 Jahren sei gut gewählt. Nicht zu unterschätzen sei auch der finanzielle Aspekt, den Senioren unbedingt beachten sollten: Ein Auto kostet, auch wenn es steht.

Fahrschulen finden Idee gut

An Dorstener Fahrschulen werden Fahrtests für Senioren bereits angeboten. "Natürlich bieten wir solche Fahrtests an und haben auch schon einige durchgeführt. Ich würde es begrüßen, wenn solche Test, auch unter medizinischer Aufsicht, ab 75 Jahren vorgeschrieben sein würden", sagt Fahrlehrer Heinrich Lüning.

Und auch Peter Overbeck begrüßt den Vorstoß der Grünen: "Die Idee ist toll. Auch wir haben schon einige Senioren getestet." Jedoch könne Overbeck nur Empfehlungen aussprechen, mehr nicht. Er habe sogar schon einem Rentner ans Herz gelegt, den Führerschein abzugeben.

Im vergangenen Sommer hat sich der Dorstener Seniorenbeirat dafür stark gemacht, dass Senioren freiwillig ihren Führerschein abgeben und im Gegenzug für einen bestimmten Zeitraum ein kostenloses Ticket für öffentliche Verkehrsmittel erhalten. Den Zuschlag für ein Pilotprojekt, das im kommenden Sommer starten soll, hat nun aber Gladbeck bekommen. Das teilte Reimund Kreutzberg, der stellvertretende Pressesprecher der Vestischen. 

Dort können Senioren nach freiwilliger Abgabe ihres Führerscheins drei Monate das Ticket 2000 nutzen, mit der Option danach ein Ticket-Abonnement abzuschließen. "Wichtig ist, dass sich die Aktion rechnet. Es sollte eine Win-win-Situation für beide Seiten sein. Und wenn das nach dem Pilotprojekt der Fall ist, bestehe die Möglichkeit, dieses Angebot auch auf andere Städte zu übertragen, so Kreutzberg.

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Keine grundsätzlich hohen Unfallzahlen weise die Gruppe der älteren Autofahrer im Kreis Recklinghausen auf, sagt Michael Franz, Sprecher der Kreispolizeibehörde. Erfasst werden dort die älteren Autofahrer in der Altersgruppe ab 65 Jahren. Für sie gebe es keine auffälligen Unfallhäufigkeiten, so Franz. Elf Auto-Unfälle mit Seniorenbeteiligung gab es im vergangenen Jahr. Drei mehr als noch 2014 (Anstieg von 37,5 Prozent). Das geht aus dem aktuellen Verkehrsunfallbericht der Kreispolizei hervor, der am Montag vorgestellt wurde. Motorradunfälle gab es drei, in denen Senioren verwickelt waren. Im Vorjahr aber nur einen (Anstieg von 200 Prozent). Um 38,5 Prozent stieg zudem bei Verkehrsunfällen der Anteil der verunglückten Senioren von 26 auf 36.

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