In einer Facebook-Gruppe diskutieren Dortmunder über angeblich hakenkreuz-ähnliche Verzierungen an der Fassade eines Gebäudes auf dem Westenhellweg. © Nick Kaspers
Mysteriöse Symbole

Hakenkreuze am Westenhellweg? Vermeintliche Nazi-Deko sorgt für Aufregung

An der Wand eines Gebäudes auf dem Westenhellweg sind Symbole zu sehen, die Hakenkreuzen ähneln sollen. Im Internet ist eine aufgeregte Diskussion entbrannt. Was hinter den Symbolen steckt.

„Wer weiß Näheres über diese Fassadengestaltung am Westenhellweg?“, fragt ein Nutzer am Dienstag (27.7.) in der Facebook-Gruppe „Dortmund Alte Fotografien“. Die Frage ist mit einem schreienden, erschrockenem Emoji versehen.

Das dazugehörige Bild zeigt das Gebäude an der Ecke Westenhellweg/Lühringhof. An der Fassade des zweiten und dritten Stocks sind Symbole in vermeintlicher Hakenkreuz-Form zu sehen.

Die Symbole sind an der Fassade des Gebäudes an der Ecke Westenhellweg/Lühringhof von der Straße aus zu sehen. © Nick Kaspers © Nick Kaspers

Unterschiedliche Reaktionen

Bis zum Nachmittag antworteten über 50 Nutzer auf die Frage. Viele unterstellen dem Fragenden, er erkenne Nazi-Symbolik, die keine sei – und wolle sie zu Unrecht anprangern. Bei den Symbolen handele es sich um Kunst, nicht um NS-Werbung.

„Oh je. Hauptsache, du kannst ein Drama anstoßen“, schreibt ein Nutzer. Ein weiterer antwortet: „Wenn ich suche, dann finde ich“. Andere reagieren gelassen, wie zum Beispiel eine Nutzerin: „Unsere Nachbarn haben das gleiche Muster rund um ihre Fußmatte. Sieht mit den richtigen Fliesen fast hübsch aus.“

Die vermeintlich Hakenkreuz-ähnlichen Symbole sind auch noch an anderen Orten in der Stadt zu finden, zum Beispiel an der Fassade des Volksbads. Bereits zu einem früheren Zeitpunkt hatte Stadt-Sprecherin Katrin Pinetzki unserer Redaktion erklärt, was es mit den Verzierungen an der Volksbadanlage auf sich habe. Diese Erklärung sei noch gültig und übertragbar auf die Symbole an anderen Gebäuden in Dortmund.

Altes Kultur-Symbol

Bei den Symbolen handele es sich um „Swastika“ – ein Zeichen, das keine einheitliche Funktion besitzt. Pinetzki verweist auf einen Wikipedia-Artikel, in dem steht, dass Swastika im Hinduismus, Jainismus und Buddhismus „bis heute als religiöses Glückssymbol verwendet“ würden. Das älteste nachgewiesene derartige Zeichen stamme von etwa 10.000 v. Chr.

Viele Architekten hätten die Symbole in die Gebäudegestaltung aufgenommen, als es seit etwa 1900 als Glückszeichen weltweit beliebt geworden sei. Dazu zähle auch der Architekt des Volksbads, Hans Strobel.

Kein Bezug zum Nationalsozialismus gehabt

Der Direktor des Stadtarchivs, Dr. Stefan Mühlhofer, sei sich sicher, dass Strobel „mit der Wahl dieser Formen keine Werbung für die NSDAP machen wollte.“ Als das Bad 1924 geplant wurde, sei die NSDAP zumal noch eine Kleinpartei gewesen. Einen Bezug zum Nationalsozialismus erkennt er also nicht.

So sieht es auch der städtische Denkmalpfleger Michael Holtkötter. Man könne aus der Verzierung des Gebäudes am Westenhellweg ein Hakenkreuz herauslesen, „muss dem aber nicht gleich eine politische Willensbekundung unterstellen.“ Er kenne außer dem nun für Aufregung sorgenden Gebäude und dem oben erwähnten Volksbad noch ein weiteres Haus mit Swastika-Kunst in Dortmund. Auch das sei 1927 gebaut worden.

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
2000 in Heinsberg geboren, seit 2020 als freier Mitarbeiter bei den Ruhr Nachrichten. Ich studiere Journalistik und Politikwissenschaft in Dortmund. Mit 16 Jahren habe ich meine ersten Erfahrungen im Lokaljournalismus gemacht - und dort fühle ich mich zuhause.
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Nick Kaspers