So könnte der Neue Graben in Zukunft mal aussehen: mit Grünflächen und kaum Autos. © EGLV/MUST
Forschungsprojekt

Mehr Grün, kaum Autos: So könnte das Kreuzviertel in Zukunft aussehen

Eine Simulation von Forschern zeigt, welche Veränderungen sich Anwohner und Nutzer des Neuen Grabens im Kreuzviertel für die Zukunft wünschen würden. Und diese Wünsche könnten Realität werden.

Wie müssen sich Innenstädte verändern, um zukünftig mithalten zu können? Bei Themen wie Verkehrswende, Klimawandel und Aufenthaltsqualität? Ein vom NRW-Umweltministerium in Auftrag gegebenes Forschungsprojekt des Wuppertal Instituts und der Emschergenossenschaft will genau das erforschen. Dazu hat sich das Forscherteam um Projektleiter Dr. Steven März unter anderem die Straße Neuer Graben im Dortmunder Kreuzviertel angeschaut.

Veränderung funktioniert in anderen Städten bereits

In einer Umfrage im Dezember 2020 wurden Anwohner und Nutzer der Straße gefragt, was sie sich wünschen. Dabei stachen drei Wünsche besonders hervor: Bessere Möglichkeiten für Fußgänger und Radfahrer, bessere Parkmöglichkeiten, mehr Grün und Orte zum Verweilen.

Anhand dieser Wünsche hat das Forschungsprojekt sogenannte Zukunftsbilder – Foto-Montagen – erstellt. Und der Unterschied ist wie Tag und Nacht: Keine parkenden Autos mehr, aber dafür ganz viele Bäume und Pflanzen, Sitzmöglichkeiten und ein Bereich, den sich Fußgänger, Fahrradfahrer und Autos teilen.

So sieht der Neue Graben aktuell aus.
So sieht der Neue Graben aktuell aus. © EGLV/MUST © EGLV/MUST

Das klingt erstmal utopisch, aber es gibt schon genügend Beispiele in anderen Städten, wo so eine Veränderung gut funktioniert hat. In Kopenhagen gibt es ein ganzes klimaangepasstes Viertel mit deutlich weniger Straßenverkehr, in Wien gibt es die „coolen Straßen“, die ähnlich wie die Zukunftsbilder vom Neuen Graben aussehen.

Corona zeigt, wie wichtig Aufenthaltsqualität vor Ort ist

„Gerade durch Corona hat sich gezeigt, wie wichtig eine hohe Aufenthaltsqualität vor Ort ist“, so Dr. Steven März. Um diese zu erreichen, müsse sich etwas verändern.

Dazu gehöre eben auch der Klima-Aspekt. Bäume und Sträucher sollen gerade im Sommer den Neuen Graben abkühlen. Dafür braucht es aber Platz, der aktuell nicht da ist.

Deshalb sollen die Autos weniger werden, denn „der öffentliche Raum ist zu wertvoll, um ihn mit Blech und Aluminium zuzuparken“, findet März. Statt Parkplätzen soll es dann Fahrradstraßen oder einen „Share Space“ für Fußgänger, Fahrräder und Autos geben.

Ein Schritt, der auch für die Verkehrswende wichtig ist. Laut März müssen Städte zukünftig mehr auf andere Möglichkeiten setzen. Und wenn Auto, dann Car-Sharing oder „on demand“, also leihen.

Ein weiterer Vorschlag, wie der Neue Graben aussehen könnte.
Ein weiterer Vorschlag, wie der Neue Graben aussehen könnte. © EGLV/MUST © EGLV/MUST

Autos mit Verbrennungsmotoren einfach nur durch elektrische Autos zu ersetzen sei nämlich nicht zukunftsfähig, so März. Sie nehmen trotzdem Platz weg, Lärm bleibt und Feinstaub gibt es durch Reifenabrieb trotzdem noch.

2022 entscheidet die Politik, wie es weiter geht

Aber wo bleiben in Zukunft die Autos? „Bei der ersten Umfrage hat knapp ein Viertel der Befragten angegeben, dass sie gar kein Auto besitzen“, so März. Und von denen, die eins besitzen, würden 40 Prozent es nur einmal pro Woche benutzen. Das hätten auch Eindrücke der Forscher vor Ort bestätigt: Mehr Fußgänger und Fahrräder als fahrende Pkw, dafür viele parkende Autos.

Nun will das Forscherteam in einer zweiten Umfrage die Anwohner fragen, wie sie die Zukunftsbilder finden. Und ganz konkret, welche Parkmöglichkeiten sie eigentlich brauchen. Die Forscher bringen unter anderem die Idee einer „Quartiersgarage“ ein, für die aber noch ein Standort gefunden werden müsste.

Die Forscher wollen testweise im Sommer den Neuen Graben absperren, um den Anwohnern zu zeigen was möglich ist – mit dem Liegestuhl mitten auf der Straße sonnen zum Beispiel.

Anfang 2022 soll das Forschungsprojekt beendet sein. Das Wunschergebnis: Eine Entwurfsvorlage mit Finanzierungsplänen, die der Politik vorgelegt werden kann.

Umfrage für Anwohner

Dortmunderinnen und Dortmunder, die am Neuen Graben wohnen, können hier an der Umfrage teilnehmen.

Über den Autor
Reporter
1990 im Emsland geboren und dort aufgewachsen. Zum Studium nach Dortmund gezogen. Seit 2019 bei den Ruhr Nachrichten. Findet gerade in Zeiten von Fake News intensiv recherchierten Journalismus wichtig. Schreibt am liebsten über Soziales, Politik, Musik, Menschen und ihre Geschichten.
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Robin Albers