Zündapp ZR 10 weckt Erinnerungen an alte Zeiten

Teil 1

Die glänzende Mofa im Doppelregalfach mittig links springt sofort ins Auge. „Boah, mit so einer bin ich auch durch die Gegend geflitzt“, weckt die Zündapp ZR 10 bei manchem Betrachter nostalgische Erinnerungen an seine eigene, längst verflossene Sturm- und Drangzeit.

DORSTEN

, 08.08.2017, 17:50 Uhr / Lesedauer: 2 min
Zündapp ZR 10 weckt Erinnerungen an alte Zeiten

Mittig links im Regal nimmt die Zündapp ZR 10 gleich zwei Regalfachbreiten in Beschlag. Sie steht für die Mobilität des Bergmanns.

Bei der Beratung über die Exponate, die die Regalfächer der Dauerausstellung füllen sollten, war ganz schnell klar: Ein Moped muss sein! „Auf alten Bildern vom Holzplatz kann man den Fahrradschuppen der Zeche sehen, und auch das große Areal, auf dem die Kumpel ihre Mopeds abgestellt haben“, berichtet der Bergbauvereinsvorsitzende Gerd Schute.

Schnell auf Schicht und schnell wieder nach Hause – mit dem Wirtschaftswunder kam die Mobilität und der Wunsch nach einem fahrbaren Untersatz. Zwar gab es auch in den 1950er Jahren schon den Werksverkehr zu den Zechen, aber mit dem eigenen Moped und der eigenen Mofa war der Bergmann schneller als mit dem Bus, der „an jeder Milchkanne“ hielt. Das galt jedenfalls bis zur Gründung der Ruhrkohle (1968) und der dann folgenden Verlegung vieler Bergleute auf andere Schachtanlagen. Denn bis dahin wohnte der Bergmann zumeist im Umfeld der Zeche.

Werksverkehr

Entfernungen von mehr als zehn Kilometern zum Arbeitsplatz waren eher die Ausnahme. Später änderte sich das Bild. So glich der Werksverkehr zur letzten Steinkohlezeche im Ruhrgebiet – Bergwerk Prosper Haniel in Bottrop – einer Sternfahrt aus allen Himmelsrichtungen. Da wurde das Moped auf dem Parkplatz am Schacht eher zur Seltenheit.

Das blau-silberne Prachtstück im Leopoldregal steht somit symbolisch für die Mobilität des Bergmanns. Ursprünglich hätten auch eine alte Kreidler oder eine Florett auf der Exponaten-Wunschliste gestanden. Dass es schließlich die Zündapp ZR 10, Baujahre 1976 bis 1980, geworden ist, liegt nicht zuletzt an dem Top-Zustand des Fahrzeugs.

Top in Schuss

„Die hat uns Paul-Walter Georgi besorgt“, erzählt Gerd Schute. Der Technische Leiter der Stiftung für Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur (Eigentümerin der Maschinenhalle) habe das gute Stück seinem Vater abgeschwatzt. „Das Mofa war super in Schuss, stand im Schuppen und wurde lange Jahre nicht gefahren.“

Fahrtüchtig wäre das alte Schätzchen immer noch, hätte man ihm nicht für seine neue Aufgabe als Ausstellungsstück im Leopoldregal alle Betriebsstoffe (Öl und Sprit) abgezapft. Also: Klauen lohnt nicht, sei denen gesagt, die ihre begehrlichen Blicke auf den Oldtimer werfen. „Die Leute kommen über die Zündapp immer sehr schnell ins Gespräch“, konnte Gerd Schute bislang beobachten. Dass man sie leicht von ihrer maximalen Höchstgeschwindigkeit 25 km/h auf 45 km tunen konnte und andere Insider-Basteltipps werfen die „Schrauber-Freaks“ wieder in alte Zeiten zurück.

Keine Frage: „Die Zündapp ist schon ein Regalschlager“, sieht Schute das Ausstellungskonzept bestätigt, das in Form und Inhalt ein Alleinstellungsmerkmal für den Standort Fürst Leopold ist: „Eine beliebige Präsentation von Pannschüppen, Arschledern und Grubenlampen gibt es auf anderen Zechen schon reichlich!“

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