Passanten auf der Münsterstraße in der Nordstadt zu Beginn der zweiten Corona-Welle im Herbst 2020 © Oliver Schaper (Archivbild)
Neue Auswertung

Nordstadt hatte in der vierten Welle so viele Corona-Fälle wie noch nie

Die Nordstadt ist schon lange der größte Corona-Hotspot Dortmunds. Doch so viele neue Fälle wie zuletzt gab es noch nie im Stadtteil - und das, obwohl die vierte Welle kleiner war als vorige.

Einmal pro Monat gibt die Stadt einen genaueren Einblick in Dortmunds Infektionsgeschehen. Immer rund um die Monatsmitte veröffentlicht sie die Neuinfektionen der vorangegangenen vier Wochen in den Stadtbezirken.

Bei der Auswertung der jüngsten Zahlen kam Erstaunliches zutage: Zwischen Mitte August und Mitte September haben sich 907 Nordstädter nachweislich mit dem Coronavirus infiziert – so viele wie noch nie seit Beginn der Pandemie.

Zwar fiel in den Auswertungszeitraum der Höhepunkt der vierten Corona-Welle. Doch eigentlich hat diese Infektionswelle Dortmund bei Weitem nicht so schwer getroffen wie vorherige.

Am schlimmsten war es zwischen Mitte Oktober und Mitte November 2020, als sich über 4500 Dortmunder mit Covid-19 ansteckten – rund 1200 Menschen mehr als zuletzt. Doch selbst damals, auf dem Höhepunkt der zweiten Welle, zählte die Stadt in der Nordstadt „nur“ 829 neue Corona-Fälle – knapp 9 Prozent weniger als jetzt.

Bereits bei der ersten Stadtbezirks-Auswertung im Juli 2020 hatte die Nordstadt die mit Abstand meisten Infektionen in Dortmund. Doch noch nie war ihr Anteil am Infektionsgeschehen in der Gesamtstadt so hoch wie in den vergangenen Wochen.

Zwischen Mitte August und Mitte September ging mehr als jede vierte nachgewiesene Corona-Infektion in Dortmund (27,3 Prozent) auf das Konto eines Nordstädters. Zum Vergleich: Auf dem Höhepunkt der zweiten Corona-Welle im Herbst 2020 lag der Anteil der Nordstadt an Dortmunds Neuinfektionen lediglich bei 18,3 Prozent und sank in ihrem weiteren Verlauf bis Mitte Januar auf 10,8 Prozent.

Warum sind die Infektionszahlen in der Nordstadt so hoch?

Doch warum dominierte die Nordstadt die vierte Corona-Welle in Dortmund so stark wie keine andere Welle vorher? In der „Fachkommentierung“, die das Gesundheitsamt mit der Auswertung verschickt hat, findet sich keine Erklärung für den starken Anstieg, bei dem die 7-Tages-Inzidenz in der Nordstadt zwischenzeitlich bei fast 500 lag.

Eine mögliche Erklärung gab Dortmunds Gesundheitsamtsleiter Frank Renken auf einer Pressekonferenz Anfang September: Dort wo die Impfquote niedrig sei, seien die Infektionszahlen auch höher und meinte damit offensichtlich die Nordstadt.

Auch das deutschlandweite Phänomen, dass sich in der vierten Welle besonders junge Menschen infizieren, die noch nicht geimpft sind, fällt wohl bei der Nordstadt ins Gewicht: Sie ist Dortmunds jüngster Stadtbezirk.

Und schließlich ist da noch das Reisen: Fast zwei Drittel der Corona-Infektionen in Dortmund von Mitte August bis Mitte September wurden bei Reiserückkehrern festgestellt. Viele Nordstädter mit ausländischen Wurzeln besuchen im Sommer ihre Verwandten.

Dass manche von diesen Besuchen eine Corona-Infektion zurück nach Hause gebracht haben, dafür spricht ein anderes Indiz: Bereits vor einem Jahr schoss der Anteil der Nordstadt an den Neuinfektionen in die Höhe. Damals lag er bei 27,1.

Über den Autor
Redaktion Dortmund
1984 geboren, schreibe ich mich seit 2009 durch die verschiedenen Redaktionen von Lensing Media. Seit 2013 bin ich in der Lokalredaktion Dortmund, was meiner Vorliebe zu Schwarzgelb entgegenkommt. Daneben pflege ich meine Schwächen für Stadtgeschichte (einmal Historiker, immer Historiker), schöne Texte und Tresengespräche.
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Thomas Thiel