Brücke Lange Straße

Lkw im Kreuzviertel: Für Anwohner könnte es bald noch schlimmer werden

Der Lkw-Verkehr, verursacht durch das Werk TKS Rothe Erde, nervt Anwohner im Kreuzviertel seit Jahren. Hilfe ist nicht in Sicht. Im Gegenteil: Die Bürger müssen sich sogar auf Schlimmeres einstellen.

Jutta Falk hätte sich bessere Nachrichten gewünscht. Sie ist Mitglied der Anwohnerinitiative Kreuzstraße/Kuithanstraße, die sich seit Langem gegen den Lkw-Verkehr vom und zum Werk thyssenkrupp Rothe Erde wehrt. Der führt mitten durch die Wohngebiete, seit die Brücke oberhalb der DB-Trasse an der Lange Straße für bestimmte Lkw gesperrt ist.

Nach zahlreichen Untersuchungen unter anderem am Spannbeton steht fest: Die Brücke muss abgetragen und neu gebaut werden. Problem dabei: Der Neubau wird erst 2029 fertig. Frühestens, wie Jutta Falk am Mittwoch (1.9.) in der Sitzung der Bezirksvertretung Innenstadt-West mit Entsetzen hörte.

Die Planung könne in der 2. Hälfte 2022 starten. 2024, so die Vorstellung der Verwaltung, folgt die Abstimmung mit der DB Netz über die notwendigen Sperrzeiten der darunter liegenden Gleise.

Läuft alles planmäßig, soll 2027 gebaut und die Brücke 2029 für den Verkehr freigegeben werden. Kosten: rund 2,8 Millionen Euro. „Viel zu spät“, winkt Jutta Falk ab.

Zeitplan irritiert auch die Politiker vor Ort

Sie erinnert an eine Ankündigung von Ex-OB Ullrich Sierau aus Oktober 2020: „Damals ist uns zugesagt worden, dass der Neubau ganz oben auf die Prioritätenliste gesetzt wird“, so Falk.

„Zumal die unerträgliche Situation bald vier Jahre besteht.“ Baudezernent Arnulf Rybicki sei ausdrücklich angewiesen worden, die Vorgabe umzusetzen, sagt Falk. Davon war in der jüngsten Sitzung der Bezirksvertretung allerdings keine Rede.

Fertigstellung frühestens 2029? Eine Zeitschiene, die auch die Vor-Ort-Politiker irritierte. Es solle ja eigentlich um eine Beschleunigung der Maßnahme gehen. „Dazu haben wir bislang aber nichts gehört“, merkte Vize-Bezirksbürgermeister Ralf Stoltze (SPD) an.

In die gleiche Kerbe schlug Grünen-Fraktionschefin Astrid Cramer: Warum die Planung für eine Brücke fünf Jahre dauere? Gerhard Kappert, Bereichsleiter im städtischen Tiefbauamt, verwies auf die Abstimmungen mit der DB – und auf die personellen Kapazitäten im Tiefbauamt. „Wir haben wir gewaltige Personalprobleme“, sagte Kappert.

Tiefbauamt: Brücke kann auch komplett gesperrt werden

Probleme sehen auch die Anwohner von Kreuzstraße und Neuer Graben auf sich zukommen – und zwar weit größere als bisher. Um die Traglast der Brücke nicht auf die Probe zu stellen, ist sie aktuell nur einspurig befahrbar, der Verkehr wird durch eine Ampel geregelt. Genutzt werden darf sie nur von Lkw mit einem Gewicht bis zu höchstens18 Tonnen.

Dagegen komme es immer wieder zu Verstößen, hat die Verwaltung festgestellt – und droht nun damit, das zulässige Gewicht auf 12 Tonnen herabzusetzen. Schlimmer noch: Werden die Spielregeln durch Lkw-Fahrer auf dem Weg von und zu Rothe Erde weiter verletzt, werde das Tiefbauamt „die Brücke unter Umständen für den Lkw-Verkehr komplett sperren“, heißt es im Beschlusspapier der Verwaltung für den Rat der Stadt.

Für die Bewohner von Kuithanstraße, Kreuzstraße und Neuer Graben würde das Fass endgültig überlaufen: Sie müssten damit rechnen, dass nahezu der gesamte Lkw-Verkehr von Rothe Erde durch ihr Quartier führt. „Dabei ist die Grenze des Zumutbaren bereits heute überschritten“, sagt Jutta Falk von der Anwohnerinitiative.

Schulbauten: Jetzt kommt noch Baustellen-Verkehr dazu

Und es könnte noch dicker kommen, wie Baudezernent Rybicki gegenüber den Bezirksvertretern ausführte. Durch die anstehenden Um- und Neubauvorhaben an der Kreuz-Grundschule wird das Verkehrsaufkommen noch einmal steigern. „Es werden hunderte schwerer Lkw erforderlich, um allein die Schuttmengen zu beseitigen“, fürchtet Anwohnerin Falk.

Zudem plant DSW21 eine weitere Buslinie („Innovationslinie 400“), die ab 2024 im Zehn-Minuten-Takt durchs Quartier fahren solle. Jutta Falk ahnt Böses: „Dann kreuzen sich hier Schulkinder, Baufahrzeuge, Schul- und Linienbusse, Elterntaxis, Individualverkehr, Radfahrer und die Lkw von Rothe Erde“, zählt sie auf. Ihre Voraussage: „Die Belastung der Kreuzstraße wird einen Punkt erreichen, an dem nichts mehr geht.“

Viel Hoffnung auf Entlastung konnte Baudezernent Rybicki nicht machen. „Ich kann Ihnen nicht versprechen, dass die Maßnahmen ohne zusätzlichen Verkehr ablaufen“, sagte Rybicki in der Bezirksvertretung mit Blick auf die Schulbaumaßnahmen.

Rothe Erde will Verkehrskonzept präsentieren

Und die Brücke an der Lange Straße? Die Anwohner im Kreuzviertel machen weiter Druck für einen zügigen Neubau, über den der Lkw-Verkehr von Rothe Erde abgewickelt werden kann.

Ihre Forderung steht zwar weiter im Raum – ob sie realisiert wird, ist fraglicher denn je. Ihre Hoffnung ruht nun auf ein Verkehrskonzept, das Rothe Erde in der kommenden Sitzung im Oktober vorstellen wolle, wie es in der Bezirksvertretung hieß.

Gerhad Kappert (Tiefbauamt) hatte zumindest ein kleines Trostpflaster für die Anwohner parat: Ab 20. September, so kündigte Kappert an, sollen die Straßenschäden an der Kuithanstraße behoben werden. Damit die Lkw bei Leerfahrten weniger Geräusche produzieren.

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Freier Mitarbeiter
Jahrgang 1961, Dortmunder. Nach dem Jura-Studium an der Bochumer Ruhr-Uni fliegender Wechsel in den Journalismus. Berichtet seit mehr als 20 Jahren über das Geschehen in Dortmunds Politik, Verwaltung und Kommunalwirtschaft.
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