Was darfs sein? Lena Prinz bedient seit September die Kunden in ihrer Bäckerei © Benjamin Trilling
Bäckerei in Dortmund

Alles glutenfrei: Bäckerei bringt Berliner Flair ins Kreuzviertel

Für Menschen, die unter Glutenunverträglichkeit leiden, ist der Name dieser neuen Adresse im Kreuzviertel Programm: "Bekömmlich“. Die Motive der Betreiberin waren auch persönlich.

Brot ohne Gluten? Das war für Lena Prinz immer schwer erhältlich in Dortmund. Jetzt hat sie gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten Niklas Geerkens einen eigenen Backwarenladen eröffnet. Die Bäckerei im Kreuzviertel versorgt alle, die an einer Glutenunverträglichkeit leiden. Das Angebot reicht von Brot und Brötchen bis zu Kuchen, es gibt aber auch Nudeln.

Gluten, auch Klebereiweiß genannt, ist eine Bezeichnung für Proteine, die in Weizen stecken. Wer diese nicht verträgt, beklagt Verdauungsstörungen. Das kann in schlimmen Fällen zu einer entzündlichen Darmerkrankung führen. Lena Prinz leidet selbst seit sieben Jahren unter einer Unverträglichkeit. „Es ist eine Krankheit, die einen sehr einschränkt“, erzählt sie. „Gerade für Kinder ist es schwer, wenn sie es nicht ertragen.“

Mangelware in den hiesigen Märkten

Doch in Dortmund seien glutenfreie Produkte noch immer schwer in den Supermarktregalen zu finden. Wer darauf angewiesen ist, müsse in Reformhäusern, in Biomärkten oder in Drogerien suchen. Die dort angebotenen Produkte seien jedoch „industriell gefertigt und abgepackt“, so Prinz.

Dabei erlebte sie schon in Berlin, wie es ist, aus der U-Bahn zu kommen und direkt in eine glutenfreie Bäckerei zu springen, in der es frische Snacks gibt. Vier Jahre hatte die gelernte Veranstaltungskauffrau in der Hauptstadt gelebt, bevor sie wieder nach Dortmund zurückkehrte.

Mit ihrem Lebensgefährten wohnte sie damals im Prenzlauer Berg. Im beliebten Viertel erhielt Prinz immer die Produkte, die sie verträgt. Dieses Lebensgefühl bringt sie nun ins Kreuzviertel: „Grundsätzlich haben wir uns von dieser Stadt inspirieren lassen. In dieser Bäckerei steckt also unser eigenes Berlin-Gefühl.“

Die Idee, eine Bäckerei zu eröffnen, reifte während des Lockdowns. Als Prinz aus dem Urlaub zurückkehrte, erfuhr sie von der Schließung eines Cafés und brachte sich als Nachmieterin ins Spiel: „Hätten wir das Ladenlokal nicht bekommen, hätten wir es nicht gemacht.“ Aber es klappte: Im April dieses Jahres begann die Renovierung. Seit September steht sie jeden Morgen um sechs Uhr hinterm Tresen, um die ersten Kunden zu bedienen.

Bereits Gluten-Restspuren führen zu Symptomen

Es gab jedoch eine kleine Hürde: Bäcker gehören zu den zulassungspflichtigen Handwerksberufen. Eine Ausbildung kann Prinz nicht nachweisen – gleichwohl sie jahrelang zu Hause den Teig in den Ofen schob. Die gebürtige Schwerterin vereinbarte daher eine Kooperation mit dem Familienbetrieb „Maisterei“, der das „Bekömmlich“ täglich mit glutenfreiem Teig beliefert. Ein Franchise sei ihr Laden jedoch nicht, wie sie ausdrücklich betont.

Ketten wie Malzers bieten zwar auch glutenfreie Produkte an. Aber es gebe einen Haken, so Prinz: „Alle Waren werden am Ende in den Ofen geschoben.“ Und wer an einer entzündlichen Darmerkrankung durch Gluten-Zufuhr, einer sogenannten Zöliakie, leidet, beklage bereits Symptome bei Restspuren aus dem Ofen. Prinz erzählt von einer Freundin, die penibel darauf achten muss, dass sie in ihrer Familienwohnung einen separaten Toaster nutzt.

Insgesamt sind ein Prozent der Bevölkerung von einer Glutenunverträglichkeit betroffen. Ist der Markt also groß genug für das „Bekömmlich“? Prinz geht von einer Dunkelziffer aus. Denn bei ihr wurde offiziell auch nichts diagnostiziert, wie sie erklärt: „Ich tauche auch nicht in der Statistik auf. Es sind deutlich mehr, die sich damit beschäftigen.“

Bisher fühlt sie sich bestätigt: Alleine in der Mittagsstunde treten drei Kunden ein, ein anderer verweilt auf ein Getränk im Laden. Sie zahlen zwar mehr als für Weizenprodukte. Aber, so Prinz: „Für diejenigen, die darauf angewiesen sind, sind die Preise ganz normal.“ Besonders freut sich Prinz über eine Kundin, die über Facebook auf ihren Laden gestoßen und dann vorbeigekommen sei. Extra aus Paderborn.