Blumen zum Valentinstag? Der ist am Sonntag, 14. Februar. © dpa
Harter Preiskampf

Blumenhändlerin aus Dortmund: So diktieren Supermärkte und Discounter die Preise

Wieso kosten Orchidee oder Amaryllis im Supermarkt halb so viel wie im Fachgeschäft? Eine Blumenhändlerin aus Dortmund gibt die Antwort. Und sagt auch, was sich durch Corona verändert hat.

Sie muss nur auf die andere Seite der Lindemannstraße gucken: „Netto hat die Orchidee für 4,99 Euro, habe ich vorhin noch gesehen.“

Ein Preis, den Ute Kersting nicht im entferntesten mitgehen kann. „Ich habe sie für 9,50 Euro einkaufen müssen.“ Klar: Das sei eine andere Qualität, das merke man in der Regel auch, wenn man die Blume längere Zeit in der Vase habe. „Aber erst einmal sehen Sie das dann der Pflanze nicht an.“

Discounter nutzten Lockdown-Verwirrung aus

Seit Jahrzehnten verkauft Kersting an der Ecke Lindemann-/Kreuzstraße in Dortmund Blumen, andere Pflanzen, Gestecke, passende Deko. So hart wie jetzt sei es aber noch nie gewesen.

Die nächste Geschichte, aus der Zeit kurz vor Weihnachten: Erst hatte es nach der Bund-Länder-Runde geheißen, auch die Blumenläden müssten geschlossen bleiben. Einen Tag später scherten NRW und zwei andere Bundesländer aus und erklärten: Doch, bei ihnen seien Blumenläden wie Supermärkte oder Apotheken ausgenommen.

Nur, so Ute Kersting, hätten da die großen Discounter- und Supermarkt-Ketten schon zugeschlagen gehabt: „Edeka, Lidl & Co. haben alle Amaryllis aufgekauft, den kompletten Bestand. Da war einfach nichts mehr übrig.“

Zudem: Da ja kaum mehr jemand als Abnehmer da war, hätten die Ketten den Preis extrem nach unten drücken können: „Auf 43 Cent pro Stück“, erinnert sich Kersting. „Und als wieder Amaryllis zu haben waren, musste ich sie für 3,80 Euro das Stück nehmen.“

Ute Kersting am Nashorn-Maskottchen vor ihrem Geschäft.
Ute Kersting am Nashorn-Maskottchen vor ihrem Geschäft. © Althoff © Althoff

Was zahlt der Kunde für Obst, Gemüse und Blumen?

Beim Kunden sei aber hängen geblieben: In den Fachgeschäften gibt es die typisch-adventlichen Blumen nicht. Oder – falls doch – extrem teuer.

„Bei Obst oder Gemüse ist der Kunde ja mittlerweile bereit, mehr zu zahlen“, weiß Kersting. Der bewusste Griff zu Bio oder Regionalem setze sich da durch.

Bei Blumen indes werde es immer schwieriger. Zumal selbst die Großhändler den Preisdruck spüren würden. Dass die Preise bei ihr und anderen kleinen Geschäften teils doppelt so hoch sind wie im Supermarkt – „das kann ich dem Verbraucher doch nicht wirklich vermitteln, wenn er vor mir steht und sich ärgert.“

Blumen sind „super-tröstend“ in der Corona-Zeit

Welche Qualität hat die Ware? Für Kersting fängt das im Einkauf an, mit Leidenschaft. „Spätestens 20 vor 4 Uhr muss ich losfahren, wenn ich nach Alsmeer will“. Dort – etwas südlich von Amsterdam – ist die Weltversteigerung.

„Man kann auch alles online bestellen, dann wird das geliefert“, und wenn man sich auskenne, könne man vom Anbieter auch die Qualität ableiten. Aber dort zu sein und mit eigenen Sinnen auszuwählen – das sei immer noch das Authentischste.

Immerhin: Einen kleinen positiven Trend hat Kersting ausgemacht zuletzt. Und der hat ausgerechnet mit Corona zu tun: „Man merkt, dass das Kulturgut Blume wieder einen größeren Stellenwert erreicht hat. Blumen sind super-tröstend, wenn die Menschen fast nur zuhause sitzen.“

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Jahrgang 1977 - wie Punkrock. Gebürtiger Sauerländer. Geborener Dortmunder. Unterm Strich also Westfale.
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Björn Althoff