Vielen Dorstenern droht ein besonders einsames Weihnachten

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Weihnachten im Jahr 2020 wird anders. Viele Menschen in Dorsten werden an den Festtagen noch etwas einsamer sein als sonst. Denn eine beliebte Veranstaltung ist abgesagt worden.

Holsterhausen

, 18.11.2020, 04:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Gelebtes Christentum, praktizierte Nächstenliebe“ - so hat Dorstens stellvertretende Bürgermeisterin Christel Briefs vor einigen Jahren beschrieben, was alle Jahre wieder an Heiligabend im Pfarrheim der Holsterhausener Gemeinde St. Antonius passiert. Rund 100 Menschen erleben eine „wunderschöne weihnachtliche Atmosphäre“ beim Offenen Heiligen Abend, sagte sie nach einem persönlichen Besuch.

Es begann mit ein paar Obdachlosen

Was 1982 als Aktion für ein paar Obdachlose begann, ist eine feste Institution in Holsterhausen geworden. Doch zum ersten Mal ist der Offene Heiligabend wegen der Corona-Pandemie abgesagt worden. Für kranke, ältere oder alleinstehende Menschen, aber auch für viele arme Dorstener wird Weihnachten wohl noch einsamer werden also sonst.

„Ganz schlimm“ finden das auch Leopoldine Fitting und Peter Sumpmann. „Wir sind schon gefragt worden, ob unser Weihnachtsfest trotz Corona stattfinden kann“, sagen sie. Kann es nicht. Fitting und Sumpmann sind zwei von mehreren Helfern, für die es „das größte Geschenk ist, wenn sie anderen Menschen eine Freude machen können“, hat Christel Briefs festgestellt.

Die ehrenamtliche Initiative hat im September 2017 den Bürgerpreis der Dorstener CDU erhalten und war für den Deutschen Engagementspreis nominiert.

Bis zu 100 Menschen kommen jedes Jahr zum Offenen Heiligabend ins Pfarrheim St. Antonius.

Bis zu 100 Menschen kommen jedes Jahr zum Offenen Heiligabend ins Pfarrheim St. Antonius. © Peter Sumpmann

Es sind neben den sozialen Aspekten die vielen kleinen Rituale, die den Offenen Heiligabend so besonders machen. „Die ersten Gäste stehen meist schon um 17 Uhr vor der Tür, obwohl wir eigentlich erst um 19 Uhr öffnen“, sagt Leopoldine Fitting. Die dürfen sich dann schon aufwärmen, doch das gut dreistündige „Programm“ startet erst später. „Manche Besucher sind an den Tagen zuvor extra in die Kleiderkammer gegangen, um sich schick zu machen.“ Und weil ihnen das Geld fehlt, um in einem Modegeschäft zu „shoppen“.

Es gibt eine „legendäre Suppe“

Drei Frauen zum Beispiel kochen an Heiligabend die immer gleiche Suppe, die viele Gäste inzwischen als „legendär“ bezeichnen. Es gibt kleine Geschenke, es wird gesungen und das Weihnachtsevangelium vorgelesen. „Das ist ein Muss“, sagt Leopoldine Fitting. Ebenso wie der Fahrdienst, der viele Gäste ab 21.45 Uhr wieder nach Hause bringt.

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All das gibt es in diesem Jahr nicht. Auch für die Helfer ist das ungewohnt. „Ich kenne es seit vielen Jahren nicht anders, als abends im Pfarrheim zu sein“, sagt Leopoldine Fitting. Sie und ihre Mitstreiter denken nun darüber nach, den Stammgästen wenigstens eine Weihnachtskarte und ein kleines Präsent nach Hause zu bringen. Verbunden mit der Hoffnung, „dass wir uns alle an Heiligabend im nächsten Jahr am üblichen Ort gesund wiedersehen“.

Für Bedürftige können Geldspenden in den Holsterhausener Pfarrbüros abgegeben oder auf das Caritas-Konto St. Antonius (IBAN: DE85 4265 0150 0017 0033 02) eingezahlt werden. Verwendungszweck: „Offener Hl. Abend“. Für evtl. gewünschte Spendenquittungen muss die Adresse auf dem Überweisungsträger sein.
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