Das Ehepaar Konze fühlt sich wohl in seiner Umgebung. © Oliver Schaper
Wohnen in Dortmund

Erstmieter vor 45 Jahren: Haus-Umbau ermöglicht Dortmunder Ehepaar zu bleiben

Seit 1976 wohnt ein Dortmunder Ehepaar in seiner Wohnung. Hier haben sie gearbeitet und ihre Kinder großgezogen. Das wurde alles durch einen Zufall möglich.

Über 82 Quadratmeter, verteilt auf dreieinhalb Zimmer plus Balkon und Abstellkammer in der zweiten Etage, erstreckt sich das Reich des Ehepaars Konze in der Dortmunder Gartenstadt. Sie sind die ersten Mieter ihrer Wohnung, hier wohnen sie seit 1976 – und wollen daran auch nichts ändern. Ein großer Umbau vereinfacht dem Ehepaar nun den Alltag im fortgeschrittenen Alter.

Nur durch Zufall hatte Dieter Konze die Wohnung in der Leinbergerstraße vor mehr als 45 Jahren ausfindig gemacht. Da stand das Haus noch nicht. „Ich bin hier mit dem Auto durchgefahren und habe die Ausschreibung am Straßenschild gesehen“, berichtet der heute 82-Jährige. „Da waren die noch am Ausschachten.“

Von 1963 bis 1973 hatte er mit seiner Frau Helga (82) und den beiden Zwillingskindern (heute 58) noch in Benninghofen gewohnt. Doch als die Kinder größer wurden und ans Goethe-Gymnasium wechselten, sollte eine neue Bleibe her.

Erstmieter ohne Haustür im Jahr 1976

Am 16. Dezember 1976 konnten die Konzes als Erstmieter in die neugebaute Wohnung bei der Dortmunder Gemeinnützigen Wohnungsgesellschaft (DGW, Vorgänger der Dogewo21) einziehen. „Als wir eingezogen sind, da war vorne noch keine Haustür drin und der Eingang nur mit Holz versehen und verschlossen“, erinnert sich Dieter Konze.

Und auch heute, mehr als 44 Jahre nach dem Einzug, fühlt sich das Ehepaar Konze wohl. „Die Wohnung ist schön übersichtlich, die Aufteilung hat uns schon im Rohbau gut gefallen“, sagt Dieter Konze. „Wir haben ein schönes großes Wohnzimmer, eine Küche, das frühere Kinderzimmer, da haben wir jetzt ein Esszimmer raus gemacht, und das Schlafzimmer natürlich.“

Vom Balkon aus schweift der Blick über grüne Gärten, unter dem Balkon befinden sich Tiefgaragen für die Autos der Hausbewohner. Schön und praktisch – das sorgt für Lebensqualität. Dass diese für die Bewohner auch mit fortschreitendem Alter nicht sinkt, dafür soll der große Umbau sorgen, den die Dogewo veranlasst hat.

Wohnungen sind jetzt alle ebenerdig erreichbar

Alle Wohnungen des Wohnhauses sind nun ebenerdig erreichbar. Von den Parkplätzen neben dem Haus aus wurde ein neuer, flacher Weg zur Haustür angelegt, wodurch die Mieter nicht mehr die Treppe von der Straße zum Eingang nehmen müssen.

Von den Parkplätzen aus führt ein neuer Zugang zum Hauseingang. Die Treppenstufen von der Straße herunter (rechts im Bild) müssen die Bewohner nicht mehr nutzen.
Von den Parkplätzen aus führt ein neuer Zugang zum Hauseingang. Die Treppenstufen von der Straße herunter (rechts im Bild) müssen die Bewohner nicht mehr nutzen. © Oliver Schaper © Oliver Schaper

Der Aufzug ist ebenfalls erneuert worden. „Wir hatten früher keine Etage Parterre, wo der Aufzug hielt. Da musste man erst in den Keller runter, um einzusteigen“, sagt Dieter Konze. Doch die Wand im Treppenhaus, an der zuvor noch die Briefkästen der Bewohner hingen, erhielt einen Durchbruch. Nun gehen die Mieter von der Eingangstür aus auf den Aufzug zu.

Lange hat Dieter Konze selbst im Haus Hand angelegt. Hauptberuflich arbeitete er mehr als 40 Jahre lang in der Beleuchtungsabteilung im Theater. Nur eine Woche nach dem Einzug fragte ihn der Bauleiter im Dezember 1976, ob er nicht zusätzlich als Haus- und Aufzugswart für seinen Vermieter tätig werden wolle.

Ein „großer Zugewinn“ für die Bewohner

„Der ebenerdige Zugang ist ein großer Zugewinn“, sagt Dieter Konze. „Schon alleine beim Einkaufen.“ Schwere Einkäufe müssen seine Frau und er nun nicht mehr Treppen hoch- oder heruntertragen. „Das ist sehr praktisch und für viele hier war das eine sehr gute Idee“, lobt der 82-Jährige.

Doch warum hat der Vermieter diesen umfangreichen Umbau überhaupt in Angriff genommen? Dogewo21 erklärt: „ In einer langfristigen Planung betrachten wir unseren Gesamtbestand und wo immer möglich, setzen wir Maßnahmen zur Barrierearmut oder Barrierefreiheit um.“

Dieter und Helga Konze wollen noch lange in der Wohnung bleiben. „Wir haben vier Enkelkinder und jetzt bekommt eine Enkelin Nachwuchs. Da bekommen wir im Juni eine Urenkelin“, erzählt Dieter Konze freudig. Auch die nächste Generation möchten die Eheleute Konze in der Leinbergerstraße empfangen.

Über den Autor
Gebürtiger Dortmunder mit viel Liebe für den großen und kleinen Sport: Hauptsache, es rollt, tickt oder geht ordentlich vorwärts. Ob im Fernsehen, am Spielfeldrand oder selbst mit Ball und Rad unterwegs. Seit 2014 für Lensing Media im Einsatz, erst in Freier Mitarbeit, nun als Volontär.
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Hendrik Nachtigäller