Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Kuchen draußen essen - derzeit für viele Dorstener unmöglich. Denn ständig schwirren Wespen um den Teller herum. Gerade Allergiker versetzt das in Panik. Mehr als sonst. Das hat einen Grund.

Dorsten

, 16.08.2018 / Lesedauer: 5 min

Erst schwoll der Hals zu, dann wurde die Zunge dicker und auch die Ohren.“ Es ist schon ein paar Jahre her, aber Ruth Jansen wird den Stich dieser Wespe am Samstagabend nicht vergessen. „Dann setzte das Herzrasen ein. Und ich bekam Panik.“ Sie fuhr ins Krankenhaus, wo die Ärzte bestätigten, was sie schon ahnte: eine Insektengiftallergie.

Die Hardterin bekam ein Medikament, blieb über Nacht zur Beobachtung und begann mit einer Hyposensibilisierung, die über mehrere Jahre dauerte und erfolgreich war. „Aber ich habe trotzdem immer eine Spritze und Tabletten in der Tasche. Und wenn ich gestochen werde, dann benutze ich die auch.“ Jedes Jahr deckt sie sich bereits im Frühjahr damit ein. „Es gibt mir Sicherheit.“

Apotheker haben keine Pens mehr da

Auf diese Sicherheit müssen Allergiker, die sich nicht so früh mit dem Notfallset versorgt haben, derzeit verzichten. Denn der Pen, mit dem Adrenalin injiziert und somit der Kreislauf stabilisiert wird, ist derzeit nicht lieferbar. Prozessänderungen nennt Marktführer Pfizer der Deutschen Presseagentur als einen Grund; die Konkurrenten könnten die dadurch entstandene Nachfrage nicht decken.

„Wir haben seit Wochen keine Pens mehr“, sagt Anke Murlat von der Alten-Markt-Apotheke in der Essener Straße. Täglich versuche sie, den Pen zu bestellen. Vergeblich. „Ich bekomme häufig Nachfragen, auch aus der Umgebung, wie aus Essen.“ Auch Volker Winkelmann von der Kloster-Apotheke hat schon mehrere Rezepte vorliegen. „Sobald wieder geliefert wird, bekommen die Menschen ihre Präparate.“ Für Allergiker sei diese Notfallversorgung sehr wichtig, weiß der Apotheker.

Wespen-Wetter versetzt nicht nur Allergiker in Panik

Anke Murlat hat derzeit keine Notfall-Pens für Insektengift-Allergiker da, versucht aber jeden Tag, sie zu bestellen. © Jennifer Uhlenbruch

Aber auch Nicht-Allergiker sind von Wespen auf Terrasse oder Balkon alles andere als begeistert. Und haben sich die Insekten dort gleich ein ganzes Nest gebaut, wählen viele Dorstener die Nummer von Schädlingsbekämpfer Ralf Zellin. Seit Anfang der 80er-Jahre entfernt der Inhaber der Unwelthygiene und Schädlingsbekämpfung van Loosen Wespennester. „Aber so ein Jahr wie dieses habe ich noch nicht erlebt.“ Täglich ist er bis in die Abendstunden unterwegs. Wer ihn an die Strippe bekommt, erreicht ihn im Einsatz. Den nächsten Termin gibt es frühestens in einer Woche.

Wespen-Wetter versetzt nicht nur Allergiker in Panik

Ralf Zellin ist derzeit jeden Tag viele Stunden im Einsatz. © Jennifer Uhlenbruch

Manch Verzweifelter sucht dann im Internet nach Angeboten. Dabei solle man aber genau aufpassen, woher der Schädlingsbekämpfer komme, warnt Ralf Zellin. „Die Firmen sind oft nicht ortsansässig, reisen von irgendwo an und verlangen Mondpreise von einigen Hundert Euro.“ Ein seriöses Unternehmen berechne zwischen 100 und 150 Euro für eine Entfernung inklusive Mehrwertsteuer, sagt er.

Ralf Zellin entfernt nicht jedes Nest

Er entferne bei Weitem nicht „mutwillig“ jedes Nest, betont Zellin. „Ich schaue mir erst einmal an, wo das Nest ist. Spielen dort Kinder? Sind Allergiker im Haus? Oder kann man Fenster nicht mehr öffnen? Dann mache ich es weg. Liegt das Nest aber hinten im Garten, wo es niemanden stört, dann rate ich den Leuten, es dort zu lassen.“ Auch weil Wespennester immer nur einjährig sind. „Im nächsten Jahr wird das nicht wieder bevölkert. Die neuen Königinnen bauen sich ein neues Nest.“

Wespen-Wetter versetzt nicht nur Allergiker in Panik

Ralf Zellin füllt den Puder auf. © Jennifer Uhlenbruch

Das Nest mit Mitteln aus dem Baumarkt wegzumachen, davon rät Ralf Zellin dringend ab. „Diese Mittel haben oft einen Raustreibeeffekt. Das kann sehr gefährlich sein, wenn man sich nicht richtig geschützt hat. Eigentlich ist es eine Sauerei, so etwas zu verkaufen.“ Ist das Nest freihängend und gut sichtbar, benutzt der Fachmann ein flüssiges Insektizid. Sieht man nur, wie die Wespen unter die Dachpfannen fliegen, pumpt er mit Druck Puder hinein. „Beim Kontakt damit sterben die Wespen ab.“

Volker Fockenberg siedelt Nester um

Wer das Nest an seinem Haus loswerden, die Wespen aber nicht töten möchte, kann das Nest auch umsiedeln lassen. Volker Fockenberg, Biologe und Naturschützer aus Kirchhellen, macht dies seit knapp 30 Jahren. Früher ehrenamtlich, mittlerweile gewerblich. Er will die Wespen schützen. „Die Tiere sind interessant und wichtig für die Natur. Ein großes Wespennest hat um die 4000 Tiere und die fangen am Tag 500 Gramm Insekten. Das hört sich erst einmal nicht viel an, aber wenn man das in Mücken, Bremsen und Fliegen umrechnet, sind das etwa 10.000 Tiere am Tag“, sagt der Insektenfreund.

Wespen-Wetter versetzt nicht nur Allergiker in Panik

Volker Fockenberg siedelt seit Jahrzehnten Wespennester um. Hier zeigt er ein altes aus dem letzten Jahr. Sie kommen dann in die Nistkästen aus Holz und werden im Garten von Nestpaten aufgehängt. © Jennifer Uhlenbruch

Zunächst versuche er immer, die Nester an Ort und Stelle zu erhalten. „Wenn die Wespen vom Dach in die Wohnung fliegen, reicht oft der Einbau eines Fliegengitters“, nennt er ein Beispiel. Oft würden sich die Menschen darauf einlassen. „Vor allem, wenn sie erfahren, dass sie jetzt kein Fünf-Jahres-Abo auf ihr Wespennest an dieser Stelle haben, sondern sich das Problem im Spätherbst erledigt hat.“ Eine telefonische Beratung ist kostenlos. Wenn eine Beratung vor Ort gewünscht wird, fallen 30 Euro an.

Nestpaten können sich melden

Aber manchmal müsse er auch umsiedeln. 120 Euro kostet das den Auftraggeber. Sitzt das Volk in einem Rollladenkasten, öffnet Volker Fockenberg diesen von innen. „Das ist oft ein Horror für die Leute, weil die Tiere dann ins Zimmer fliegen.“ Gleichzeitig saugt er die Insekten aber mit einem speziellen Sauger, der die Tiere nicht verletzt, ein. „Die Königin fliegt in der Regel nicht raus. Sie und die restlichen verbliebenen Tiere setze ich mit dem Nest in ein Terrarium. Das ist für die Menschen auch immer sehr spannend, weil sie zum Beispiel die Königin beobachten können.“

Zu Hause betäubt Volker Fockenberg die Wespen im Nest und die Flugtiere aus dem Sauger mit CO2 und hängt sie mit dem Nest zusammen in einen Nistkasten. Das vermittelt er an Nestpaten, also Menschen, die ein Wespen- oder auch Hornissennest in ihrem Garten haben möchten.

2018 ist ein sehr gutes Jahr für Wespen

Normalerweise siedelt Volker Fockenberg etwa 20 Nester im Jahr um. „In diesem Jahr werden es aber deutlich mehr sein.“ Denn 2018 ist ein sehr gutes Wespenjahr. Der Grund: „In der Nestgründungsphase von Mitte April bis Ende Mai gab es in diesem Jahr keine längere Regen- oder Kälteperiode, so konnten sich sehr viele Nester entwickeln. Das heißt, dass viele Königinnen erfolgreich einen Staat gründen konnten.“ Im vergangenen Jahr habe es hingegen eine lange Regenphase in dieser entscheidenden Zeit gegeben, sodass etwa 95 Prozent aller Wespennester abgestorben seien.

Wespen-Wetter versetzt nicht nur Allergiker in Panik

So sieht ein verlassenes Wespennest von innen aus. © Jennifer Uhlenbruch

In diesem Jahr aber summt es überall. Kuchen oder Eis essen ist draußen derzeit kaum möglich. „Die Wespen suchen nach Nahrung. Sie finden durch die Trockenheit wenige Raupen, Spinnen und Fliegen“, sagt Volker Fockenberg fast entschuldigend. Wenn sich ihm eine Wespe nähert, bleibt er ruhig: „Bloß nicht pusten oder hektisch schlagen, sondern sie lieber mit der Hand wegschieben“, sagt der angstfreie Fachmann.

Ein Wespenstich – was nun?

Wenn man von einer Wespe – oder auch von einer Biene oder Hummel – gestochen wird, sollte man den Stich schnellstmöglich kühlen und die Reaktion des Körpers beobachten. „Bei einer allergischen Reaktion, das heißt bei Schwindel oder Ausschlag oder wenn der Stich gerötet, geschwollen oder erwärmt ist, sollte man schnellstmöglich ins Krankenhaus fahren“, sagt Sandra Spielbrink, Ärztliche Leitung Innere Medizin der Zentralen Aufnahme im St.-Elisabeth-Krankenhaus Dorsten.

Bei einer Entzündung sollten Patienten laut Spielbrink direkt den Hausarzt aufsuchen, da in solchen Fällen oftmals Antibiotika verschrieben werden müssen, die das Krankenhaus dauerhaft nicht verschreiben darf.

Gute Erfahrungen mit einer Vakuumpumpe

Volker Fockenberg hat gute Erfahrungen mit einer Vakuumpumpe gemacht, die es extra für Insektenstiche zu kaufen gibt und mit deren Hilfe bei schneller Anwendung das Gift hinaus gesogen werden kann. „Gerade bei Kindern ist das gut, weil sie auch einen Tropfen Gift sehen und so tut es später gleich weniger weh“, sagt Volker Fockenberg. Eine frisch aufgeschnittene Zwiebel helfe auch und auch die kortisonhaltigen Gele aus der Apotheke.

Wenn ein Wespennest in Dorsten entfernt werden soll
  • Schädlingsbekämpfer Ralf Zellin, Hans-Joachiv van Loosen e.K., Tel. (02362) 62667 oder (0171) 4338175. Weitere Infos zum Schädlingsbekämpfer
  • Volker Fockenberg, Tel. (02045) 84422 oder E-Mail kontakt@wildbiene.com Weitere Infos zu Volker Fockenberg
  • Schädlings-Bekämpfung-Niederrhein UG aus Schermbeck, Tel. (02853) 8579659
Lesen Sie jetzt