Wie Dorstens Bürgermeister auf die Kritik an seiner „Hilfssheriff-Idee“ reagiert

rnEhrenamtlicher Ordnungsdienst

Die Idee eines ehrenamtlichen Ordnungsdienstes stößt in Dorsten auf Kritik. Bürgermeister Tobias Stockhoff muss sich erklären - hält aber an der Idee fest. Und nennt ein positives Beispiel.

Dorsten

, 17.09.2019, 04:35 Uhr / Lesedauer: 2 min

Tobias Stockhoff hat am Wochenende viel Zeit auf Facebook verbracht. Einerseits hat er seinen „Freunden“ beschrieben, auf welchen Veranstaltungen er gewesen sei, andererseits musste Dorstens Bürgermeister eine Menge erklären. Denn seine Idee von einem ehrenamtlichen Kommunalen Ordnungsdienst (KOD) ruft neben Zustimmung auch eine Menge Bedenken hervor.

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In zahlreichen Kommentaren wird der Verdacht geäußert, dass die Idee vor allem finanziell motiviert sei. „Da wird Engagement ausgenutzt, um Geld zu sparen“, glaubt beispielsweise Heinz Neuhaus. „Was kommen demnächst für Vorschläge? Hobby-Busfahrer, Hobby-Krankenschwestern?“

Gute Schulung notwendig

Eine gute Schulung der Kandidaten halten auch Befürworter für unabdingbar. Ebenso ein strenges Auge bei der Auswahl der Kandidaten. Stockhoff bestätigt dies: „80 Stunden Schulung und 20 Stunden Weiterbildung jährlich. Und ein Teil wird schon beim Führungszeugnis raus sein.“

Trotzdem überwiegt die Skepsis, auch bei Klaus Alte-Teigeler: „Das hatten wir schon alles mal, dass sich Menschen gegenseitig anschwärzen, das sollte nicht wiederkommen. Dafür gibt es Polizei und Ordnungsamt.“

„Vorschlag zum legalisierten Denunziantentum“

Für den ehemaligen Vorsitzenden der Innenstadt-Kaufleute, Thomas Hein, und seine Frau Heike, früher im Ordnungsamt beschäftigt, erinnert der „Vorschlag zum legalisierten Denunziantentum“ stark an die Zustände in der ehemaligen DDR. Andere haben Zweifel, ob sich für den „gefährlichen Job“ überhaupt Freiwillige finden lassen.

Stockhoff verweist auf das Vorbild in Karlsruhe. „Dort werden die hauptamtlichen Kräfte des KOD zum Beispiel bei Stadtfesten durch ehrenamtliche verstärkt. Das sind keine Knöllchensheriffs.“ Dorsten habe nicht das Personal, bei einem Stadtfest ausreichend präsent zu sein. „Keine Chance, eine Absperrung zu bewachen, damit bei Veranstaltungen Rettungswege nicht zugeparkt werden.“

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Trotzdem merkt der Bürgermeister, dass er seinen Vorschlag, der dem Vernehmen nach auch Mitarbeiter im Ordnungsamt überrascht hat, noch besser erklären muss. Das will er in der Oktober-Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses schriftlich nachholen, bestätigte er am Montag.

An der Einschätzung von Elke Breilmann wird das womöglich nichts ändern. Sie glaubt: „Wir haben die Bürger-App. Dort kann man Missstände melden. Wofür noch ehrenamtliche Melder? Ehrenamt hat etwas mit Ehre zu tun. Nicht mit Überwachung, Bespitzelung und Beobachtung.“

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