Die Weihnachtsmann-“Lüge“ - Wie sage ich es dem Kind?

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Wie erkläre ich Kindern, dass es Weihnachtsmann oder Christkind nicht gibt? Eine Dorstener Psychologin gibt Tipps für eine möglichst tränenarme Aufklärung.

Dorsten

, 19.12.2019, 12:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Situation hat sich in mein Gedächtnis eingebrannt: Ich sitze mit meiner Mutter im Auto. Sie hat mich vom Kindergarten abgeholt. Wir wollen noch einkaufen fahren. Ich erzähle ihr, dass eine Kita-Freundin mir gesagt hat, dass es das Christkind gar nicht gibt und dass sie da ja wohl Quatsch erzählt hat. Und wie meine Mutter das verneint und mir erklärt, dass es sowohl das Christkind als auch den Osterhasen nicht gibt.

Ich war vollkommen schockiert, traurig, wütend, warf meiner Mutter vor, mich jahrelang belogen zu haben. Hatte sie das tatsächlich? Und wann und vor allem wie erzählt man Kindern die Wahrheit? Oder sollte man von Anfang an nicht verheimlichen, dass die Geschenke von den Eltern kommen?

Jede Familie hat eine eigene Tradition

Allgemeingültige Antworten gibt es darauf nicht, erklärt Anne Rentmeister, Psychologin und Leiterin der Caritas-Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche in Dorsten. „Jede Familie hat ihre eigene Tradition. In einer kommt das Christkind, in der anderen der Weihnachtsmann und in der nächsten bringen die Eltern die Geschenke“, sagt sie. Wichtig sei es, sich klar zu machen, warum man dem Kind welche Geschichte erzähle und zu akzeptieren, dass andere Eltern mit dem Thema anders umgingen.

Anne Rentmeister ist Psychologin und arbeitet in der Caritas-Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche in Dorsten.

Anne Rentmeister ist Psychologin und arbeitet in der Caritas-Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche in Dorsten. © Manuela Hollstegge

Jedoch sei es so, dass sich das Alter ab zwei Jahren sehr dafür eigne, Kindern solche Geschichten rund um Weihnachten zu erzählen. „In diesem Alter sind die Kinder eh in der sogenannten magischen Phase und erklären sich viele Dinge, die sie nicht ganz verstehen, mit magischer Logik“, erklärt Rentmeister.

Glaube vermittelt ein Gefühl von Sicherheit

Der Glaube an den Weihnachtsmann oder das Christkind vermittle dem Kind außerdem ein Gefühl von Sicherheit und Stabilität, da in jedem Jahr zu Weihnachten das Gleiche passiere. „Zudem schweißen solche Bräuche die Familie zusammen, da sie sie alle gemeinsam erleben“, so die Psychologin.

Ab etwa fünf bzw. sechs Jahren neige sich jedoch die magische Phase dem Ende zu. In dieser Zeit kommen dann die ersten logischen Fragen. „Wie schafft der Weihnachtmann es, alle Kinder an einem Abend zu besuchen?“, oder „Was ist eigentlich, wenn das Christkind an Weihnachten krank ist?“, sind nur einige von ihnen.

Auf eine Frage mit einer Gegenfrage antworten

Wer von solchen Fragen überrascht wird, für den hat Rentmeister einen Tipp: „Einfach mal mit einer Gegenfrage antworten, also fragen, was das Kind glaubt, was die Antwort sein könnte.“ Oft seien Kinder da sehr kreativ und man könne sie noch eine Weile in ihrem Glauben lassen. „Wenn jedoch das Gefühl aufkommt, man erzählt eine Lüge, sollte man ganz vorsichtig und sensibel das Gespräch mit dem Kind suchen und die Wahrheit erzählen“, erklärt sie.

Entschuldigen oder rechtfertigen brauche man sich nicht, es sei jedoch wichtig, zu erklären, warum man diese „Lüge“ überhaupt erzählt habe. In diesem Zusammenhang könne man auch gut erzählen, wie es dazu gekommen sei, dass man vom Christkind oder Weihnachtsmann erzähle. Es gebe dazu auch viele gute Bücher, die man gemeinsam mit den Kindern lesen könne.

Kinder zu Verbündeten machen

„Viele Kinder freuen sich dann sogar und sind stolz, dass sie jetzt zu den Eingeweihten gehören“, sagt Anne Rentmeister. Gibt es noch jüngere Geschwister, könne man das große Kind auch zum Verbündeten machen, das den Erwachsenen bei den Vorbereitungen helfen kann. Aber auch ohne jüngere Geschwister spreche nichts dagegen, die Traditionen auch weiterhin aufrecht zu erhalten. „Viele Kinder mögen die Magie rund um Weihnachten, auch wenn sie Bescheid wissen.“

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