Warum die St.-Ursula-Realschule schneller digital wird als andere

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Schulen werden digitaler. In Dorsten gehen sie unterschiedliche Wege. Gehören Schulbücher und Kreidetafeln bald der Vergangenheit an? Zwei Beispiele aus einer Grund- und einer Realschule.

Dorsten

, 12.11.2020, 04:45 Uhr / Lesedauer: 3 min

Über den Bildschirm wischen schon die Kleinsten, aber ein Textverarbeitungsprogramm bedienen, das müssen Kinder erst lernen.

Konrektorin der Grünen Schule, Stefanie Wiegel, ist Mitglied einer Arbeitsgruppe, die gemeinsam mit anderen Lehrern der städtischen Schulen Medienkonzepte erarbeitet hat. Sie vertrat die Wünsche der Grundschulen in puncto digitaler Unterricht und Ausstattung. „Grundschulkinder sind oft noch sehr klein, deshalb wollten wir Whiteboards, die ganz weit runter gefahren werden können“, erläutert sie einen Aspekt.

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Die Medienkonzepte dienten der Stadt quasi als Grundlage zur Antragsstellung von Fördergeldern, um solche Maßnahmen, wie Whiteboards, überhaupt umsetzen zu können. Wiegel findet das Vorgehen des Schulträgers gut: „Wir durften mitreden und die Stadt will alle Schulen einheitlich ausstatten, das finde ich sinnvoll.“

Stefanie Wiegel ist Klassenlehrerin einer „digitalen Pilotklasse" an der Grünen Schule. Die möchte auf die moderne Technik nicht mehr verzichten.

Stefanie Wiegel ist Klassenlehrerin einer „digitalen Pilotklasse" an der Grünen Schule. Die möchte auf die moderne Technik nicht mehr verzichten. © Stefan Diebäcker (A)

Das Damoklesschwert Distanzunterricht

Wie wichtig Medienkompetenz und eine gute digitale Ausstattung in Schulen, sowohl bei Lehrern als auch bei Schülern, sind, machten der Lockdown und die plötzliche Umstellung auf Distanzunterricht deutlich. Seitdem geht alles schneller. Stefanie Wiegel, Konrektorin an der Grünen Schule, spricht gar von einer „digitalen Stoßgeburt an Schulen“, die durch Corona eingeleitet worden sei. Weil das „Damoklesschwert Distanzunterricht“ über den Köpfen der Schüler und Lehrenden hänge, „hat die Digitalisierung an Schulen einen ordentlichen Schub bekommen“, meint Jochem Sniers von der Realschule St. Ursula.

Die Schule liegt nicht in kommunaler, sondern in der Trägerschaft der Stiftung St. Ursula – ein Vorteil, wie Jochem Sniers findet. „Wir sind ein kleines System mit kurzen Wegen.“

Seit 2016 sei die Schule schon „verkabelt“, um die 250.000 Euro habe die Maßnahme gekostet. Seit einer Woche liegt das Glasfaserkabel für schnelles und stabileres Internet im Schulkeller zum Anschluss bereit.

Zwei Computerräume, Whiteboards in den Klassenräumen inklusive Schnittstelle für Tablet und USB-Anschluss gehören zum Schulalltag. Seit knapp zwei Monaten sind alle Lehrer mit einem Dienst-iPad ausgerüstet. „So hat jeder den gleichen Standard“, erklärt Jochem Sniers.

Dank des digitalen Mikroskops auf dem Pult des Fachraums muss nicht jeder Schüler mit einem eigenen Mikroskop hantieren.

Dank des digitalen Mikroskops auf dem Pult des Fachraums muss nicht jeder Schüler mit einem eigenen Mikroskop hantieren. © Lydia Heuser

Die Lehrertasche wird immer leichter

Schulleiterin Miriam Baumeister ist froh, dass sie auf die Kompetenz ihrer Informatiklehrer vertrauen kann. Einer von ihnen ist Marc Hötten-Löns. Im Matheunterricht der Klasse 7 geht er mit den Jugendlichen Aufgaben am Whiteboard durch. Die Seite aus dem Mathebuch, die die Kinder an ihren Gruppentischen vor sich aufgeschlagen haben, hat er zusätzlich an das Whiteboard projiziert. Trotz seiner Begeisterung für Technik setzt er auf Bücher. „Bücher funktionieren immer. Ich brauche aber beides“, findet er.

Nur eins stört ihn: „Meine Lehrertasche wird immer leichter, die der Schüler nicht.“ Langsam ändere sich das. Obwohl es nicht das Ziel der Realschule ist, reine iPad-Klassen zu etablieren, bieten Schulbuchverlage mittlerweile Lizenzen an, mit denen man die Schulbücher zusätzlich als E-Book runterladen kann. „Die Schüler können die Bücher im Spind lassen und zu Hause das E-Book nutzen“, erklärt Hötten-Löns die Vorteile.

Im Matheunterricht der siebten Klasse arbeitet Marc Hötten-Löns mit Ipad, Whiteboard und Schulbüchern.

Im Matheunterricht der siebten Klasse arbeitet Marc Hötten-Löns mit iPad, Whiteboard und Schulbüchern. © Lydia Heuser

„Wir werden nie mehr mit Kreide auf der Tafel schreiben“, weiß der Mathe- und Informatiklehrer. Stattdessen nutzt er sein iPad, schreibt und tippt auf dem Display, was die Schüler dann auf der Wand lesen können.

Zwei Computerräume gibt es an der Realschule und seit Anfang des Schuljahres verpflichtenden Informatikunterricht für die Jahrgangsstufen fünf bis sieben. Miriam Baumeister und ihre Kollegen finden das wichtig und sind stolz darauf, dass sie dank der ausreichenden Anzahl an Informatiklehrern dieses Angebot machen können. Digitale Kompetenzen vermitteln und ausbauen, ist eines der Anliegen der Schule: „Wischen können die Kinder, aber ein Semikolon setzen, da wissen sie nicht, wie das geht“, so Lehrer Marc Hötten-Löns.

Auch Grundschullehrerin Stefanie Wiegel wünscht sich für die Grüne Schule einen Computerraum. „Da könnten die Kinder dann Textverarbeitung am PC lernen.“ Das ist aber noch ferne Zukunftsmusik. Geplant sei, dass alle Lehrer ein Dienstgerät bekommen. Die Grüne Schule hat sich in ihrem individuellen Medienkonzept außerdem für drei bis fünf Tablets pro Klasse ausgesprochen.

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Schulplattformen ersetzen Hausaufgabenheft

Sowohl städtische Schulen als auch die St.-Ursula-Realschule nutzen Schulsoftware. Während die Kommune auf die NRW-Plattform LOGINO setzt, konnte sich die Realschule frei entscheiden – die Wahl fiel auf IServ. Mit dem Programm ist die Schule nun besser für den „Ernstfall“ ausgestattet, deshalb wird schon fleißig geübt. Miriam Baumeister hat ihren Schülern am Vortag eine Nachricht über IServ geschrieben. Auf ihrem iPad kann sie sehen, wer die Nachricht schon zur Kenntnis genommen hat. Hausaufgaben können die Lehrer ebenfalls über die Plattform stellen und Räume buchen, das sei gerade in Corona-Zeiten, wo es drei Lehrerzimmer gibt, eine Arbeitserleichterung. Zu IServ gehört außerdem ein Office-Paket; das war den Lehrern wichtig, damit alle Schüler mit denselben Programmen arbeiten können. IServ laufe auf allen Betriebssystemen und koste jährlich 4 Euro pro Schüler; bezahlt wird das durch die Stiftung. Voraussetzung zur Nutzung der Plattform ist ein PC oder Laptop mit Internetzugang. Eltern, die nicht über die finanziellen Mittel zur Anschaffung von PC oder Laptop verfügen, können bei der Schule ein Leihgerät beantragen.

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