Warum ein Lette aus London auf Diebeszug im Media Markt Dorsten ging

rnGerichtsprozess

Für viel Aufsehen bei den Kunden sorgte im März die Festnahme eines renitenten Ladendiebs im Media Markt Dorsten. Jetzt stand der Mann aus London dafür vor Gericht.

Dorsten

, 08.08.2019 / Lesedauer: 3 min

Dieser Vorfall sorgte am 9. März dieses Jahres zur besten Nachmittags-Einkaufszeit für eine Menge Aufsehen bei den Kunden des Media Markts in Dorsten: Ein Ladendieb wird jenseits des Kassenbereichs von einem Kaufhausdetektiv angesprochen, schlägt auf den Sicherheitsmann ein, fügt einem weiteren Mitarbeiter eine Schnittwunde am Finger zu und wird nach einem minutenlangen Gerangel von insgesamt vier Media-Markt-Angestellten an Händen und Füßen ins Büro geschleppt, wo die Polizei ihn später festnimmt.

Seitdem in U-Haft

Am Mittwoch musste sich der Täter vor dem Dorstener Schöffengericht verantworten. Der Täter, ein 23-jähriger aus Lettland stammender und in London lebender Videotechniker und Fotograf, wurde im Gerichtssaal vorgeführt - er saß seit dem Diebstahl wegen Fluchtgefahr in U-Haft. Er räumte die Vorwürfe ein - etwas anderes blieb ihm auch nicht übrig.

Denn einem Ladendetektiv war der junge Mann von vornherein nicht ganz koscher vorgekommen, woraufhin er ihn von den Überwachungskameras verfolgen ließ. So war auf einem Video ganz eindeutig zu sehen, wie der 23-Jährige zunächst ein Anschlusskabel aus einem Regal nahm und dann den Spiral-Verschluss einer doppelt gesicherten Festplatte entfernte. „Das war das teuerste Exemplar, das wir im Laden haben“, so der Detektiv, „es kostete mehr als 600 Euro.“

Nur ein Kabel bezahlt

Das Kabel bezahlte der Dieb, das Speichergerät indes schmuggelte er an der Kasse vorbei. „Ich hätte es nachher bezahlt, wenn ich aufgefallen wäre“, sagte er aus. Das glaubten Staatsanwaltschaft und Schöffengericht ihm nicht. Der Angeklagte wurde schließlich zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten verurteilt, ohne große Auflagen. Denn: „Die Zusammenarbeit mit den britischen Kollegen könnte ab Oktober deutlich problematischer werden“, so Richterin Lisa Hinkers im Hinblick auf den drohenden Brexit.

Zu schlechte Musik

Doch wie kam der bislang nicht vorbestrafte Lette mit Wohnsitz London eigentlich dazu, in Dorsten auf Diebestour zu gehen? Ganz einfach: Er hatte mit Freunden Holland besucht. Über Amsterdam und Eindhoven wollten sie mit dem Auto weiter nach Hamburg fahren. Da ihnen das deutsche Radioprogramm nicht zusagte, wollten sie ihre eigene Musik hören, hatten aber die nötigen Anschlusskabel nicht dabei. So suchten sie unterwegs im Internet nach dem nächstgelegenen Media Markt. 26 Kilometer entfernt war einer - und zwar der am Europaplatz in Dorsten.

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