Der Zwangsversteigerungstermin für den Wulfener Markt wurde auf Antrag der Stadt vertagt. Wer ist der Investor, der eine Million Euro geboten hat? Eine Spurensuche.

Wulfen-Barkenberg

, 07.11.2019, 16:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Donnerstagmorgen, 10 Uhr, Amtsgericht Dorsten: Frau Müller, Rechtspflegerin, eröffnet den Verkündungstermin für die Zwangsversteigerung des Wulfener Marktes. Doch Frau Müller ist allein. Weder der Meistbietende, noch die Gläubigerin sind gekommen. Das ist nicht weiter schlimm.

Denn die Entwicklungsgesellschaft Wulfen als Erbbauberechtigte und Hauptgläubigerin im Verfahren hat die erforderliche Zustimmung nicht erklärt, dass der Wulfener Markt an den Meistbietenden, die BM Haus & Grundbesitz GmbH, gehen soll. Frau Müller gewährt deshalb den von der Stadtgesellschaft EW beantragten Aufschub, weil der Antrag auf Verlegung des Zuschlagstermins begründet sei.

Die Stadt hat auf unsere Anfrage gesagt, dass sie noch Zeit brauche, um Gespräche mit dem Investor zu führen. Auch er sei mit weiteren Verhandlungen einverstanden.

Der Handlungsbevollmächtigte der BM Haus & Grundbesitz hatte sein Gebot für den Wulfener Markt ohne zu zögern auf eine Million Euro im Zwangsversteigerungstermin am 25. Oktober auf die Spitze getrieben - und damit zahlreiche Zuschauer im Saal verblüfft. Nun aber geht es ans Eingemachte. Denn in den Verhandlungen will die Stadt abklären, welche Absichten der Investor mit der Immobilie hat. Wer also steckt hinter der BM Haus & Grundbesitz GmbH?

Geschäftsführer ist Rajko Kokot

Der Geschäftsführer ist nach dem aktuellen Handelsregisterauszug des Amtsgerichts Aachen Rajko Kokot, gebürtig in Erkelenz.

Die Geschäftsadresse der BM Haus & Grundbesitz GmbH ist laut online-Portal Northdata seit 2017 in Berlin zu finden. Die Adresse macht was her: Mühlenstraße 8a, Berlin-Zehlendorf. Damit wirbt Virtual Office Berlin 24 Unternehmen an, die Wert auf eine „neue, vollwertige und ladungsfähige Geschäftsadresse im angesehenen Berlin-Zehlendorf“ legen. BM Haus & Grundbesitz mit Ursprungssitz in Heinsberg gehört zum Kundenkreis.

Unternehmen können dort für einen Preis ab 35,96 Euro im Monat, inklusive Postannahme und wöchentlicher Weiterleitung an die eigene Wunschadresse, ein laut Anbieter Virtual Office „repräsentatives, Virtual Office in Berlin“ anmieten. In der Briefkastenfirma besteht keine Anwesenheitspflicht, wie Virtual Office auf unsere Nachfrage erklärt: „Wir haben hier ein Großraumbüro. Aber die beiden Herren von BM haben wir hier schon häufiger gesehen.“

Kontaktaufnahme: Schwierig

Telefonisch sind die Herren von BM dort aber nicht erreichbar. Auch nicht per Mail. Weder dort noch sonstwo. Zumindest nicht für eine Presseanfrage. Die Mitarbeiterin von Virtual Office erklärt, dass man am besten per Brief Kontakt zu BM aufnehme.

Das mutet bei einer Firma, die im Bundesanzeiger als GmbH hinterlegt ist, die für „An- und Verkauf von Immobilien aller Art, die Errichtung von Objekten aller Art auf eigenen Grundstücken auf eigene Rechnung verantwortlich ist“, seltsam an. Denn schließlich will sie ja kaufen und verkaufen - macht da nicht ein direkter, schneller, digitaler oder telefonischer Kontakt zum Kunden Sinn?

Für die Stadt ist der Investor erreichbar

Die Stadt versichert auf Anfrage, dass der Investor für sie erreichbar sei. Gespräche würden geführt.

Die letzte Bilanz der BM Haus & Grundbesitz GmbH weist der Bundesanzeiger für das Geschäftsjahr 2014 aus. Die Veröffentlichung im Bundesanzeiger datiert aus dem Jahr 2016. Eine Bilanz für 2017 und 2018 liegt dort nicht vor. Seit 2014 ist Rajko Kokot bei BM Geschäftsführer. Zuvor wurde eine Frau Brigitte Schiffer als Geschäftsführerin geführt.

Frau Müller, Rechtspflegerin am Amtsgericht Dorsten, hat auf „begründeten Antrag“ der Stadttochter EW am Donnerstagmorgen einen Aufschub gewährt: Am 29. November, 9 Uhr, gibt es erneut einen Verkündungstermin am Amtsgericht Dorsten. Man darf gespannt sein.

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