„Keine Zufahrt Viktoriastraße“ steht an der Kreuzung Kleppingstraße/Olpe. Wie am Ostwall sind die Baustellen dort für die Gewerbetreibenden ein Problem. © Lukas Wittland
Dortmunder Innenstadt

Geschäfte von Baustellen umringt: „Es kommt kaum noch jemand“

Nicht nur am Ostwall belasten die Baustellen die Gewerbetreibenden. Auch an der Viktoria- und Kleppingstraße bereiten sie ihnen Probleme. Ihre Geschäfte sind fast komplett eingebaut.

Lautes Hupen ertönt auf der unteren Kleppingstraße. Ein Autofahrer versucht, sein Fahrzeug aus einer Parklücke zu manövrieren. Die Fahrbahn ist wegen der Baustelle an der Viktoriastraße verengt. Hinter und vor dem ausparkenden Auto warten weitere. Es ist ein Nadelöhr. Die Stimmung ist schlecht. Erst nach ein paar Minuten löst sich die Szene auf.

Baken sperren die Viktoriastraße ab. Auch für Fußgänger sei das nicht attraktiv, glauben die Gewerbetreibenden. Ihnen fehle die Laufkundschaft.
Baken sperren die Viktoriastraße ab. Auch für Fußgänger sei das nicht attraktiv, glauben die Gewerbetreibenden. Ihnen fehle die Laufkundschaft. © Lukas Wittland © Lukas Wittland

„Das beobachte ich hier immer wieder“, sagt Irmgard Untiedt-Sawall. Sie ist Inhaberin des Modehauses Sawall an der Kleppingstraße. Dass an der Viktoriastraße gebaut wird, spürt aber auch sie. „Es kommt kaum noch jemand die Kleppingstraße herunter, weil man von oben schon die Baustellen sieht“, sagt sie. Die, die herunterfahren, stellen fest, dass es unten nicht weitergeht.

Irmgard Untiedt-Sawall lacht auf dem Foto. Doch eigentlich ist ihr dazu nicht zumute. Die Baustellen träfen ihr Geschäft nach dem Lockdown doppelt hart, sagt sie.
Irmgard Untiedt-Sawall lacht auf dem Foto. Doch eigentlich ist ihr dazu nicht zumute. Die Baustellen träfen ihr Geschäft nach dem Lockdown doppelt hart, sagt sie. © Lukas Wittland © Lukas Wittland

Fernwärmeleitungen werden verlegt

Hier verlegt DEW21 wie auch am Ostwall Fernwärmeleitungen. Und wie auch am Ostwall ist das nach langen Corona-Lockdowns ein Problem für Gewerbetreibende. Die Baustellen würden sie nun doppelt hart treffen, sagt Sawall. Viele ihrer Kunden kämen aus dem Sauerland oder kamen es zumindest. „Es spricht sich auch dort herum, wie die Situation in Dortmund ist. Die Leute wollen gar nicht mehr hierher fahren“, sagt Untiedt-Sawall.

Sie sorgt sich um das Weihnachtsgeschäft. Immerhin das sei nicht in Gefahr, teilt DEW21 auf Anfrage dieser Redaktion mit. Die Arbeiten sollen inklusive Oberflächenwiederherstellung Ende Oktober abgeschlossen sein.

Zu Verzögerungen sei es gekommen, weil man neben archäologischen Funden auch auf viele unbekannte Leitungen und Hindernisse im Erdreich gestoßen ist. „Auch das Verkehrskonzept musste entsprechend mit den vielen Baumaßnahmen im Umfeld koordiniert werden, weswegen wir auch hier in engem Austausch mit der Stadt Dortmund standen“, teilt DEW-Sprecherin Jana-Larissa Marx mit.

Schreiben erreichen Gewerbetreibende nicht

An der Koordinierung der Baustellen und der Kommunikation haben die Gewerbetreibenden auf der Viktoriastraße aber Kritik.

Laut DEW seien während des gesamten Baus sieben Anschreiben an der Viktoriastraße verteilt worden. Zuletzt seien Anwohner Mitte September über Nachtarbeiten im Kreuzungsbereich zwischen Viktoriastraße und Rosental informiert worden.

Auf diesen Anschreiben stünden die Kontaktdaten des Projektteams und der Zeitplan für den jeweiligen Bauabschnitt. „Darüber hinaus hat es keine explizite Kommunikation bezüglich der Verzögerung des Gesamt-Projektabschlusses gegeben“, teilt Marx mit.

Das Problem ist: Die Gewerbetreibenden haben die Anschreiben nicht erreicht, sagen sie. Er habe nur einen Flyer zu Beginn des Bauprojekts bekommen, sagt Robert Brehm, danach hätte es für sein Geschäft keine Informationen mehr bekommen. Mit seiner Frau Annekathrin betreibt Brehm das Einrichtungsgeschäft „Neue Bude“ an der Viktoriastraße.

Robert Brehm ärgert sich über die Baustellen vor seiner Tür und die fehlenden Informationen.
Robert Brehm ärgert sich über die Baustellen vor seiner Tür und die fehlenden Informationen. © Lukas Wittland © Lukas Wittland

„Wir sitzen am kürzeren Hebel“

Sein Geschäft ist praktisch umringt von Baustellen. Auch die Baustellen am Ostwall machen sich hier bemerkbar. Ihretwegen ist die Viktoriastraße auch vom Wall aus nicht mehr befahrbar. Mit dem Auto können Kunden und Zulieferer seinen Laden aktuell nur über das Rosental erreichen.

Es sei nicht attraktiv für die Menschen, in der Viktoriastraße einzukaufen. „Sie wissen nicht, wie sie in die Straße hineinfahren können und auch nicht, wie sie wieder herauskommen.“ Dasselbe Problem hat Friso Siliakus. Er ist Inhaber von „Das Blumenhaus“ zwei Läden weiter.

Friso Siliakus bemängelt, dass durch die vielen Baustellen, die Anlieferung für sein Geschäft schwieriger geworden sei.
Friso Siliakus bemängelt, dass durch die vielen Baustellen die Anlieferung für sein Geschäft schwieriger geworden sei. © Lukas Wittland © Lukas Wittland

Auch er habe nur einen Flyer bekommen, sagt er. Wann welcher Bereich gesperrt wird, sei ihm nicht mehr mitgeteilt worden. „Ich wünsche mir, dass einfach mal etwas fertig wird und nicht überall nur gebuddelt wird. Dass jetzt praktisch vier Seiten geschlossen sind, ist wirklich schwierig“, sagt Siliakus.

Die Baustellen haben Einfluss auf seinen Umsatz. Das merkt auch Brehm: „Man trägt es auf dem Rücken der Einzelhändler in dieser Straße aus. Wir sitzen am kürzeren Hebel“, sagt er resigniert.

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Als gebürtiger Dortmunder bin ich großer Fan der ehrlich-direkten Ruhrpott-Mentalität. Nach meinem journalistischen Start in der Dortmunder Stadtredaktion, schreibe ich mich gerade als Volontär durch die Redaktionen in der Region.
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Lukas Wittland