Wer kennt das Geheimnis der unbekannten Villa auf seltener Ansichtskarte von Dorsten?

rnHeimatgeschichte

Wolfgang Burkhardt sucht Hilfe: Er hat zwei alte Ansichtskarten von Dorsten ersteigert. Mysteriös: Die auf den Vorderseiten abgebildeten Häuser kennen nicht einmal arrivierte Heimatkenner.

Dorsten

, 01.09.2019, 05:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eigentlich kennt sich Wolfgang Burkhardt in der Dorstener Stadtgeschichte bestens aus. Als „Heimatsammler“ bezeichnet sich der 70-jährige Rentner nämlich, der seit Langem Mitglied im hiesigen Verein für Orts- und Heimatkunde ist.

Doch bei den beiden Dorstener Ansichtskarten, jeweils mit Poststempel aus dem Jahr 1910, die er in den vergangenen Wochen im Internet ersteigert hat, muss er passen. „Was hat es mit dieser abgebildeten Villa Großbüning auf sich, wo stand das andere Gebäude mit dem markanten Balkon?“, will er deshalb wissen.

Leser können Tipps geben

„Ich habe bislang auch keinen anderen gefunden, der mir sagen konnte, wo die beiden Gebäude auf den Vorderseiten der Karten in Dorsten gestanden haben könnten“, erklärt er - auch die „üblichen Verdächtigen“, die beiden Dorstener Heimatfreunde und Fotosammler Walter Biermann und Heinz Kleine-Vossbeck, konnten bislang nicht weiterhelfen.

Und deshalb hofft Wolfgang Burkhardt auf diesem Wege auf Informationen von Lesern der Dorstener Zeitung, die ihm bei seinen Recherchen weiterhelfen könnten.

1500 Dokumente gesammelt

Wolfgang Burkhardt lebt seit 1972 in der Lippestadt, seit den frühen 1980er-Jahren sammelt er alles, was mit Dorsten zu tun hat. Alte Briefe, Ansichtskarten, Dokumente, „1500 Belege habe ich inzwischen“, sagt er stolz, darunter ein Original aus dem Jahr 1586. Da passten die beiden 109 Jahre alten seltenen Postkarten mit den ihm unbekannten Häusern vorne drauf, die er jetzt bei einem Auktionshaus und beim Internet-Portal „Ebay“ erworben hat, bestens in seine Sammlung.

Die eine Karte ziert eine Ansicht eines Hauses, auf dessen Balkon drei Menschen stehen, drei weitere befinden sich im Eingangsbereich. Nebenan wird gerade ein weiteres Haus gebaut, „und das Gebäude im Hintergrund könnte die Johannes-Kirche sein“, mutmaßt Wolfgang Burkhardt.

Wer kennt das Geheimnis der unbekannten Villa auf seltener Ansichtskarte von Dorsten?

Dieses Postkarte zeigt auf der Vorderseite ein Mehrfamilienhaus mit einem markanten Balkon. Wolfgang Burkhardt mutmaßt, die Kirche links könnte die Johanneskirche sein. © Stefan Diebäcker

Die Postkarte ist adressiert an eine Familie in Neuwied. Der Absender hat damals augenscheinlich in dem Haus gelebt. „Damit Ihr ein Bild von unserer Wohnung habt“, schreibt er an die Empfänger, „ich hoffe, es gefällt Euch“.

Mehr Informationen zum Standort des Hauses gibt es nicht. Wolfgang Burkhardt hat keine Ahnung, wo sich das Mehrfamilienhaus befindet, ob es womöglich abgerissen und im Krieg zerstört wurde. „Ich habe es hier jedenfalls nie mit eigenen Augen nie gesehen.“

Mysteriöse Villa

Noch mysteriöser ist die Postkarte mit dem Bild der oben genannten „Villa Großbüning, Hervest-Dorsten“. „Einige sagen, es könnte sich um den Ursprung der jetzigen Villa Keller handeln, andere Kenner Dorstens weisen diese Vermutung von sich“, sagt Wolfgang Burkhardt.

Auch der Inhalt der Postkarte hilft ihm nicht weiter: Geschrieben wurde sie damals an eine Mia Grafs in Bochum, der Absender teilte ihr mit, dass er acht Tage in Dorsten verbracht und ein schönes Fest am Markttag erlebt habe.

Wer kennt das Geheimnis der unbekannten Villa auf seltener Ansichtskarte von Dorsten?

Wo stand die Villa Großbüning in Hervest-Dorsten? Dieses Geheimnis würde der Heimatsammler Wolfgang Burkhardt gerne ergründen. © Stefan Diebäcker

Internet-Recherchen unserer Zeitung ergaben immerhin, dass es eine Verbindung des Namens Großbüning nach Dorsten gibt: Ein Unternehmer namens Moritz Großbüning hat demnach damals eine „Glas- und Spiegel-Manufactur“ in Schalke geleitet. 1891 erwog er den Plan zur Errichtung eines Zweigwerkes in Dorsten, nahm hier 1892 einen Schleifbetrieb in Betrieb und richtete 1896 auch eine Spiegelglas-Gießerei in Dorsten ein, die aber 1913 stillgelegt und an die neu gegründete Gesellschaft Dorstener Glashütte verkauft wurde. Ob er aber jemals selbst in einer Villa in Dorsten wohnte, ließ sich bislang aber nicht herausfinden.

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Wer Hinweise zu den Gebäuden auf den Postkarten geben kann, wende sich an die Dorstener Zeitung, Südwall 27, Tel. (02362) 927742 oder per Mail .
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