Vorwurf Gruppenvergewaltigung: Angeklagte schweigen

rnLandgericht Essen

Ein Mann aus Dorsten soll eine Gruppenvergewaltigung gefilmt haben. Jetzt sitzt er zusammen mit den mutmaßlichen Tätern auf der Anklagebank.

Dorsten/ Essen

, 23.09.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Diese Anklage hat es in sich: Vier junge Männer sollen vor rund anderthalb Jahren eine Bekannte vergewaltigt haben. Ein fünfter stand angeblich daneben und hat alles gefilmt. Seit Dienstag stehen die Freunde in Essen vor Gericht.

Der Mann an der Handy-Kamera kommt laut Anklage aus Dorsten-Holsterhausen. Sein bisheriger Lebensweg ist eigentlich tadellos. Er hat eine Lehre hinter sich, studiert inzwischen Betriebswirtschaftslehre. Später will er im Bereich Marketing Fuß fassen.

Angeklagte kennen sich vom Fußball

Es war der 12. Mai 2019, als er sich mit vier Freunden in Essen verabredet hatte. Man kannte sich vom Fußball. Alle fünf Angeklagte haben schon in der Jugend hochklassig gespielt, vier sind noch immer in der Oberliga aktiv.

Mit dabei war auch eine angehende Kosmetikerin aus Essen, die der Dorstener über Instagram kennengelernt hatte. So richtig zusammengekommen war man allerdings nicht. Die Frau hatte sich lieber einem seiner nun mitangeklagten Freunde zugewandt.

Genauso war es auch an jenem Abend. Die heute 22-Jährige verschwand mit seinem Kumpel in einem der Zimmer. Was dort anschließend passiert sein soll, ist das, was man wohl eine Gruppenvergewaltigung nennt.

Drei der 22 bis 26 Jahre alten Männer sollen nacheinander im Zimmer aufgetaucht sein. Der Dorstener wurde angeblich später hinzugerufen, um alles aufzunehmen. Den Film soll er am nächsten Tag in der WhatsApp-Gruppe der Freunde herumgeschickt haben.

„Hört auf, ihr seid doch krank“

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die Auszubildende zwar überrascht war, als man plötzlich zu dritt war, zu diesem Zeitpunkt aber noch mitgemacht habe. Man habe auch früher schon mal über einen „Dreier“ gesprochen, heißt es in der Anklage. Alles, was danach kam, sei jedoch absolut gegen ihren Willen gewesen.

„Hört auf, ihr seid doch krank“, soll die Frau geschrien haben. Wehren konnte sie sich angeblich nicht. Laut Anklage wurde sie geschlagen, gekniffen, gekratzt. Dass sie Schmerzen hatte, sollen die Angeklagten durchaus wahrgenommen haben. Als sie später im Intimbereich auch noch blutete, hat einer der jungen Männer angeblich nur gelächelt und die Szene so kommentiert: Jetzt habe man sie wohl „kaputt gemacht“.

Glaube in das Gute verloren

Zum Prozessauftakt haben sich die Angeklagten nur zu ihren Lebensläufen geäußert. Die Aussage der 22-Jährige ist erst für einen der nächsten Verhandlungstage vorgesehen. „Sie hat den Glauben in das Gute im Mann verloren“, sagte ihr Anwalt Burkhard Benecken am Rande des Prozesses. Sie wisse gar nicht, ob sie überhaupt noch einmal eine Beziehung eingehen könne.

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