Warum ein Bücherschrank neben einem Dixi-Klo aufgestellt worden ist

rnFußgängerzone

Büchertauschfreunde vermissten den Bücherschrank, der in der Fußgängerzone in Dorsten aufgestellt war. Jetzt ist er an ungewohnter Stelle wieder aufgetaucht - und wartet auf sein „Comeback“.

Dorsten

, 04.08.2020, 15:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

Decken sich die Bauarbeiter für eine längere „Sitzung“ vorher mit Literatur ein? Diesen Eindruck kann man gewinnen, wenn man am Baulager der für die Umbauarbeiten in der Fußgängerzone beauftragten Firma Benning vorbeikommt. Denn hier an der Klosterstraße stehen ein gut gefüllter Bücherschrank und ein Dixi-Klo einträchtig nebeneinander.

Nein - dieses Stillleben samt Baucontainer und Bagger ist nur ein Indiz dafür, dass es auch mit den Pflasterarbeiten in der Recklinghäuser Straße zügig vorangeht. Denn der Bücherschrank steht am Baulager parat, „weil er Ende nächster Woche am alten Standort wieder aufgestellt werden soll“, kündigt Dorsten City-Manager Christoph Krafczyk (Stadtteilbüro „Wie machen Mitte“) an.

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Der öffentliche Büchertauschschrank war Anfang dieses Jahres neben weiterem alten Mobiliar abgeräumt worden, um Platz zu schaffen für die nächsten Umbauarbeiten in der Fußgängerzone. Der Schrank stand auf der Recklinghäuser Straße in Höhe der Hausnummer 20 in direkter Nähe zu Stadtinfo Dorsten/Innogy-Laden.

Stadtinfo übernahm Angebot

Er wurde von der Stadt zwischengelagert, den Büchertausch übernahm übergangsweise während ihrer Geschäftszeiten die Stadtinfo Dorsten. Der Bücherschrank wird aber künftig ein paar Meter versetzt installiert - und zwar auf dem Seitenstreifen der dortigen Bank/Apotheke. „Dort bekommt er ein Betonfundament und wird fest verschraubt“, so Krafcyzk. Vorher stand der Schrank mitten auf der Recklinghäuser Straße, doch der Mittelgang soll künftig frei bleiben.

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Mitmenschen im Vorbeigehen zum Lesen anzuregen: Das ist die Idee, die hinter der Installation von öffentlichen Bücherschränken steckt. Seit Anfang 2014 konnten die Dorstener durch die Initiative von RWE Deutschland (heute: Innogy) einen solchen Schrank nutzen.

Das Prinzip eines Bücherschrankes ist einfach. Wer ein interessantes Buch für sich darin entdeckte, durfte es mitnehmen - kostenlos. Umgekehrt funktioniert der Büchertausch ebenso: Wer ein Buch abgeben wollte, stellte es in den 250 Bücher fassenden, zwei Meter hohen Schrank hinein.

„Werde weiter Pate sein“

Klaus-Dieter Krause, früherer Redaktionsleiter der Dorstener Zeitung, ist seit fünf Jahren ehrenamtlich verpflichteter „Pate“ des Bücherschranks. „Ein- bis zweimal die Woche“ schaut er nach dem Rechten. Er war im Vorfeld nicht darüber informiert worden, dass der Bücherschrank kurzfristig abgebaut wird.

Ebenso wenig hat er bislang Bescheid bekommen, dass der Schrank wieder aufgebaut wird. Für ihn ist aber klar: „Ich stehe weiterhin als Pate zur Verfügung.“

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