Voodoo-Prozess: Ex-Prostituierte berichtet von einem blutrünstigen Droh-Anruf

Landgericht Bochum

Im „Voodoo-Prozess“ um Zwangsprostitution in Bordellen in Selm, Castrop-Rauxel und Dorsten ist jetzt bekannt geworden, dass Belastungszeugen offenbar massiv eingeschüchtert worden sind.

Selm, Castrop-Rauxel, Dorsten

, 24.01.2019 / Lesedauer: 3 min
Voodoo-Prozess: Ex-Prostituierte berichtet von einem blutrünstigen Droh-Anruf

Die Angeklagten im "Voodoo-Prozess" beim Prozessauftakt Ende 2017. © Werner vn Braunschweig

ine Ex-Prostituierte, die laut Anklage ebenfalls zu den Opfern der sechs mutmaßlichen Zuhälter und Menschenhändler auf der Anklagebank gehörte, berichtete bei ihrer Zeugenvernehmung von einem unheimlichen Telefonat. „Eine Männerstimme hat mir gedroht, dass, wenn auch nur einer der Angeklagten in diesem Prozess verurteilt wird, wird man mir bei einer Rückkehr nach Afrika die Hände und die Beine abhaken“, sagte die 23-Jährige am Donnerstag am Bochumer Landgericht.

Die Nigerianerin war zum damaligen Zeitpunkt – im Sommer 2017 - bereits in einem Frauenhaus untergebracht. Ihr Aufenthaltsort war streng geheim gehalten worden. Ebenso ihre Telefonnummer. Dennoch müssen Hintermänner es geschafft haben, an die Nummer zu kommen.

Betreuerin informierte die Ermittler

Bekannt geworden war der blutrünstige Einschüchterungsversuch per Telefon über eine Betreuerin der Schutzeinrichtung, der sich die Ex-Prostituierte damals anvertraut hatte. Diese Frau hatte seinerzeit die Ermittler informiert. Zuvor, das wurde am Bochumer Landgericht bekannt, hatte die Betreuerin die junge Nigerianerin „nach einem Schwächeanfall“ sogar ins Krankenhaus gebracht.

Im Prozess versuchte die Zeugin, die Bedrohungen am Donnerstag herunterzuspielen. „Ich habe das alles gar nicht so ernst genommen“, flüsterte die 23-Jährige mit leiser Stimme.

Angst habe sie eigentlich keine gehabt. Richterin Isabel Hoffmann bezweifelte das allerdings. „Wenn ich so etwas nicht ernst nehme, warum erzähle ich es dann meiner Betreuerin in der Frauenunterkunft?“, fragte die Vorsitzende Richterin. Auch der Schwächeanfall spreche mehr für panische Angst als für Gelassenheit.

Anklage: Zehn Frauen illegal eingeschleust

Seit Ende 2017 wird zwei Frauen und vier Männer vor dem Bochumer Landgericht der Prozess gemacht. Fünf von sechs Angeklagten sitzen in U-Haft. Die Gruppe soll von 2015 bis 2017 mehr als zehn Frauen illegal aus Afrika eingeschleust und anschließend an zahlreiche Bordelle im Ruhrgebiet, auch nach Selm, Dorsten und Castrop-Rauxel vermittelt haben.

Vor der strapaziösen Schleusung über Libyen, das Mittelmeer, Italien bis ins Ruhrgebiet sollen die Frauen in Nigeria vor einen Juju-Priester ein blutiges Voodoo-Ritual durchlaufen haben. Sinn und Zweck des Juju-Schwurs war laut Anklage, die Frauen einzuschüchtern und gefügig zu machen, ihre Schleuserkosten in Höhe von 25.000 Euro allein aus panischer Angst vor den möglichen Fluch-Folgen abzubezahlen.

Die Urteile sind – Stand jetzt – frühestens im März zu erwarten.

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