Zwei Dorstener stürmen mit ihrem Oldtimer den Gipfel

Großglockner Grand Prix

1.300 Meter Höhenunterschied, keine Leitplankensicherung: Die Dorstener Dr. Jan Bernd Böckenförde und Manfred Hürland waren froh, es mit ihrem MG TC Baujahr 47 beim Großglockner Grand Prix ins Ziel in 2.394 Meter Höhe geschafft zu haben. Denn ihr MG PA 35, mit dem sie ursprünglich starten wollten, hatte am Tag zuvor eine Panne.

DORSTEN

24.09.2012, 16:49 Uhr / Lesedauer: 3 min
Die Dorstener Dr. Jan Bernd Böckenförde und Manfred Hürland haben am Wochenende mit ihrem MG TC Baujahr 47 beim Großglockner Grand Prix teilgenommen.

Die Dorstener Dr. Jan Bernd Böckenförde und Manfred Hürland haben am Wochenende mit ihrem MG TC Baujahr 47 beim Großglockner Grand Prix teilgenommen.

15 Kilometer, 1300 Meter Höhenunterschied, 14 Kehren - keine Frage, da musste es nach vielen Jahren wieder ein Revival der Vorkriegsfahrzeuge geben, und das mit prominenter Beteiligung, darunter Jochen Maas für Mercedes mit dem Original-Siegerwagen vom Rennen 1939. Hans Herman hat mit dem legendären Silberpfeil W 124 damals die Siegerzeit mit 10.07 Minuten hingelegt. Jochen Maas hat das in diesem Jahr unterboten, aber auch das Team Hürland/Dr. Böckenförde hatte mit 17.55 eine gute Zeit gefahren.

Die Strecke war damals eine gefährliche Mischung aus Kopfsteinpflaster, Sand und Schotter und das mit einem Formel Rennwagen mit Kompressoraufladung und 280 Pferdestärken. Dagegen könnte das Befahren der legendären Rennstrecke heute mit modernem Asphaltbelag eigentlich eine Spazierfahrt sein. Wären da nicht die 92 Kurven zum Teil unübersichtlich und ohne Leitplankensicherung.

Es sollte der erste Renneinsatz des MG PA Baujahr 35 werden. Zuvor wurde der Oldtimer über Jahre hinweg und aus eigener Hand restauriert. Ein Großteil der Arbeit erledigte Manfred Hürland mit Unterstützung seiner Frau Gabriele selbst. Jahrelang wurde bis ins kleinste Detail der Vorkriegsrennwagen wieder original hergestellt. Doch das Abenteuer Groß-Glockner-GP fing für Manfred Hürland und Dr. Jan Bernd Böckenfelde deprimierend an. Die Feinabstimmung von Fahrwerk und Motor sollte einige Tage vor dem Rennen nach den ersten Probefahrten am Gross-Glockner erledigt werden.

Der P-Type wollte jedoch nicht so wie seine beiden engagierten Piloten: Aus in der Kehre elf mit einem kapitalen Getriebeschaden. Das Auto musste getauscht werden. Der MG wurde in den Trailer geladen, eine lange Fahrt durch die Nacht nach Dorsten, MG abladen, ein MG TC wurde aufgeladen und wieder hin zum Großglockner. Gut eingefahren sollte das TC Modell von 1947 kein Problem für das Bergrennen in Zell am See sein. Hat er doch Manfred Hürland gerade 3.800 Kilometer durch Skandinavien gefahren und auf den endlosen Serpentinen fühlte sich der TC wohl.

Für das Team begann nun das eigentliche Training. Fairerweise werden nur Stoppuhren für das Einhalten der Gleichmäßigkeit genutzt. „Der Beifahrer hat eigentlich den wichtigen Part im Team“, so Manfred Hürland über seinen Copiloten Dr. Jan Bernd Böckenförde. Der kennt sich gut mit Mathe aus und bestimmt das Tempo. Ziel ist eben nicht beim Groß-Glockner Revival die schnellste Zeit zu fahren, sondern die Befahrung mit möglichst gleichen Zeiten, wobei die Zeit der Erstrunde in den weiteren zwei Auffahrten erreicht werden muss.

Eine faire Geschichte, starten doch schwachmotorisierte Fahrzeuge wie ein Morgan Threewheeler und die einfachen MGs zusammen mit reinen Rennwagen wie Bugattis, Rileys, Veritas oder gar dem Silberpfeil von 1935. Jochen Maas blieb dann auch locker unter zehn Minuten, wie auch Hans Hermann auf dem legendären Porsche 550 Spyder, mit dem er die Panamericana gewann.

Das die starkmotorisierten Rennwagen nicht automatisch im Vorteil sind mussten Peter Kraus und auch Klaus Wildbolz erfahren, beide schieden schon beim Training aus. Der SS 100 Jaguar vom Alt-Rock’n-Roller Peter Kraus beendete das erste Training kurzfristig auf drei Rädern. Bei allem Enthusiasmus und aller Rennsportbegeisterung, hier können gerade die kleinen Fahrzeuge, wie die einfachen MGs gut mithalten. Geschwindigkeit ist nicht alles und die Sympathien der zahllosen Fans sind ihnen ohnehin sicher. So wurde der kleine TC aus Dorsten stürmisch am Ziel auf dem Fuscher Törl in 2.394 Meter Höhe begrüßt.

„Der Pokal ist uns nicht so wichtig, dabei sein ist alles“, so Dr. Böckenförde. Aber Pokale gab es dann doch noch: Große Freude, als das Begleitteam den beiden Groß-Glocknerpiloten Hürland/Böckenförde Pokale aus dem privaten Gepäck zauberten. Rennfahrer der Herzen eben.

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