Wahrheit oder Lüge? Ein Gutachten soll dem Gericht weiterhelfen

rnSexueller Missbrauch

Aussage steht gegen Aussage. Eine 15-Jährige beschuldigt einen Verwandten, sie sexuell belästigt zu haben. Er streitet die Tat ab. Ein Gutachten soll jetzt bei der Wahrheitsfindung helfen.

Dorsten

, 05.11.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Hat er oder hat er nicht? Der Vorwurf einer heute 15-Jährigen, der Onkel habe sie 2017 begrapscht und mit anzüglichen Bemerkungen belästigt, ließ sich auch am zweiten Verhandlungstag vor dem Dorstener Amtsgericht nicht klären. Jetzt soll auf Vorschlag der Verteidigung ein Gutachten die Glaubwürdigkeit des Mädchens beurteilen.

Zwei Jahre nach dem angeklagten Vorfall hatte sich das Mädchen seinen Eltern offenbart und den Cousin des Vaters beschuldigt. Die erste Person, die im vorigen Jahr von diesem Vorfall erfuhr, war jedoch die beste Freundin des Mädchens, die am Mittwoch vor Gericht berichtete, was die Freundin ihr erzählt hat. „Sie war

total überfordert mit der Situation und konnte damit nicht umgehen“, sagte die junge Zeugin aus.

Sie habe ihre gleichaltrige Freundin schließlich davon überzeugen können, sich ihren Eltern anzuvertrauen. Gemeinsam haben die beiden Mädchen dann das Gespräch mit der Mutter geführt. „Die war total geschockt“, erinnerte sich die Zeugin, „auch weil das ja schon so lange her war.“

Erst brach der Kontakt ab, dann kam die Polizei

Offenbar brach die Familie sofort den Kontakt mit dem Cousin und seiner Verlobten ab. Die 25-Jährige Lebensgefährtin war am Mittwoch ebenfalls als Zeugin geladen. Sie widersprach vor allem der Aussage der Belastungszeugin, bei der sexuellen Belästigung sei sie mit dem Onkel allein zu dessen Wohnung gefahren, um fehlende Grillanzünder zu holen.

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„Mein Verlobter und ich sind mit dem Mädchen und ihrem kleinen Bruder gemeinsam zu uns geradelt, um die Anzünder zu holen“, sagte die Zeugin aus und bekräftige außerdem, bei einem einwöchigen Aufenthalt des Mädchens und ihrer beiden kleinen Brüder während einer Reise ihrer Eltern seien die Jugendliche und ihr Verlobter nie miteinander allein gewesen.

Bis zum plötzlichen Kontaktabbruch 2019 seien die Familien eng befreundet gewesen, man habe sich fast täglich gesehen und zu gemeinsamen Unternehmungen getroffen. Vorbehalte des Mädchens gegenüber dem Onkel oder gar Angst habe man ihr nicht angemerkt. Das bestätigte auch die Schwester des Angeklagten, die zweimal zu Besuch war, als die drei Kinder eine Woche lang bei ihrem Bruder wohnten. Alle hätten zusammen gespielt und viel gelacht - auch das Mädchen.

Glaubwürdigkeitsgutachten soll Urteilsfindung erleichtern

„Wenn wir ihn freisprechen, obwohl er‘s getan hat, wäre das eine große Ungerechtigkeit für das Opfer“, fasste Richterin Lisa Hinkers das Dilemma zusammen. „Verurteilen wir ihn jedoch, obwohl er unschuldig ist, wäre das eine große Ungerechtigkeit für ihn.“ Ein Gutachten soll nun Aufschluss darüber geben, ob die Aussage des Mädchen glaubwürdig ist oder nicht.

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