Baustelle

Wegen maroder Brücke: Landwirte möchten „Schnellstraße“ nutzen

Weil eine marode Brücke in Dorsten nur halbseitig befahrbar ist, möchten Landwirte mit ihren schweren Fahrzeugen nun ausnahmsweise da fahren, wo es für sie eigentlich nicht erlaubt ist.

Die Lippebrücke der Buerer Straße (K 32) nahe Dorf Hervest ist marode, aus Sicherheitsgründen nur halbseitig befahrbar und soll über kurz oder lang durch einen Neubau ersetzt werden. Für die hiesigen Landwirte ist sie derzeit ein Hindernis.

„Die Brücke wurde vor knapp 100 Jahren gebaut, damals waren die Bauern noch mit Pferdewagen unterwegs“, sagt der Hervester Ortslandwirt Josef Kemna. „Doch heute sind wir mit großen Erntemaschinen unterwegs, mit breiten Mähdreschern und Fahrzeuge, zum Teil 30, 35 Tonnen schwer.“

Deswegen fordert er mit Kollegen, dass Landwirte mit ihren Fahrzeugen übergangsweise die parallel über Lippe und Kanal führende Ortsumgehung L 608 (Hervester Straße) nutzen dürfen: „Zumindest so lange, bis die neue Brücke fertig ist.“ Die L 608 ist eine „Kraftfahrtstraße“ und deshalb eigentlich für landwirtschaftliche Fahrzeuge gesperrt.

Neben Josef Kemna gibt es weitere Landwirte, die Flächen dies- und jenseits der Lippe bewirtschaften und deshalb regelmäßig den Fluss queren müssen. Zum Teil pendeln sie regelmäßig bis zu 20 Kilometer hin und her, zwischen Lembeck und Polsum, zwischen Hervest und Herten. „Und viele Landwirte nördlich der Lippe bringen ihre Abfälle zur Biogasanlage in den Industriepark Dorsten-Marl“, sagt er.

Unterstützung der CDU

Unterstützung haben die Landwirte beim CDU-Ortsverband Dorsten-Hervest bekommen. Dessen beiden Vorsitzenden Hans Duve und Franz-Josef Gövert machen sich in einem Brief an den Landrat dafür stark, dass sich die Kreisverwaltung beim für die Kraftfahrstraße zuständigen Straßenbaulasträger Straßen.NRW dafür einsetzt, die L 608 für die Landwirtschafts-Maschinen frei zu geben.

Die Freigabe solle sich erstrecken von der B 225 (Marler Straße) über Lippe und Kanal bis hin zur Wienbecke, zumindest aber von der Kreuzung Hervester Straße/Buerer Straße bis zur Wienbecke.

Die CDU führt dabei ins Feld, dass die derzeitige Ampel-gesteuerte einspurige Lösung „äußerst hinderlich und zeitaufwendig“ für die Landwirte sei, dass Dorfkern, Dorfstraße (die über keinen Radweg verfüge), das gesamte Dorfleben sowie die marode Brücke durch die Interimslösung entlastet würden. Zumal eine solche Lösung vor Jahren beim Neubau der Brücken über den Wesel-Datteln-Kanal erfolgreich bereits angewendet worden sei.

Die marode Brücke wird am 13. September (Montag) Thema im Kreisausschuss sein. Da sich laut einer aktuellen Untersuchung der Zustand des Bauwerks verschlechtert habe und dringender Handlungsbedarf bestehe, steht die Kreis-Politik vor der Entscheidung, für die Zeit bis zum Neubau in rund fünf Jahren ein „Behelfsbauwerk“ einzurichten. Auch das wird wahrscheinlich so schmal werden, dass es die Landwirte ebenfalls vor Durchfahrtsprobleme stellt.

Über den Autor
Redaktion Dorsten
Geboren 1961 in Dorsten. Hier auch aufgewachsen und zur Schule gegangen. Nach erfolgreich abgebrochenem Studium in Münster und Marburg und lang-jährigem Aufenthalt in der Wahlheimat Bochum nach Dorsten zurückgekehrt. Jazz-Fan mit großem Interesse an kulturellen Themen und an der Stadtentwicklung Dorstens.
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Michael Klein