Verkehrsplanung

Streit um Weg an den Westfalenhallen: Wer haftet dort überhaupt?

Darf der Weg zwischen den Messehallen 3 und 4 auf dem Westfalenhallen-Gelände zumindest zeitweise gesperrt werden? Im Dauerstreit um die Wegeverbindung hat die Politik das Wort - und will offene Fragen klären.

Es ist nur ein kleiner und vergleichsweise kurzer Weg. Aber er erhitzt schon seit Jahren die Gemüter. Denn er führt über das Gelände der Westfalenhallen – vom Kreuzviertel zur Strobelallee mit den Stadien und weiter in die Bolmke. Bei BVB-Heimspielen sind hier tausende BVB-Fans unterwegs.

Das Problem: Die Rad- und Fußverbindung liegt direkt zwischen den Messehallen 3 und 4. Deshalb hätte sich die Westfalenhallen GmbH gerne den Weg einverleibt, damit beim Auf- und Abbau von Messen Lkw und Gabelstapler ohne Probleme rangieren können. Doch dagegen gab und gibt es heftigen Protest von Verkehrs- und Umweltverbänden sowie Anwohnern aus dem nahen Kreuzviertel.

Die Verwaltung versuchte nun, mit einem Kompromiss die Wogen zu glätten. Der Weg soll grundsätzlich geöffnet bleiben, aber an bis zu 30 Tagen gesperrt werden können, wenn in den Messehallen Hochbetrieb herrscht. Alternativ soll eine neue Rad- und Fußwege-Verbindung angelegt werden, die um die große Westfalenhalle herum und entlang der Rosenterrassen zur Strobelallee führt.

Doch die Wege-Befürworter aus dem Kreuzviertel und den Verbänden lehnen nach wie vor eine temporäre Sperrung ab – und fanden damit auch die breite Unterstützung der Bezirksvertretung Innenstadt-West.

In den Ratsfraktionen ist die Meinung allerdings sehr geteilt, wie unlängst die Diskussion im Ausschuss für Mobilität, Infrastruktur und Grün zeigte.

„Eine Sperrung für bis zu 30 Tagen kommt für uns nicht in Frage“, schloss sich Sonja Lemke von der Fraktion Linke+ den Bedenken gegen den Kompromiss an. Es müsse eine verlässliche Wegeverbindung für den Fuß- und Radverkehr bleiben.

Grünen wollen Sicherheitsdienst

Die Grünen sehen es genauso. „Für uns ist die Wegeverbindung von zentraler Bedeutung und darf in keinster Weise eingeschränkt werden“, erklärte Ratsvertreter Matthias Dudde.

Die Grünen forderten in einem Antrag, zunächst probeweise für zwei Jahre einen Sicherheitsdienst zu beauftragen, um den Ladeverkehr bei geöffneter Wegeverbindung zu sichern. Außerdem sollten verkehrssichernde Maßnahmen wie Beschilderungen und Markierungen ins Auge gefasst werden. Nach Ablauf der zweijährigen Probephase soll dann auf Basis der gemachten Erfahrungen über eine endgültige Lösung für eine dauerhaft geöffnete Wegeverbindung für den Rad- und Fußverkehr entschieden werden.

Anders bewerten die Fraktionen von SPD und CDU die Lage. „Wir können uns eine temporäre Sperrung für bis zu 30 Tage vorstellen. Aber es darf auch nicht mehr sein“, sagte SPD-Ratsvertreterin Susanne Meyer. Sinnvoll sei, nach einem Jahr zu schauen, wie der Kompromiss funktioniere.

CDU hat rechtliche Fragen

Bei der CDU sieht man vor allem rechtliche Bedenken, wenn der Weg auch bei Hochbetrieb in den Messehallen dauerhaft geöffnet bleibt. Ratsherr Reinhard Frank favorisiert deshalb auf jedem Falle eine von der Verwaltung vorgeschlagene Wegeführung über Eissportzentrum und Rosenterrassen.

Eine Entscheidung über den Kompromiss mit zeitweiser Schließung wird wohl erst in der Ratssitzung am 23. September fallen. Bis dahin will die Verwaltung die Fragen etwa zu einer möglichen Haftung bei Unfällen auf dem Verbindungsweg klären, wie Planungsdezernent Ludger Wilde versprach.

Er warb noch einmal eindringlich für den Kompromiss, auf den sich die Westfalenhallen GmbH eingelassen habe. „Es ist ein guter Kompromiss auch für das Kreuzviertel“, sagte Wilde. Und er diene auch dazu, den Messestandort zu stärken. „Wir brauchen eine Lösung. Die Messeplanung für das nächste Jahr läuft schon“, mahnte der Planungsdezernent.

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Oliver Volmerich, Jahrgang 1966, Ur-Dortmunder, Bergmannssohn, Diplom-Journalist, Buchautor und seit 1994 Redakteur in der Stadtredaktion Dortmund der Ruhr Nachrichten. Hier kümmert er sich vor allem um Kommunalpolitik, Stadtplanung, Stadtgeschichte und vieles andere, was die Stadt bewegt.
Zur Autorenseite
Oliver Volmerich

Corona-Newsletter

Alle wichtigen Informationen, die Sie zum Leben in der Corona-Pandemie benötigen, sammeln wir für Sie im kostenlosen Corona-Newsletter. Jetzt abonnieren!

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.