Ein Paketzusteller in der Dortmunder Innenstadt sieht sich schweren Vorwürfen ausgesetzt. © dpa (Symbolbild)
Dortmunder Innenstadt

Sexuelle Belästigung: Dortmunderin erhebt Vorwürfe gegen Paketboten

Eine Dortmunderin fühlt sich von einem DHL-Zusteller sexuell bedrängt und schikaniert. Der Paketfahrer weist die Vorwürfe zurück. Sein Arbeitgeber trifft eine ungewöhnliche Entscheidung.

Eine Frau aus Dortmund schildert massive Probleme mit einem Paketboten des Dienstes DHL, der zur Deutschen Post gehört. Die Dortmunderin N.H. (Name geändert) gibt im Gespräch mit dieser Redaktion unter anderem an, sich von dem Mann durch mehrere Vorfälle sexuell diskriminiert zu fühlen.

Davon ausgehend seien über Monate Pakete nicht geliefert worden. Zweimal eskalierten Begegnungen, es gab Polizeieinsätze im Juli und August. „Es ist für mich eine beängstigende Situation zu wissen, dass ich ihn treffen könnte.“

Das sagt der Arbeitgeber des Paketzustellers

Der Bote schildert hingegen nach Aussage seines Arbeitgebers, der Deutsche Post DHL Group, eine gegenteilige Version der Geschichte. So teilt Sprecher Achim Gahr auf Anfrage dieser Redaktion mit: „Es ist kein Fehlverhalten festzustellen.“

N.H. schildert gegenüber dieser Redaktion, wie sich die Situation entwickelt hat. Begonnen habe alles mit Paketlieferungen an die Wohnung ihres Lebensgefährten Ende 2020, die nicht ihre Meldeadresse ist.

Der DHL-Bote habe bei der Übergabe mehrfach anzügliche Bemerkungen über ihren Körper gemacht, sagt sie. „Bei jeder Lieferung ließ er es sich nicht nehmen, mir seinen Gefallen an meinen üppigen Brüsten zu demonstrieren. Das hat mich derart angewidert, dass ich dann versucht habe die Pakete nur noch durch meinen Lebensgefährten entgegennehmen zu lassen“, sagt die Dortmunderin. „Das hat ihm offenbar nicht gefallen.“

Sexuelle Anspielungen – danach kamen keine Pakete mehr an

In der Folge seien wiederholt Pakete nicht angekommen. Eine Benachrichtigung habe sogar den Vermerk enthalten: „Empfängerin nicht zu ermitteln. Soll verstorben sein.“

Im Juli habe der Fahrer sie verfolgt, als sie mit ihrem Lebensgefährten im Auto unterwegs war, sagt sie. Daraufhin sei es zu einer „verbalen Auseinandersetzung“ zwischen den beiden Männern gekommen – so steht es im Polizeibericht. Es gibt gegenteilige Angaben darüber, wer diese begonnen hatte.

Streit auf offener Straße – mit erneutem sexuellem Übergriff?

Ende August begegneten sich H. und der Paketfahrer wieder direkt. Es kam zu einem Streit auf offener Straße. Der Zusteller habe ein Paket nicht übergeben wollen, mit der Begründung, ihr Name stehe nicht auf dem Klingelschild. Zusteller sind laut DHL dann verpflichtet, eine Lieferung an eine zentrale Abholstelle weiterzuleiten.

N.H. sagt: „Weil es ein wichtiges Paket war, bin ich in Kochkleidung runter gelaufen und habe mit ihm gesprochen. Er kannte mich ja offensichtlich.“

Er habe das Paket zurück ins Auto geworfen. Da es beschädigt war, habe sie versucht es zu fotografieren. Dabei habe der Fahrer sie zur Seite gedrängt und dabei gezielt ihre Brüste berührt. „Ich war geschockt, habe angefangen rumzuschreien und die Polizei gerufen.“

Wenig später sei neben einer Polizeistreife auch ein Vorgesetzter des Boten hinzugekommen. „Ich habe mich als Frau allein und eingeschüchtert gefühlt“, sagt sie. Eine Strafanzeige wegen der Berührung stellte sie deshalb nicht, der Vorfall war letztlich nicht einmal Teil des Polizei-Protokolls.

Von einer nachträglichen Anzeige wegen der Übergriffigkeit sah H. ab. Auch vor dem Hintergrund der einschüchternden Erfahrung im August, wie sie sagt. „Ich fühlte mich bloßgestellt und kam in der Situation gar nicht dazu, über den Vorfall zu sprechen. Es ging nur um meinen Namen auf dem Klingelschild.“

Dennoch hat sie sich jetzt trotzdem entschieden, detailliert über ihre Situation zu berichten. Denn: „Ich werde nicht die einzige Frau sein, die schon einmal so etwas erlebt hat.“

Post-Sprecher: „Auf keinen Fall unsittlich berührt.“

Post-Sprecher Achim Gahr erklärt: „Unser Zusteller sagt, er hätte sie auf keinen Fall unsittlich berührt.“ Er habe versucht, zu verhindern, dass die Kundin das Paket an sich nehme.

Die Deutsche Post DHL Group zieht sich auf die aus ihrer Sicht eindeutige Rechtslage zurück. „Die Adresse auf dem Ausweis muss mit der Lieferanschrift übereinstimmen. Wir müssen genau so vorgehen, weil sonst die Gefahr von Paketbetrug besteht“, sagt Achim Gahr.

Melderechtlich gibt es keine Verpflichtung einen Namen auf das Klingelschild zu schreiben.

Bei dem Boten handele es sich um einen „langjährigen Stammzusteller in der Innenstadt“, gegen den bisher noch nie eine Reklamation vorgelegen habe. Die Kundin sei ihm vom Vorgesetzten des Zustellers zudem als renitent beschrieben worden. Sie habe ihn angeschrien und sei beleidigend geworden. N.H. hingegen bestreitet, dass sie beleidigende Worte gewählt haben soll.

Deutsche Post sieht kein Fehlverhalten des Fahrers, zieht aber Konsequenzen

Wessen Version auch immer stimmt: Das Unternehmen zieht Konsequenzen aus dem Vorfall. „Um den Zusteller selbst vor irgendwelchen weiteren Äußerungen zu schützen, die ihn in Misskredit bringen könnten, haben wir die Zustellsituation für diese eine Kundin verändert“, sagt Achim Gahr. „Sie sollten normalerweise nicht mehr aufeinandertreffen.“

Der Fahrer bleibt weiter in seinem bisherigen Bezirk eingesetzt. Bestellt aber N.H. ein Paket an besagte Adresse in der Dortmunder Innenstadt, dann fährt dort künftig ein andere Kollege hin.

Dortmunderin berichtet von anzüglichen Blicken und Gesten

N.H. sagt dazu: „Das beruhigt mich.“ Sie vermeide zwar mittlerweile Bestellungen an die Anschrift ihres Lebensgefährten, dennoch sei es noch zu weiteren kurzen Begegnungen mit dem Fahrer gekommen.

Erneut habe es anzügliche Blicke und Gesten gegeben. „Jetzt ist es so, dass er, wenn er mich auf der Straße sieht, grinsend stehenbleibt und auf sein Glied zeigt.“

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Redaktion Dortmund
Seit 2010 Redakteur in Dortmund, davor im Sport- und Nachrichtengeschäft im gesamten Ruhrgebiet aktiv, Studienabschluss an der Ruhr-Universität Bochum. Ohne Ressortgrenzen immer auf der Suche nach den großen und kleinen Dingen, die Dortmund zu der Stadt machen, die sie ist.
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Felix Guth