Viele Vorschriften und ein ganz neues Komplett-Verbot für Gastronomie-Betriebe in Dorsten

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Um die persönlichen Kontakte zu reduzieren, gibt es neue Bestimmungen für Imbissbuden und Speisegaststätten in Dorsten. Ein Gastronomie-Zweig muss die Türen vorerst sogar ganz schließen.

Dorsten

, 20.03.2020, 10:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Turgut Berber war „vorbildlich“. Das haben die Mitarbeiter des Dorstener Ordnungsamtes ihm am Donnerstag bestätigt. Denn bereits am Abend zuvor hatte der Inhaber des Antalya-Grills in der Dorstener Innenstadt von sich aus die Gäste über die neuesten behördlichen Anordnungen informiert - und Zettel an die Fensterscheibe seines Imbiss-Betriebes geklebt.

Gäste müssen sich registrieren

Trotz aller Vorbildfunktion: Am Donnerstag war sein sonst so proppenvoller Döner-Imbiss mittags kaum besucht. Die Schulen dicht, fast alle Innenstadt-Geschäfte zu. „Und jetzt müssen sich meine Gäste auch noch mit ihren Kontaktdaten registrieren“, erklärt Turgut Berber. „Da macht doch keiner gerne.“

In anderen Gastro-Betrieben in der Fußgängerzone gegen 14 Uhr das gleiche Bild: Vor dem „Extrablatt“ saßen nur ein paar Gäste im Freien, vor dem „O`Pazzo“ - auch auf dem Marktplatz angesiedelt - vertrieben sich zwei Angestellte die Zeit.

Wer sich weigert, wird nicht bedient

Dass die Gäste in allen Dorstener Restaurants und Imbissbetrieben seit Donnerstag auf einem Formblatt ihre Vornamen, Namen, Adressen, Rufnummern sowie das Datum und die Uhrzeit ihres Aufenthalts angeben müssen, ist Teil der aktuellen städtischen Auflagen, mit denen persönliche Kontakte in Zeiten der Corona-Pandemie reduziert werden sollen. Kunden, die sich weigern, dürfen nicht bedient werden.

Turgut Berber vom Antalya-Grill hat bereits am Mittwochabend seine Gäste über die aktuellen Auflagen für die Speisegaststätten informiert.

Turgut Berber vom Antalya-Grill hat bereits am Mittwochabend seine Gäste über die aktuellen Auflagen für die Speisegaststätten informiert. © Michael Klein

Seit Donnerstag dürfen Speisegaststätten nur von 6 bis 15 Uhr besucht werden. Der Verkauf außer Haus ist jedoch gestattet, Betriebe dürfen als Hol- und Bringdienst auch nach 15 Uhr Speisen verkaufen, dabei aber keine Gäste in den Laden lassen. Wie es zum Beispiel Turgut Berber macht.

Bachra Flerlage, Inhaberin von „Imbiss Funke“ in der Essener Straße, dürfte auch nach 15 Uhr noch verkaufen. „Ich überlege aber, nachmittags zu schließen“, sagt sie. Auch bei ihr: zu wenig Gäste. „Und das, obwohl heute Markttag ist“, sagt sie: „Wie soll es denn dann an anderen Tagen aussehen?“

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Auch Dimitrios Voultsidis vom benachbarten „Dili-Grill“ hat bereits am Mittwoch ab 15 Uhr seine Gäste weiter durch das Außen-Fenster bedient. „Hat sich aber nicht gelohnt“, sagt er. Zumal er - ebenfalls eine Vorgabe der Stadt - seine Außensitze ab 15 Uhr wegräumen muss, damit sich die Gäste dort nicht aufhalten und wartende Kunden mindestens zwei Meter Abstand voneinander haben.

Zahl der Gäste nennen

Weitere Beschränkungen: Nur je volle fünf Quadratmeter Gastraumfläche darf sich ein Gast aufhalten. Gastwirte müssen an der Tür ein Schild mit der Zahl der höchstens zulässigen Gäste anbringen.

Nicht wenige Gastro-Betriebe (wie das Asia-City-Restaurant) haben infolge der derzeit geltenden Auflagen zunächst einmal geschlossen.

Nicht wenige Gastro-Betriebe (wie das Asia-City-Restaurant) haben infolge der derzeit geltenden Auflagen zunächst einmal geschlossen. © Michael Klein

Der Mindestabstand zwischen Tischen muss zwei Meter betragen. Der Verzehr von Speisen und Getränken an der Theke ist untersagt. Alle Kontaktflächen sind nach jeder Nutzung zu desinfizieren. Büfettangebote sind untersagt.

Mehr Lieferservice

Die Dorstener Gastrobetriebe gehen unterschiedlich mit den Restriktionen um. Imbissbetriebe setzen zum Teil auf mehr Lieferservice. Es gibt auch Restaurants, die mittags und/oder abends auf Bestellung kochen und ihre Speisen „to go“ anbieten. Andere Gastronomiebetriebe schließen hingegen komplett.

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Die Stadt Dorsten hat angekündigt, die Einhaltung dieser Auflagen zu kontrollieren. Auch am Donnerstagmittag war ein Fahrzeug des Ordnungsamtes unterwegs. Für Timo Vesiqi war anschließend die Bestürzung groß: Der Besitzer des Eiscafes „San Remo“ an der Essener Straße erfuhr nämlich von den städtischen Mitarbeitern, dass er - wie allen anderen Eiscafe-Besitzer in Dorsten auch - am Freitag (20, März) seinen Betrieb vorerst komplett schließen muss.

„Ich habe keine Gäste und darf auf haben, er hat Gäste und muss schließen“, wundert sich sein Gegenüber Dimitrios Voultsidis (Dili-Grill). Aber wahrscheinlich ist genau das der Grund.

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